und dann nach einer leichten Berechnung zum Siedepunkte aufgestanden wäre; denn aus Mangel an Kaffeetrommel und – mühle wurde – so wie vom ganzen haus nur gemahlner gekauft. Freilich Trommel und Mühle hätten sich durch Lenette ersetzen lassen, wäre sie zu bewegen gewesen, keine Minute früher zum Kaffee zu rufen, als bis er auf dem Tische kochte und dampfte; aber sie war nicht zu bewegen. –
Kleinere Zänkereien vor der Ehe sind grosse in ihr, so wie die Nordwinde, die im Sommer warm sind, im Winter kalt wehen; der Zephyrwind aus ehelichen Lungen gleicht dem Zephyr im Homer, von dessen schneidender Kälte der Dichter so viel singt. Von nun an legte sich Firmian darauf, neue Risse, Federn, Asche, Wolken im hellen Diamant ihres Herzens wahrzunehmen – – Du Armer, auf diese Weise muss bald ein Stein vom brüchigen Altar deiner Liebe nach dem andern abfallen, und deine Opferflamme muss wanken und schwinden.
Er entdeckte jetzt, dass seine Lenette bei weitem nicht so gelehrt sei wie die Dlles. Burmann und Reiske – kein Buch machte ihr Langweile, aber auch keines Freude, und sie konnte das Predigtbuch so oft lesen als Gelehrte den Homer und Kant – alle ihre Profanskribenten zogen sich auf ein Ehepaar ein, auf die unsterbliche Verfasserin ihres Kochbuchs und auf ihren Mann, den sie aber nie las. Sie zollete seinen Aufsätzen die grösste Bewunderung, tat aber keinen blick hinein. drei vernünftige Worte mit der Buchbinderin waren ihr köstlicher als alle gedruckte des Buchbinders und des Buchmachers. Ein Gelehrter, der das ganze Jahr neue Schlüsse und neue Dinte macht, begreift es nicht, wie ein Mensch leben könne, der kein Buch oder keine Feder im haus hat und keine Dinte, sondern bloss die gelbe geborgte des Dorfschulmeisters. – Er nahm oft eine ausserordentliche Professur an und bestieg den Lehrstuhl und wollte sie in einige astronomische Vorkenntnisse einweihen; aber entweder hatte sie keine Zirbeldrüse als Rittersitz für die Seele und deren Gedanken, oder ihre Gehirnkammern waren schon bis an die Häute mit Spitzen, Hauben, Hemden und Kochtöpfen und Bratpfannen vollgestellet, vollgekeilet und gesättigt – kurz, er war nicht imstande, ihr einen Stern in den Kopf zu bringen, der grösser war als ein Zwirn-Stern. Bei der Pneumatologie (Geisterlehre) hingegen hatte' er gerade die entgegengesetzte Not; in dieser Wissenschaft, wo ihm die Rechnung des unendlich Kleinen so gut zupasse gekommen wäre als in der Sternkunde die des unendlich Grossen, dehnte und renkte Lenette Engel und Seelen und alles aus und warf die feinsten Geister in den Streckteich ihrer Phantasie – Engel, von denen die Scholastiker ganze Gesellschaften zu einem Haushall auf eine neue Nadelspitze invitieren, ja die sie paarweise gerade in einen Ort89 einfädeln können, diese wuchsen ihr unter den Händen so, dass sie jeden in eine besondere Wiege legen musste, und der Teufel schwoll und lief ihr auf, bis er so gross war wie ihr Mann.
Er kundschaftete auch in ihrem Herzen einen fatalen Eisenflecken oder eine Pockenschramme und Warze aus: er konnte sie nie in einen lyrischen Entusiasmus der Liebe versetzen, worin sie Himmel und Erde und alles vergessen hätte – sie konnte die Stadtuhr zählen unter seinen Küssen und nach dem überkochenden Fleischtopf hinhorchen und hinlaufen mit allen grossen Tränen in den Augen, die er durch eine schöne geschichte oder Predigt aus dem zerfliessenden Herzen gedrückt – sie sang betend die in den andern Stuben schmetternden Sonntaglieder nach, und mitten in die Verse flocht sie die prosaische Frage ein: "Was wärm' ich abends auf?" – und er konnte es nicht aus dem kopf bringen, dass sie einmal, im gerührtesten Zuhören auf seine Kabinettpredigt über Tod und Ewigkeit, ihn denkend, aber unten anblickte und endlich sagte: "Zieh morgen den linken Strumpf nicht an, ich muss ihn erst stopfen."
Der Verfasser dieser Historie beteuert, dass er oft halb von Sinnen kam über solche weibliche Zwischenakte, vor denen keiner Brief und Siegel hat, der mit diesen geschmückten Paradiesvögeln in den Äter steigt und sich neben ihnen auf und nieder wiegt, und der droben in der Luft die Eier seiner Phantasien auf dem rücken dieser Vögel90 auszusitzen gedenkt. – Wie durch Zauberei grünet oft plötzlich das geflügelte Weibchen tief unten in einer Erdscholle. – Ich gebe zu, dass dies nichts weiter ist als ein Vorzug mehr, weil sie dadurch den Hühnern gleichen, deren Augen so gut vom Universitätoptikus geschliffen sind, dass sie den fernsten Hühnergeier im Himmel und das nächste Malzkorn auf dem Miste bemerken. Es ist zwar zu wünschen, dass der Verfasser dieser geschichte, falls er sich in die Ehe begibt, eine Frau bekomme, vor der er über die nötigsten Grundsätze und dictata der Geisterlehre und Sternkunde lesen kann, und die ihm in seinem höchsten Feuer nicht seine Strümpfe vorwirft; er wird aber auch zufrieden sein, wenn ihm nur eine zufället, die kleinere Vorzüge hat, sonst aber doch imstande ist, mitzufliegen, so weit es geht – in deren aufgeschlossenes Auge und Herz die blühende Erde und der glänzende Himmel nicht infinitesimalteilchenweise, sondern in erhabnen massen dringen – für die das All etwas Höheres ist als eine Kinderstube und ein Tanzsaal – und die mit einem Gefühle, das weich und fein zugleich, und mit einem Herzen, das fromm und gross auf einmal ist, sogar den immer mehr bessert und heiligt, der sie geheiratet. – – Das ist es und nicht mehr, worauf der Verfasser dieser geschichte seine Wünsche beschränkt. So wie der Liebe Firmians die