seinem Vater – den beiden Katonen den beiden Antoninen – dem Nebukadnezar – den 70 Dolmetschern und ihren Weibern – den sieben griechischen Weisen sogar blossen Narren wie Taubmann und Eulenspiegel? – Wenn ein Heinrich IV. und die vier Evangelisten und Bayle, der doch sonst alle Gelehrte kennt, und die hübsche Ninon, die sie noch näher kennt, und der Lastträger Hiob oder doch der Verfasser des Hiobs nicht wissen' dass nur ein Leibgeber je auf der Welt gewesen; wenn ich einer ganzen Vorwelt, d.h. sechs Jahrtausenden voll grosser Völker, ein matematischer Punkt, eine unsichtbare Finsternis, ein miserables Je ne sais quoi bin und bleibe: so sehe' ich nicht, wie mir dies die Nachwelt, an der vielleicht nicht viel ist, oder die nächsten sechs Jahrtausende erstatten wollen und können.
Noch dazu kann ich nicht wissen, was es für herrliche himmlische Heerscharen und Erzengel auf andern Weltkugeln und Kügelchen der Milchstrasse, dieser Paternosterschnur voll Weltkugeln gibt; Seraphe, gegen die ich in keine Betrachtung komme, ausgenommen als ein Schaf. Wir Seelen schreiten freilich ansehnlich auf der Erde fort und empor – die Austerseele erhebt sich schon zu einer Froschseele – diese steigt in einen Stockfisch – der Stockfischgeist schwingt sich in eine Gans – dann in ein Schaf – dann in einen Esel – ja in einen Affen – endlich (etwas Höhers lässt sich nicht mehr gedenken) in einen Buschhottentotten. Aber ein solcher langer peripatetischer Klimax blähet den Menschen nur so lange auf, als er nicht die folgende Betrachtung macht: wir kundschaften unter den Tieren einer Klasse, worunter es so gut als unter uns Genies, gute offne Köpfe und wahre Einfaltpinsel geben muss, nichts aus als letzte, höchstens Extreme. Keine Tierklasse liegt nahe genug an unserer Sehhaut, dass nicht die feinen Mitteltinten und Abstufungen ihres Werts zusammenfliessen müssten. – Und so wird es uns ergehen, wenn ein Geist im Himmel sitzt und uns alle ansieht: wegen seines Abstandes wird er Mühe haben (vergebliche), einen wahren Unterschied zwischen Kant und seinen Rasierspiegeln der Kantianer, zwischen Goete und seinen Nachahmern zu erkennen, und besagter Geist wird Fakultisten von Dunsen, Professhäuser von Irrenhäusern wenig oder gar nicht zu unterscheiden wissen. – Denn kleine Stufen laufen vor einem, der auf den höhern steht, völlig ein.
Das benimmt aber einem Denker Lust und Mut; und ich will verdammt sein, Siebenkäs, wenn ich bei solcher Lage der Sachen mich jemals hinsetze und ausserordentlich berühmt werde, oder mir die Mühe gebe und das scharfsinnigste Lehrgebäude aufmauere oder einreisse, oder etwas Längers schreibe als einen Brief.
Dein, nicht mein
Ich L.
N. S. Ich wollte, Gott fristete mir nach diesem Leben das zweite, und ich könnte in der andern Welt mich an Realien machen; denn diese ist wahrlich zu hohl und zu matt, ein miserabler Nürnberger Tand – nur der fallende Schaum eines Lebens – ein Sprung durch den Reif der Ewigkeit – ein mürber stäubender Sodomsapfel, den ich gar nicht aus dem Maule bringen kann, ich mag sprudeln, wie ich will. O! –
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Solchen Lesern, denen dieser Scherz nicht ernstaft genug ist, will ich irgendwo dartun, dass er es zu sehr ist, und dass nur eine beklommene Brust so lachen, dass nur ein zu fieberhaftes Auge, um welches die Feuerwerke des Lebens wie fliegende Spiel-Funken schweifen, die dem schwarzen Star vorflattern, solche Fieberbilder sehen und zeichnen könne. –
Firmian verstand alles, zumal jetzt... Ich muss aber zum elften Hornung zurück, um dem Leser die sympatetische Freude, die er über des vereinten Kleeblatts seine verspürte, halb zu – nehmen. Lenettens erschütternde Bitte, dass der Gatte ihr vergeben möge, war die Lohbeet-Frucht der Ziehenschen erderschütternden Weissagung; sie glaubte, der Boden und sie gingen unter, und vor dem nahen tod, der schon mit dem Tigerschweife wedelte, bot sie ihrem Mann die Friedenhand einer Christin. Vor seiner entkörperten schönen Seele vergoss freilich die ihrige Tränen der Liebe und des – Entzückens. Aber sie vermengte vielleicht selber ihre frohen Bewegungen mit ihren liebenden, die Lust mit der Treue, und die Hoffnung, den Schulrat abends wieder in die warmen – Augen zu fassen, drückte sich ohne ihr Wissen durch eine wärmere Liebe zum mann aus. Es ist sehr notwendig, dass ich hier einen meiner besten Ratschläge keinem Menschen vorentalte: nämlich den, bei der besten Frau in der Welt immer wohl zu unterscheiden, was sie in der jetzigen Minute haben wolle oder gar wen, worunter nicht immer der gehört, der wohl unterscheidet. Es ist im weiblichen Herzen eine solche Flucht aller Gefühle, ein solches Werfen von farbigen Blasen, die alles, zumal das Nächste, abmalen, dass eine gerührte Frau, indes sie für dich eine Träne aus dem linken Auge vergiesset, weiter nachdenken und mit dem rechten eine über deinen Vor- oder Nachfahrer verspritzen kann – oder dass eine Zärtlichkeit, die ein Nebenbuhler erregt, über die Hälfte dem Ehevogt zustirbt, und dass eine Frau überhaupt bei der aufrichtigsten Treue mehr über das weinet, was sie überdenket, als was sie vernimmt. –
Nur dumm ist es, dass so viele Mannspersonen unter uns es gerade darin sind; denn eine Frau ist, da sie mehr fremde Gefühle beobachtet als eigne, dabei weder die Betrügerin noch die Betrogene, sondern nur der Betrug, der optische und akustische.
Solche durchdachte Betrachtungen machen Firmiane über den elften Hornung – welcher tolle Name