Regimentinhaberin von 23000 Mann erhebt. – Ich wünsche herzlich, den Heimlicher von Blaise zu sehen; ich würde ihm, wenn er mir näher stände, von Zeit zu Zeit, weil ihm immer etwas im Schlunde steckt, das er schwer hinunterbringen kann – und wär's eine Erbschaft oder fremdes Haus und Hof-, ich würde' ihm, wie man zur Heilung pflegt, starke Schläge in den hohlen rücken geben und den Ausgang erwarten, den des Bissens nämlich. – Ich bin seiter überall herumgehinkt mit meiner Silhouettenschere und ruhe nun in Vaduz bei einem studierenden bibliotekarischen Grafen aus, der wirklich verdiente, dass ich ihn zehnmal mehr lieb hätte; ich habe aber an Dir schon mehr als zuviel fürs Herz, und ich finde überhaupt die Menschen und den Kräuterkäs der Erde, in den sie sich einbeissen, täglich mürber und fauler. Ich muss Dir sagen: hole der Teufel den Ruhm; ich werde nächstens verschwinden und unter die Menge rennen und jede Woche mit einem neuen Namen aufsteigen, damit mich nur die Narren nicht kennen. – – Oh! Es waren einmal einige Jahre, wo ich wünschte etwas zu werden, wenn nicht ein grosser Autor, doch wenigstens ein neunter Kurfürst, und wenn nicht belorbeert, doch infuliert, wenn nicht zuweilen Prorektor, doch häufig Dekan. Damals würde' es mich geletzet haben, wenn ich die grössten Steinschmerzen und also verhältnismässige Blasensteine hätte überkommen können, damit ich aus der Blase Steine zu einem Altar oder Tempel meines Ruhms hätte edieren mögen, der noch höher als die Pyramide gewesen wäre, die Ruysch in den Naturalienkabinettern aus den 42 Blasensteinen einer ehrlichen Frau zusammenbrachte105. Siebenkäs, ich hätte mir aus Wespen, wie Wildau aus Bienen, einen stachlichten Philosophenbart geknüpft, um nur dadurch bekannt zu werden. "Ich lasse zu (sagt' ich damals), es ist nicht jedem Erdensohn beschert, und er soll es nicht fodern, dass ihn eine Stadt tot schlagen will, wie den hl. Romuald (wie Bembo in dessen Leben berichtet), um nur seinen hl. Leib als Reliquie wegzuschnappen; aber er kann doch, dünkt mich, ohne Unbescheidenheit sich wünschen, dass, wenn nicht seinem Pelzrocke, wie Voltairens seinem in Paris geschah, doch seinem Scheitel einige Haare zum Andenken von Leuten ausgezogen werden, die ihn zu schätzen wissen, ich meine vorzüglich die Rezensenten."
Anders dachte' ich damals nicht; aber jetzt denke' ich gescheuter. Der Ruhm verdient keinen Ruhm. Ich sass einmal in einem nasskalten Abend draussen auf einem Grenzstein und sah mich an und sagte: was kann denn im grund aus dir werden? – Stehen dir Wege offen, gleich dem sel. Cornelius Agrippa106, Kriegsekretär des Kaisers Maximilian und Historiograph des Kaiser Karls V. zu werden? Kannst du dich zu einem Syndikus und Advokaten der Stadt Metz, zu einem Leibmedikus der Herzogin von Anjou und zu einem teologischen Professor zu Pavia aufschwingen? Bemerkst du, dass der Kardinal von Lotringen so gern bei deinem Sohne Gevatter stehen will, als er es beim Sohne des Agrippa wollte? – Und wär' es nicht lächerlich, wenn du aussprengtest und prahltest, dass ein Markgraf in Italien, der König von England, der Kanzler Merkurius Gatinaria und Margarita (eine Prinzessin aus Oesterreich) dich sämtlich in dem nämlichen Jahre haben in ihre Dienste ziehen wollen? wär's nicht lächerlich und erlogen, nicht einmal der Schwierigkeit der ganzen Sache zu gedenken, da diese Leute alle schon viele Jahre vorher zu Niklasruh und Schlafpulver des Todes zersprangen, ehe du als Zünd- und Knallpulver des Lebens auffuhrst? – In welchem bekannten Werke, ich bitte dich, nennt Paul Jovius dich ein portentosum ingenium, oder welcher andere Autor zählt dich unter clarissima sui seculi lumina? – Würden es nicht Schröckh und Schmidt in ihren Reformationgeschichten im Vorbeigehen angezeigt haben, wenn es wahr wäre, dass du bei vier Kardinälen und fünf Bischöfen und beim Erasmus, Melanchton und Capellanus in ausserordentlichem Kredit ständest? – – Gesetzt aber auch, ich läge wirklich mit dem Cornelius Agrippa unter derselben grossen Laube und Staude von Lorbeerkränzen: so ging' es bloss einem wie dem andern, wir faulten dunkel unter dem Buschwerke fort, ohne dass in Jahrhunderten einer käme und das Gestrippe aufzöge und nach uns beiden sähe.
Es hülfe mir noch weniger, wenn ichs gescheuter machen und mich in einem Anhange der Allgem. deutschen Bibliotek wollte preisen lassen; denn ich stände jahrelang mit meinem Lorbeerreis auf dem Hut drinnen, in diesem kühlen Taschen-Panteon, in meiner Nische, mitten unter den grössten Gelehrten, die um mich auf ihren Paradebetten herumlägen oder – sässen, jahrelang, sag' ich, ständen wir Bekränzte allein in unserem Tempel des Ruhms beisammen, eh' ein Mensch die Kirchtüre aufmachte und nach uns sähe oder hineinginge und vor mir kniete – und unser Triumphwagen wäre bloss von Zeit zu Zeit ein Karren, worauf der besetzte Tempel mit seiner Fülle in eine Versteigerung geschoben wird.
Dennoch würde' ich mich vielleicht darüber wegsetzen und mich unsterblich machen, könnt' ich nur halb und halb hoffen, dass meine Unsterblichkeit andern Leuten zu Ohren käme als solchen, die noch in der Sterblichkeit halten. Aber kann das aufmuntern, wenn ich sehen muss, dass ich gerade den berühmtesten Leuten, denen jährlich der Lorbeerkranz, wie andern Toten der Rosmarin, im Sarge weiter über das Gesicht hereinwächst, ein inneres unbekanntes Afrika bleibe; vorzüglich einem Ham, Sem, Japhet – dem Absalon und