nach einigen von den Trink-Hörnern der Alten abstammt, aber nach mehren von Hor oder Kot – nicht eher als am zwölften. Wendeline liebte den Rat: das war es. Sie hatte mit allen verständigen Kuhschnapplerinnen an den Generalsuperintendenten und seinen Erd-Fussstoss geglaubt, bis abends der Pelzstiefel sich frei erklärte, die Meinung sei gottlos; dann fiel sie vom prophetischen Superintendenten ab und dem ungläubigen Weltkind Firmian bei. Wir wissen alle, er hatte so gut männliche Launen, die immer die Konsequenz übertreiben, wie sie weibliche, die in der Inkonsequenz zuviel tun. Es war also töricht, dass er eine durch so viele kleine Gall-Ergiessungen erbitterte Freundin durch eine grosse Herz-Ergiessung wiederzugewinnen hoffte. Die grösste Wohltat, die höchste männliche Begeisterung reissen keinen mit tausend kleinen Wurzelfasern im Herzen herumkriechenden Groll auf einmal heraus. Die Liebe, um die wir uns durch ein anhaltendes Erkälten brachten, können wir nur durch ein so anhaltendes Erwärmen wieder sammeln.
Kurz nach einigen Tagen zeigt' es sich, dass alles blieb, wie es vor drei Wochen war. Die Liebe Lenettens hatte durch Stiefels Entfernung so zugenommen, dass sie nicht mehr mit ihren Blättern unter der Glasglocke Platz hatte, sondern schon ins Freie wuchs. Die Aqua toffana der Eifersucht lief endlich in alle Adern Firmians herum und quoll ins Herz und frass es langsam auseinander. Er war nur der Baum, in den Lenette ihren Namen und ihre Liebe gegen einen andern eingezeichnet hatte, und der an den Schnitten verwelkt. Er hatte an Lenettens Wiegenfeste so schön gehofft, der zurückgerufne Schulrat werde die grösste Wunde schliessen oder bedecken: und gerade er zog sie wider Wissen immer weiter auseinander; aber wie wehe tat dies dem armen Gatten! So wurde' er nun innen und aussen ärmer und kränker zugleich und gab die Hoffnung verloren, den 1ten Mai und Baireut zu sehen. Der Februar, der März und der April zogen mit einem grossen tropfenden Gewölke, an dem keine lichte oder blaue Fuge und kein Abendrot war, über sein Haupt.
Am 12ten April verlor er seinen Prozess zum zweitenmal; und am 13ten, am Grünen Donnerstag, schloss er auf immer sein Abendblatt (wie er sein Tagebuch nannte, weil er abends daran schrieb), um dasselbe und seine Teufels-Papiere – soweit sie fertig waren – statt seines bald verfliegenden Körpers nach Baireut in Leibgebers treueste hände zu bringen, welche ja doch lieber, dachte' er, nach seiner Seele – die eben in den Papieren wohnte – greifen würden als nach seinem dürren leib, den ja Leibgeber selber in zweiter unabänderlicher Auflage, gleichsam Männchen auf Männchen, an sich trug und mitin jede Minute haben könnte. Die ganze Stelle des Abendblattes, diesen nachher auf die Post geschickten Schwanengesang, nehm' ich ohne Bedenken unverändert hier herein. "Gestern scheiterte mein Prozess an der zweiten Instanz oder Untiefe. Der gegnerische Sachwalter und die erste Appellationkammer haben gegen mich ein altes Gesetz, das nicht nur im Baireutischen, sondern auch in Kuhschnappel gültig ist, vorgekehrt: dass mit einem Notariatzeugenrotul nicht das geringste zu erhärten ist; es muss ein Rotul von Gerichten sein. Die zwei Instanzen machen mir den bergaufgehenden Weg zur dritten leichter: meiner armen Lenette wegen appellier' ich an den Kleinen Rat, und mein guter Stiefel tut die Vorschüsse. Freilich muss man bei den fragen, die man an die juristischen Orakel tut, die Zeremonie beobachten, womit man sonst andere den heidnischen vorlegte: man muss fasten und sich kasteien. Ich hoffe den Staat-Schalken107 oder vielmehr den Pürschmeistern mit dem Weidmesser oder Knebelspiess des Temisschwertes schon durch das Jagdzeug der Prozessordnung und durch die Jagdtücher und Prell- und Spiegelgarne der Akten durchzuwischen, nicht sowohl durch meinen wie ein Fühlfaden dünngezogenen Geldbeutel, den ich etwa wie einen ledernen Zopf durch alle enge Maschen der JustizGarnwand zöge; nicht damit sowohl, hoff' ich, als mit meinem leib, der sich nahe an den hohen Netzen in Totenstaub verwandeln und dann frei durch und über alle Maschen fliegen wird.
Ich will heute die letzte Hand von diesem Abendblatte, eh' es ein vollständiges Martyrologium wird, abziehen. Ich würde, wenn man das Leben wegschenken könnte, meines jedem Sterbenden geben, der es wollte. Indessen denke man nicht, dass ich darum, weil über mir eine totale Sonnenfinsternis ist, etwa sage, in Amerika ist auch eine – oder dass ich, weil gerade neben meiner Nase Schneeflocken fallen, schon glaube, auf der Goldküste hab' es zugewintert. – Das Leben ist schön und warm; sogar meines war es einmal. Sollt' ich noch eher als die Schneeflocken eintrocknen: so ersuch' ich meine Erbnehmer und jeden Christen, von meiner Auswahl aus des Teufels Papieren nichts drucken zu lassen, als was ich ins reine geschrieben, welches (inclus.) bis zur Satire über die Weiber geht. Auch darf er aus diesem Tagebuche, in dem zuweilen ein satirischer Einfall auffliegen mag, keinen einzigen zum Druck befördern; das verbiet' ich ernstlich.
Will ein Geschichtforscher dieses Tag- oder Nachtbuchs gern wissen, was für schwere Lasten und Nester und Wäsche denn an meine Äste und an meinen Gipfel gehangen worden, dass sie ihn so niederziehen konnten – und ist er noch darum desto neugieriger, weil ich lustige Satiren schrieb – wiewohl ich mit den satirischen Stacheln, wie die Fackeldistel mit ihren, mich nur wie mit einsaugenden Gefässen nähren wollte –: so sag' ich diesem Geschichtforscher, dass seine Neugierde mehr