, beste Leserin, dass Kenner ihre Kruste, und Kennerinnen ihre Krume vorzogen und beide beteuerten: "Nur Sie, Beste, könnten etwas Ähnliches backen." Das Kochfeuer war das zweite Element dieser Salamanderin; denn das erste der guten Nixe war das wasser. So in einer vollen Haushaltung – wie Siebenkäsens seine war, der alle Ephraimiten von Leibgeber der Kirchweihe geweihet hatte – sich wie in Sand zu baden, zu plätschern, zu scharren, zu schnattern, das war ihr Fach. Es war heute ihrem glühenden gesicht kein Kuss zu applizieren, aber die Frau hatte auch zu tun denn um 10 Uhr kam gar eine neue Arbeit hinter dem neuen Arbeiter, dem Fleischer.
Ich benies' es jetzt selber, dass die Welt für einen kurzen Bericht von der Sache mir – und wer kann ihn weiter geben – am Ende danken wird. Es wurde nämlich schon in Sommers Anfang eine schöne dürre Kuh, zu deren Kaufschilling die vier Haushaltungen zusammenschossen, auf die Mastung eingestellet. Der Buchbinder, der Schuhflicker, der Armenadvokat und der Haarkräusler – der sich von seinen Mietleuten nur darin unterschied, dass sie bei ihm, er aber bei seinen Gläubigern zur Miete wohnten – liessen von einer geschickten Hand – sie sass an Siebenkäsens Armröhre – ein autentisches Instrument – der sprachreinigende Kolbe schnauzet hier nach seiner Gewohnheit mich Unschuldigen über fremde Wörter in einem ja römisch-juristischen Aktus an – Lebens und Sterbens der Kuh halber verfertigen und aufsetzen, worin sämtliche Kontrahenten – sie standen alle aufmerksam um das leere Dokument, den ausgenommen, der sass und es fertigte – sich anheischig machten, dass 1. jeder der vier Interessenten am Rinde das besagte
Rind alternierend melken sollte und dürfte – 2. dass das Küchen- oder Mast-Personale aus einer ge
meinschaftlichen Kriegkasse das Kostgeld, den Kü
chenwagen und überhaupt den Unterhalt des besag
ten Rinds bestreiten sollte und dürfte – und 3. dass die Alliierten besagtes Maststück nicht nur den
Tag vor Michaelis, den 28. Sept. 1785, totschla
gegen, sondern auch jedes Viertel desselben wieder in
vier Viertel nach dem Ackergesetz (lex agraria) für
die vier Teilhaber zerhacken sollten und dürften.
Siebenkäs fertigte vier vidimierte Kopeien vom Partagetraktat aus, für jeden eine; und nie schrieb er etwas mit ernstafterer Lust. Heute war bloss noch der 3te Artikel von dem friedsamen Hausverein von vier Evangelisten zu erfüllen, welche sämtlich zum Wappentiere nur ein Kompagnie-Tier und noch dazu nur das weibliche des Lukas genommen.
Aber die Gelehrten lechzen nach meiner Kirmes – ich werfe also mein Tier- und Menschenstück nur flüchtig her. Kolbe fährt natürlich fort und fährt mich an. Der Septembrisierer, der Fleischer, tat noch am Ende des Fruktidors seine Pflicht gut – die Vierfürsten von Konviktoristen standen bei allem, und selber die alte Sabine tat viel und zog einiges. – Die Quadrupelalliance speisete sich wie den erschlagnen Viehstand mit einem zusammengeschossenen Pickenick, bloss um den Metzgermeister gratis hineinzuziehen; und allerdings erschien ein Liguist, den ich unten nennen werde, in einer Verfassung und Kleidung am Tische, die nicht ernstaft genug für das Einschlachten vorkam die Schlacht-Hansa machte sich dann ans Divisionexempel nach der Gesellschaftrechnung, und das goldene Kalb, um das sie tanzten, wurde mit verschiedenen heraldischen Schnitten, wovon ich keine namhaft machen will als den Wellenschnitt, den Klee, den Haupt-, den Zahn-, den Stufen- und den Querschnitt, gerecht zerschnitzt – – und dann war es vorbei. Ich denke, ich kann keinem etwas Rühmlichers von der ganzen zootomischen Teilung sagen, als was der Teilhaber Siebenkäs selber sagte: "Zu wünschen wär' es, die zwölf Stämme und in den neuern zeiten das römische Kaisertum wäre so redlich oder vielfach zerteilt worden als unsere Kuh und Polen."
Dem Embonpoint der letzten wird man sein Recht gegeben haben, wenn man folgendes Lob des Schuhflickers Fecht anführt: "Dass dich alle Schock KreuzMohren-Schwerenot! Du Schwerenöterin! – (Nun auf einmal mit herabgesunkener frommer stimme:) Nun der liebe Gott hat dem lieben Vieh recht sein Gedeihen geschenkt und uns unwürdige arme Sünder über alle massen gesegnet." Er hatte sich als ein lustiger Springinsfeld ins schwere pietistische Kutschenzeug eingeschirrt und musste immer seine alten Flüche mit neuen Seufzern versüssen. Und eben auf dieses Fechtes nicht ganz würdige Verfassung und Kleidung zielt' ich oben, da er leider an dem ganzen EinschlachtTage keine Hosen anhatte, sondern bloss im weissen Fries-Rock seines Weibes das Zergliederhaus aufund abrennte und so seine eigne eheliche Hälfte vorstellte; aber die Sozietät verdachte ihm nichts; er konnte nicht anders, denn seine schwarzledernen Bein-Düten wurden, solange als er sich im demi-negligé einer Amazone aufhielt und wie ein Hermaphrodit aussah, im Färbekessel neu aufgelegt oder gedruckt.
Aber endlich wird Kolbe mein Freund; denn ich fahre deutsch fort wie folgt.
Der Armenadvokat hatte Lenetten gebeten, abends 4 1/2 Uhr sich zu ihm zu setzen und sich nicht mehr abzuarbeiten, etwa mit dem Abendessen, er wolle sich heute eines abkargen und nichts geniessen als für einen halben Taler Kuchen: die Flinke rannte und fegte; und wirklich schon um 6 Uhr lagen beide in den weiten ledernen Armen – eines breiten Grossvaterstuhls (denn er hatte kein Fleisch, sie keine Knochen) und schaueten ruhig-beglückt wie Kinder, welche essen, die messkünstlerischgeordnete stube an und das allgemeine Gleissen und die Kuchen-Mondsicheln in ihren Händen und das flüssige Glanz- oder vielmehr Zwischgold der tiefen Sonne, das sich an