, sooft ich es sehe. – Im Leben kommt uns nie dieses anschauliche, furchtbare Einschwinden von Höhen vor."
Während der Armenadvokat noch auf eine sehr richtige Erwiderung dieses so wahren Gefühlwortes sann: war Natalie ins wasser gesprungen, um ein Kind, das, von ihr wenige Schritte fern, vom Beckenrand hineingefallen, eiligst zu retten, da das wasser über halbe Mannhöhe gestiegen. Ehe die danebenstehenden Männer, die noch leichter retten konnten, daran dachten, hatte sie es schon getan, aber mit Recht; und nur Eile ohne Rechnen war hier das Gute und Schöne. Sie hob das Kind empor und reichte es den Frauen hinauf; Siebenkäs und Leibgeber aber ergriffen ihre hände und hoben die Feurige und Seelenrotwangige leicht auf die Beckenküste. "Was ist es denn? Es schadet ja nichts", sagte sie lachend zum erschrocknen Siebenkäs und enteilte mit den verblüfften Freundinnen davon, nachdem sie Leibgebern gebeten, morgen abends gewiss mit seinem Freunde in die Fantaisie zu kommen. "Dies versteht sich, aber ich allein komme schon frühmorgens", hatte' er versetzt.
Beide Freunde hatten jetzt sich und Einsamkeit sehr vonnöten; Leibgeber konnte, von neuem aufgeregt, die Birkenwaldung kaum erwarten, wo er das vorige Gespräch über Firmians Haus- und Ehelage gar hinauszuspinnen vorhatte. Über Natalie bemerkte er gegen den verwunderten Freund nur flüchtig, eben dies sei, was er an ihr so liebe, ihre entschiedene Aufrichtigkeit im Handel und Wandel und ihre männliche Heiterkeit, in welcher Menschen und Armut und Zufälle nur als leichte lichte Sommerwölkchen schwämmen und verflögen, ohne ihr den Tag zu trüben.
"Was nun dich und deine Lenette anbelangt", fuhr er in der waldigen Einsamkeit so ruhig fort, als hätte er bis hieher gesprochen, "so nähm' ich, wenn ich an deiner Stelle wäre, ein zerteilendes Mittel und schaffte mir den schweren Gallenstein der Ehe heraus. Wenn ihr noch Jahre lang mit eueren Haar- und Beinsägen auf dem ehelichen Bande hin und her kratzet und streicht: so könnt ihrs vor Schmerzen nicht mehr aushalten. Das Ehegericht tut einen derben Schnitt und Riss – entzwei seid ihr."
Siebenkäs erschrak über die Ehescheidung, nicht als ob er sie nicht wünschte, als die einzige Wetterscheide; nicht als ob er sie und die daraus sich anspinnende Verbindung mit dem Schulrate Lenetten nicht gönnte: sondern weil er bedachte, dass Lenette, ihrer ähnlichen Wünsche ungeachtet, aus Hermesschen Gründen und bürgerlicher Scham sich nie ins gewaltsame Trennen fügen würde; dass ferner er und sie auf dem Wege zur Trennung noch grausame, schneidende Stunden voll Herzgespann und Nervenfieber durchgehen müssten, und dass sie beide kaum eine Trauung, geschweige eine Scheidung bezahlen könnten. Und ein Nebenumstand war noch: es tat ihm wehe, dass er das arme unschuldige geschöpf, das in so manchen kalten Stürmen des Lebens neben ihm gezittert hatte, auf immer aus seinen Armen und aus seiner stube, und noch dazu mit dem Schnupftuch in der Hand, sollte gehen sehen.
Alle diese Bedenklichkeiten, manche schwächer, manche stärker, trug er seinem Liebling vor und schloss mit der letzten: "Ich bekenne dir auch, wenn sie mit allem ihren Geräte von mir fortzieht und mich allein, wie in einem Erbbegräbnis, in der weiten stube lässt und an allen den ausgelichteten, geschleiften Plätzen, wo wir sonst doch in mancher freundlichen Stunde beisammensassen und Blumen um uns grünen sahen: so darf sie nachher nicht mehr, zumal mit meinem Namen, ohne doch die meine zu sein, vor meinem Fenster vorbeigehen; oder es schreiet etwas in mir: stürz dich hinunter und falle zerbrochen vor ihre Füsse.... Wär's nicht zehnmal gescheuter", fuhr er in einem andern Tone fort und wollte in einen aufgewecktern kommen, "man wartete es ab, bis ich oben in der stube selber (was nützt mir sonst mein Schwindel) auf eine ähnliche Art hinfiele und auf eine schönere zum Fenster hinauskäme und zur Welt auch... Der Freund Hein nimmt sein langes Radiermesser und schabet meinen Namen ausser andern Klecksen aus ihrem Trauschein und Ehering heraus." – –
Das schien wider alle Erwartung seinen Leibgeber immer munterer und belebter zu machen. "Das tu", sagt' er, "und stirb! Die Leichenkosten können sich unmöglich so hoch wie andere Scheidekosten belaufen, und du stehst noch dazu in der Leichenkasse." Siebenkäs sah ihn verwundert an.
Er fuhr im gleichgültigsten Tone fort: "Nur, muss ich dir sagen, wird für uns beide wenig herauskommen, wenn du lange satteln und hocken und erst in einem oder zwei Jahren mit Tod abgehen willst. Für sachdienlicher hielt' ichs für meine person, wenn du von Baireut nach Kuhschnappel gingest und dich gleich nach deiner Ankunft aufs Kranken- und Totenbette legtest und da Todes verblichest. Ich will dir aber auch meine Gründe angeben. Einesteils würde dann gerade vor der Adventzeit das Trauerhalbjahr deiner Lenette aus, und sie brauchte dann nicht erst eine Dispensation von der Adventzeit, sondern nur eine von der Trauerzeit einzuholen, wenn sie noch vor Weihnachten sich mit dem Pelzstiefel trauen lässt. Auch meinerseits wär's gut; ich verschwände dann unter die Volkmenge der Welt und sähe dich nicht eher wieder als spät. Und dir selber kann es nicht gleichgültig sein, bald zu verscheiden, weil es dein Nutzen ist, wenn du früher – Inspektor wirst." – –
"Das ist das erstemal, lieber Heinrich", versetzte er, "dass