1796_Jean_Paul_051_167.txt

Scherz, "aber geben Sie acht, meine Lenette wird es, dass ich mit Leibgebern zweimal, einmal nachmittags, einmal abends, bei Natalien gewesen und in Fantaisie spazieren gegangen: nun, Lenette?" – Sie warf die Kirschen-Lippe auf, und ihr Auge schien Voltas elektrischer Verdichter zu sein.

Stiefel ging, und Lenette warf ihm aus einem Angesicht, auf dem zwei Feuer, das Zornfeuer und ein schöneres, zu brennen schienen, einen Funken voll Augenliebe über die Treppe nach, der die ganze Pulvermühle eines Eifersüchtigen in Brand hätte stecken können. Das Ehepaar war kaum droben, so fragte er sie, um ihr zu schmeicheln: "Hat dich der verwetterte Venner wieder gequält?" – jetzt knatterte ihr Feuerwerk, dessen Gerüst schon lange im gesicht gestanden, zischend los: "Ei, du kannst ihn freilich nicht leiden, deiner schönen gelehrten Natalie wegen bist du auf ihn eifersüchtig. Denkst denn du, ich weiss es nicht, dass ihr miteinander die ganze Nacht im wald herumgegangen, und dass ihr euch geherzet und geküsset habt! Schön! – Pfui! Das hätt' ich aber nicht gedachtDa musste freilich der gute Hr. von Meiern die reizende Natalie mit aller ihrer Gelehrsamkeit sitzen lassen. Defendier dich doch!" –

Firmian antwortete sanft: "Ich hätte den unschuldigen Punkt, der mich betrifft, vor dem Schulrat mit erzählt, hätt' ich dirs nicht schon angesehennehm' ichs denn übel, dass er dich unter meiner Reise geküsset hat?" Das entflammte sie noch mehr, erstlich, weil es ja Firmian nicht gewiss wusstedenn richtig war es –, zweitens, weil sie dachte: "jetzt kannst du leicht vergeben, da du eine Fremde lieber hast als mich"; aber aus demselben grund, da sie ja auch einen Fremden lieber hatte als den Mann, hätte sie ja auch verzeihen müssen. Anstatt seine vorige Frage zu beantworten, tat sie, wie gewöhnlich, selber eine: "Hab' ich noch jemanden seidne Vergissmeinnicht gegeben, wie eine Gewisse einem Gewissen getan? Gottlob, ich habe meine ausgelöset noch in der Kommode." jetzt stritt Herz mit Herz in ihm; sein weiches wurde innig von dem absichtlosen Zusammenbinden so unähnlicher Vergissmeinnicht durchdrungen; aber sein männliches wurde heftig aufgereizt durch ihr verhasstes Schutz- und Trutzbündnis mit dem, der das von Natalie gerettete einfältige Mädchen, wie es jetzt am Tage lag, in die Fantaisie als ein Schiesspferd hingeschickt, um darhinter sich und sein Rachgewebe zu verstecken. Da nun Siebenkäs mit zorniger stimme seinen Richterstuhl zu einem Armensünderstuhl des Venners machte, diesen einen weiblichen Knospenkäfer schalt und einen Taubenhabicht und Hausdieb der Eheschätze und einen Seelenverkäufer gepaarter Seelen und da er mit dem höchsten Feuer beschwur, dass nicht Rosa eine Natalie, sondern sie einen Rosa ausgeschlagenund da er natürlich seiner Frau jede Verbreitung des Vennerischen lügenden Halbromans gebieterisch untersagte: so verwandelte er die arme Frau vom Fuss bis auf den Kopf in einen harten, beissendenRettig aus Erfurt.... Lasset unsere Augen nicht zu lange und nicht zu richterlich auf dieser Hitzblatter oder auf diesem Eiterungfieber der armen Lenette bleiben! – Ich meines Orts lasse sie stehen und falle lieber hier das ganze Geschlecht auf einmal an. Ich werde das tun, hoff' ich, wenn ich behaupte, dass die Weiber nie mit fressendern Farben malenso dass Swifts schwarze Kunst dagegen nur eine Wasserkunst ist –, als wenn sie körperliche Hässlichkeiten fremder Weiber abzufärben haben; ferner, dass das schönste Gesicht zu einem hässlichen aufbirst, aufquillt und sich auszackt, wenn es, statt der Trauer über den Überläufer, Entrüstung über die Werboffizierin verrät. Genau genommen, ist jede auf ihr ganzes Geschlecht eifersüchtig, weil demselben zwar nicht ihr Mann, aber doch die übrigen Männer nachlaufen und so ihr untreu werden. Daher tut jede gegen diese Vice-Königinnen der Erde den Schwur, den Hannibal gegen die Römer, die Könige der Erde, ableistete und ebensogut hielt. Jede hat daher die Kraft, die Fordyce allen tierischen Körpern beilegt, die andern kalt zu machen; und in der Tat muss jede ein Geschlecht verfolgen, das aus lauter Nebenbuhlerinnen besteht. Daher nennen sich viele, z.B. ganze NonnenKlöster, die Herrnhuterinnen, Schwestern oder auch verschwisterte Seelen, um etwa, weil gerade Geschwister sich am meisten veruneinigen, durch diesen Ausdruck das Verhältnis ihrer Gesinnung zum teil zu bezeichnen. Daher bestehen die parties carrées de Madame Bouillon aus drei Männern, und nur aus einer Frau. Das hat vielleicht den hl. Atanasius, Basilius, Scotus137 und andere Kirchenlehrer gezwungen, anzunehmen, dass die Weiberbloss die Maria ausgenommenam Jüngsten Tage als Männer auferstehen, damit im Himmel kein Zank und Neid entstehe. Nur eine einzige Königin wird von vielen l000 ihres Geschlechts geliebt, genährt, gesuchtdie Bienenkönigin von den Arbeitbienen, die nach allen neuern Augen Weibchen sind. –

Ich will dieses Kapitel mit einem Vorwort für Lenetten ausmachen. Der böse Feind Rosa hatte, um Gleiches mit Gleichem oder mit noch etwas Schlimmerem zu vergelten, ganze Säetücher voll Unkraut ins offne Herz Lenettens ausgeleert und vor ihr anfangs Komplimente und Nachrichten von ihrem mann, und zuletzt Verkleinerungen ausgepackt. Sie hatte ihm schon darum sehr geglaubt, weil er eingelehrtes Mädchen anschwärzte, verliess und aufopferte. Ihr Groll aber gegen den Schuldigen, Siebenkäs, musste unendlich wachsen, bloss weil sie den Ausbruch desselben verschieben musste. Zweitens hassete