, sagte kalt der Vormund, "Sie müssen mir bezeugen, Hr. Advokat, dass ich schon gesonnen war, Ihnen heute die Erbschaft auszuzahlen; denn Ihre Versicherung, dass Sie Ihren väterlichen Namen mit einem wildfremden vertauschet, konnte' ich nach Ihrem jokosen Humor recht gut bloss für Scherz nehmen. Ich erfahr' aber in der vorigen Woche, dass Sie sich wirklich als Hr. Siebenkäs proklamieren und kopulieren lassen und mehr dergleichen. Nun sprach ich mit dem Hrn. Grossweibel (Präsidenten) der Erbschaftkammer, meinem Schwiegersohn, Hrn. v. Knärnschilder, aus der Sache, der mir sagte, ich würde gegen meine Pflicht und meine eigne Sicherheit verstossen, wenn ich die Erbschaftmasse wirklich aus den Händen gäbe. 'Was wollten Sie exzipieren – sagt' er ganz recht –, wenn einmal der wahre Inhaber des Namens erschiene und Ihnen die zweite Extradierung der Pupillengelder abfoderte?' – Und in der Tat wäre es zu hart für einen Mann, der bei so vielen Geschäften sich der beschwerlichen Kuratel, die ihm die gesetz erlassen, bloss aus Liebe zu seinem Verwandten und aus Bruderliebe8 gegen alle seine Mitbrüder unterzogen, zu hart wär' es, sag' ich, wenn er dafür zum Lohne dieselbe Summe noch einmal aus seinem eignen Beutel zahlen müsste. – Inzwischen, Hr. Advokat Siebenkäs, da ich für mich als Privatperson die Rechtmässigkeit Ihrer Foderungen vielleicht mehr einräume, als Sie denken, da Sie aber als Rechtsgelehrter recht gut wissen, dass eine individuelle Überzeugung noch immer keinen legalen Rechtsgrund abgibt, und dass ich hier nicht als Mensch, sondern als Tutor handeln muss: so wär's wohl am besten, einer für meine Wünsche weniger parteiischen Mittelperson, nämlich der Erbschaftkammer, die Entscheidung zu überlassen. Machen Sie mir nur bald, Hr. Advokat Siebenkäs", endigte er lächelnder und die Hand auf dessen Schulter legend, "das Vergnügen, das gerichtlich bewiesen zu sehen, was ich bloss wünsche, dass Sie mein so lange verschollener Vetter Leibgeber sind."
– "Sollte denn", sagte Leibgeber grimmig-gelassen und mit verschiedenen Läufern und Fugen auf dem Farbenklavier des Gesichts, "die kleine Ähnlichkeit, die Hr. Siebenkäs da mit – sich selber hat, nämlich mit Dero Hrn. Pupill, sollte die nichts beweisend verfangen, wie eine ähnliche Ähnlichkeit bei der comparatio litterarum?" – "Allerdings", sagte Blasius, "etwas, aber alles nicht: denn es gab viele PseudoNeros, und drei oder vier Pseudo-Sebastiane in Portugal – und wenn Sie nun selber mein Hr. Vetter wären, Hr. Leibgeber?"
Dieser sprang schnell mit verändertem freudigen Tone auf und sagte: "Das bin ich auch, mein teuerster Hr. Vormund – es war nur alles probe – und verzeihen Sie meinem Freunde da die kleine Verstellung." – "Alles ganz wohl", versetzte er aufgeblasener; "aber Ihre eigenen Winkelzüge, meine Herren, müssen Sie nun doch von der notwendigkeit einer obrigkeitlichen Indagation überführen."
Das überwältigte den Armenadvokaten; – er drückte die Hand seines Freundes, damit sich dieser bezähmte, und fragte mit einer vom Gefühle fremden Hasses ordentlich niedergedrückten stimme: "Haben Sie nie nach Leipzig an mich geschrieben?" – "Wenn Sie mein Mündel sind", versetzte Blasius, "jawohl mehrmal; sind Sie es nicht, so haben Sie meine Briefe bloss auf eine andere Weise." Nun sagt' er noch weicher stammelnd: "Erinnern Sie sich keines Schreibens, worin Sie mir die Gefahrlosigkeit meines Namentausches versicherten, gar keines?" – "Wahrhaftig, das ist lächerlich", versetzte Blaise, "dann wäre die streitige Sache ja eben entschieden."
Hier legte Leibgeber an den Vater der Stadt die zehn Finger wie Nietnägel und erfasste jede Achsel wie einen Sattelknopf und machte ihn durch die Händeklammern an den Sessel fest und rollte die Worte heraus: "Kein Schreiben? keines, keines, alter ehrlicher grauer Schelm? – Grunze nicht, ich erdrossele dich! Keines, o du treuer Gott! – Rühr dich nicht, Tutor, mein Hund reisst dir die Kehle heraus – antworte leise – kein Schreiben hast erhalten, sagst du?"
"Gern sag' ich nichts", lispelte Blasius, "da ja ohnehin im Zwange kein Zeugnis gelten kann." jetzt zog Siebenkäs seinen Freund von ihm weg, aber dieser sagte zum Saufinder: "Mordax, hui Sau!" hob vom Staatsdiener die gläserne Perücke ab und brach die wichtigsten Locken aus und sagte – der Saufinder lag sprungrecht – zu Siebenkäs: "Schraub ihn fest, weils der Hund nicht tun soll, damit er mir zuhört, ich will ihm Fleuretten vorsagen, und lass ihn nicht Pap sagen. – Hr. Heimlicher, geborner von Blasius, meine Absicht ist hier gar nicht, Ihnen Injurien anzutun oder gar improvisierte Pasquille vorzusagen, sondern ich will Sie vielmehr einen alten Spitzbuben nennen – einen etwanigen Waisen-Räuber – einen befirnisten Schelm und was dergleichen mehr ist, als z.B. einen polnischen Bären, dessen Fährte wie eine Menschenspur9 aussieht. Solche Titel, die ich hier brauche, als Schelm – Judas – Strick" (er schlug bei jedem Worte den gläsernen Turban als ein Becken bei der Janitscharenmusik gegen die andere Hand) "– Schuft – Blutigel, Tränenigel, solche Nominaldefinitionen sind keine Injurien und beleidigen nicht, erstlich weil man nach L. §. de injur.10 die grössten Injurien ganz gut