1796_Jean_Paul_051_180.txt

. Daher wird der jetzige Überfluss daran, um die Flösse zu steigernwie man 1760 in Amsterdam öffentlich für 8 Millionen Livres Muskatennüsse verbrannte, um ihren alten Preis zu erhalten –, gleichfalls eingeäschert.

Ich als König vom kuhschnappelischen Jerusalem will ferner, dass der Senat und das Volk, Senatus populusque Kuhschnappeliensis151, nicht verdammt werden, sondern selig, besonders auf dieser Weltdass ferner die Stadt-Magnaten nicht die kuhschnappelischen Nester (Häuser) zugleich mit den indischen verschluckenund dass die Abgaben, die durch die vier Mägen der Hebbedienten durch müssen, durch die Panse, durch die Mütze, den Psalter und den Fettmagen, am Ende doch aus Milchsaft zu rotem Blute (aus Silber zu Gold) verarbeitet, und wenn sie durch die Milchgefässe, den Milchsack und Milchgang geflossen, ordentlich ins Geäder des staates-Körpers getrieben werden. – Ich will ferner und verordne ferner, dass der Grosse und der Kleine Rat..." Der Landschreiber wollte aufhören und schüttelte auffallend den Kopf; aber Leibgeber spielte scherzend mit der ausgehenkten Büchse, womit der Testator sich auf den Schützentron geschwungenanstatt dass andere sich an fremden Springstäben von Ladstöcken darauf heben –, und Börstel schrieb in seinen Morgenschweissen weiter nieder:

"Dass also der Schulteiss, der Seckelmeister, der Heimlicher und die acht Raterrn und der Grossweibel mit sich reden lassen und keine andern Verdienste belohnen als die Verdienste fremder Leute, und dass der Schuft von Blaise und der Schuft von Meiern aneinander täglich prügelnde hände als Verwandte legen sollen, damit doch einer da ist, der den andern bestraft...."

Da sprang der Landschreiber in die Höhe, berichtete, es versetz' ihm die Luft, und trat ans Fenster, um frischere zu schöpfen, und als er ersah, dass drunten in geringer Schussweite vom Fensterstock ein GerberlohHügel emporstehe, hob und setzte ihn der nachschiebende Schrecken von hinten auf die Brüstung hinaus; nach einem solchen ersten Schritte tat er, eh' ihn ein Testamentzeuge hinten fangen konnte, einen zweiten, langen in die nackte Luft hinein und schlug als die eigne Zunge seiner Schnellwaage über den Fensterstock hinaus, so dass er dem niedrigen Poussierstuhlich meine der Gerber-Lohleicht begegnen konnte. Als fallender Künstler konnte' er nach seiner Ankunft nichts Besseres vornehmen, als dass er sich seines Gesichtes als eines Grabstichels und einer plastischen Form und Kopiermaschine bediente und damit sein Bild in vertiefter Arbeit matt in den Hügel formte; auf letztem lagen seine Finger als arbeitsame Poussiergriffel und kopierten sich selber, und mit dem Notariatpetschaft, das er neben das Dintenfass gestellt und mitgenommen hatte, kontrasignierte er aus Zufall den Vorfall. So leicht kreiert ein Notarius einem Pfalzgrafen gleicheinen zweiten; Börstel aber liess den Konotarius und das ganze Naturspiel liegen und dachte im Heimgehen an andere Sachen. Die Herren Stiefel und Leibgeber hingegen sahen zum Fenster heraus und hielten sich, als er unter Dach und Fach verschwunden war, an seinen zweiten äusserlichen Menschen, der ausgestreckt unten auf dem anatomischen Teater lag und nach Juchten rochworüber der Verfasser dieses nicht ein Wort mehr sagen will als das von Heinrich: "Der Landschreiber hat unter das Testament ein grösseres Petschaft drücken wollen, das keiner nachsticht, und solches mit seinem leib untersiegeltund drunten sehen wir ja den ganzen sphragistischen Abdruck."

Der Letzte Wille wurde von den Testamentzeugen und dem Testator unterzeichnet, so weit der Wille gingund mehr als ein solches halb militärisches Testament war unter solchen Umständen kaum zu fodern.

jetzt neigte sich der Abend herein, wo sich der kranke Mensch, wie seine Erde, von der Sonne abwendet und sich bloss dem dämmernden Abendstern der zweiten Welt zukehrt, wo die Kranken in diese ziehen, und wo die Gesunden nach dieser schauenund wo Firmian ungestört dem teuern weib den Abschiedkuss zu geben und langsam zu ermatten hoffte, als leider der gewitterhafte Helfer (Diakonus) und Frühprediger Reuel152 in die stube rauschte. Er stellte sich in der kirchlichen Rüstung, in Ringkragen und Schärpe, ein, um den Kranken, dem er das Band der Ehe in doppelte Schleifen unter dem Halse gebunden hatte, hinlänglich auszuhunzen, dass er als Beichtpfennig-Defraudant den Zoll der Kranken- und der Gesunden-Kommunion auf dem Himmel- und Höllenwege umfahren wolle. Wie (nach Linné) die ältern Botaniker, ein Croll, Porta, Helvetius, Fabrizius, aus der Ähnlichkeit, die ein Gewächs mit einer Krankheit hatte, den Schluss machten, dass es solche hebedaher sie gelbe Pflanzen, Safran, Kurkumei, gegen Gelbsucht verschriebenDrachenblut, japanische Erde gegen DysenterieKopfkohl gegen Kopfweh spitze Dinge, Fischgräten gegen Seitenstich –, wie also die offizinelle Pflanze sich wenigstens von weitem dem Gebrechen nähert, wogegen sie wirkt: so nehmen auch in den Händen guter Frühprediger die geistigen Heilmittel, Predigten, Ermahnungen, die Gestalt der Krankheiten, des Zorns, des Stolzes, des Geizes, an, wider welche sie arbeiten, so dass oft zwischen dem Bettlägerigen und dem arzt kein Unterschied ist als der der Stellung. Reuel war so. Vorzüglich dachte' er darauf, in einer Zeit, wo der luterische Geistliche so leicht für einen heimlichen Jesuiten und Mönch verschrieen wird, sich von letztem, der nichts sein nennt und der kein Eigentum haben darf, nicht durch Worte, sondern durch Handlung zu unterscheiden und daher recht augenscheinlich nach Eigentum zu jagen und zu schnappen. Hoseas Leibgeber suchte ein Sperrstrick und Drehkreuz für den Prediger zu