als einen grünen steifen wachstaftnen Hutüberzug, in welchen er ihn zu stecken denke, um ihn, in diesem Stechhelm und Fallhut eingepackt, ohne das geringste Abgreifen täglich zu derjenigen Höflichkeit zu verwenden, welche die Menschen einander im Freien schuldig sind. Der erste gang darnach, den er mit seinem aufgesetzten Doppelhute oder Hutut tat, war zu einem Gewürzkrämer, bei welchem er den feinen Unterziehhut herausweidete und für sechs Pfund Kaffee versetzte, welcher seine vier Gehirnkammern besser durchheizte als der Hasenfilz. Mit dem Koadjutorhute auf dem kopf allein kehrte er ruhig und unentziffert nach haus; – und trug nun das leere Futteral durch die krümmsten Gassen, mit heimlicher Freude, gewissermassen vor niemand den wahren Hut abzuziehen – oder chapeau bas zu gehen – oder sich künftig noch mehre Einfälle über den Genuss seines Hutzuckers auszusinnen.
Freilich wann er grade vergessen hatte – wie es wohl heute am meisten zu entschuldigen war –, das Hutfutter mit dem nötigen künstlichen Sparrwerke auszusteifen: dann brachte er das Futter zum Grüssen zu schwer und quer herunter und konnte' es bloss äusserst höflich berühren, wie einer der vornehmsten Offiziere, musste aber so wider Willen den Charakter eines Grobians behaupten.
– Und grade heute musst' er denselben behaupten und konnte auf keine Weise sein Kuvert des Kopfes abnehmen, dieses Liebebriefes an alles, was spazieren ging.
Aber dabei sollte der Spaziergang nicht verbleiben, sondern einer der obgedachten bösen Geister von Verstand verschob die Bühnenwände so hastig von neuem, dass wir wirklich etwas Geändertes erblicken müssen. Vor beiden Gatten spazierte nämlich ein Schneidermeister katolischer Konfession voraus, nett angezogen, um wie jeder seiner Kon- und Profession die Empfängnis zu feiern. Zum Unglück hatte der Schneider im engen Steige die Rockschösse – es sei aus Scheu des Kotes oder aus Lust der Feier – dermassen in die Höhe gehoben, dass das Anfang- oder Steissbein oder eingeflickte Rückenmark seiner Weste von unten auf deutlich zu sehen war, nämlich der Hintergrund der Weste, den man bekanntlich, wie den der Gemälde, mit weniger Leinwandfarben ausführt als den nähern glanzvollen Vordergrund des Vorderleibs. "Ei Meister", rief heftig Lenette, "wie kommt Er denn hinten zu meinem Zitz?"
In der Tat hatte der Schneider von einem augsburgischen grünen Zitze, aus welchem sie sich bei ihm sogleich nach ihrem Königin werden ein artiges Leibchen oder Mieder machen lassen, so viel als probe für sich beiseite gelegt und behalten, als er nach Massgabe unentgeltlicher Weinproben als nötig und christlich erachten konnte. Dieses wenige von probe hatte notdürftig zu einem sehr matten Hintergrunde seiner glanzgrünen Weste zugelangt, für welche er eine so dunkle Kehrseite nur in der Hoffnung gewählt und genommen, dass sie als das Untere der Karte nicht gesehen werde. – Da aber jetzt der Meister ruhig, als ging' es ihn gar nicht an, mit Lenettens nachgerufenem Rückendekret weiter spazierte: wurde in ihr das Flämmchen zur Flamme, und sie schrie nach – Siebenkäs mochte winken und lispeln, wie er wollte –: "Es ist mein eigner Zitz aus Augsburg, hört Er, Meister Mauser? und Er hat mir ihn gestohlen, Er!" – Hier erst wandte der zünftige Zitzräuber sich kaltblütig um und sagte: "Das beweise Sie mir doch – aber bei der Lade will ich Sie schon zitzen, wenn noch hohe Obrigkeit in Kuhschnappel regiert."
Da entbrannte sie zur Lohe – Bitten und Befehle des Advokaten waren ihr nur Luft. – "Er Rips-Raps, meine Sache will ich haben, du Spitzbube!" rief sie. Auf diese Nachrede hob der Meister bloss die Rockschösse mit beiden Händen ungemein hoch über die indossierte Weste empor und versetzte, ein wenig sich bückend: "Da!" und schritt langsam, immer in der nämlichen Brennweite, vor ihr her, um ihre Wärme länger zu geniessen.
Am meisten war nur der arme Siebenkäs an einem so reichen Feste, wo er mit allen juristischen und teologischen Exorzismen den Zankteufel nicht ausjagen konnte, zu bejammern, als zum Glücke sein Schutzengel plötzlich aus einem Seitenhohlwege aufstieg, der Pelzstiefel auf seinem Spaziergange. Weg war für Lenette der Schneider – der Zitz von einer Viertelelle lang – der Zankapfel und der Zankteufel – und wie das Abendblau und Abendrot stand ihr Augenblau und Wangenrot ruhig und kühl vor ihm. Zehn Ellen Zitz und halb so viel Schneider dazu, die sie behalten und eingeflickt, waren ihr in dieser Minute leichte Federn und keines Wortes und Kreuzers wert. So dass Siebenkäs auf der Stelle sah, dass Stiefel sich als der wahre tragbare Ölberg zu ihr bewegte, besteckt mit lauter Ölzweigen des Friedens – wiewohl für Zankteufel von anderer Seite her aus deren Oliven leicht ein Öl zu keltern war, das in kein eheliches Kriegfeuer, zu welchem eben Stiefel mit dem Löscheimer bestellt worden, gegossen werden durfte. War nun Lenette schon im Freien ein weicher weisser Schmetterling und Buttervogel, der still über den blühenden Steigen des Pelzstiefels schwebte und flatterte: so wurde sie gar in der eignen stube, in welche der Rat sie begleitete, eine griechische Psyche, und ich muss es, so parteiisch ich auch für Lenette bin, allerdings in dieses Protokoll aufnehmen – sonst wird mir alles andere nicht geglaubt –, dass sie leider an jenem Abende nichts zu sein schien als eine geflügelte, mit den durchsichtigen Schwingen vom klebrigen Körper losgemachte Seele, die mit dem Schulrate – als sie den Körper noch umhatte – vorher in Liebebriefwechsel gestanden, die aber jetzt mit waagrechten Flügeln um ihn schwebe, die ihn mit dem flatternden Gefieder