Kopf mit frischen erquickenden Landschaftsstücken des Jugend-Otaheitis in jenen trocknen männlichen Stunden aus, wo man ein amtierendes geschätztes Ding und ein gesetzter ordentlicher Mann ist und ausser seinem Brotstudium noch sein hübsches Stückchen Brot und auch sein bisschen Ehre dabei hat und so vor lauter Fort- und Auskommen in der Welt nun nichts weiter in der Welt werden will als des Teufels? – "Ich führte um ein Uhr meine Leute durch die Hauptstrassen ins Höfische Gymnasium, und wir konnten um so leichter und genauer die ganze Bauart aller Klassen, der Bänke und eines Kateders besichtigen, da glücklicherweise wegen der Ferien keine Seele darin war als der Alumnus, der uns herumführte. Ich vergeude vom grossen Kapital meines statistischen Reisejournals noch immer wenig, wenn ich in diesem biographischen im allgemeinen mitteile, dass die Stadt ein Rataus und vier Kirchen hat. Um diese fünf corpora pia gingen wir bloss prozessionsweise herum, und sie sind ganz gut. Vom letzten öffentlichen Gebäude, in das wir wollten, vermisst' ich sogar die Ruinen, vom Pranger mein' ich.
Ich härte gern junge Leute gegen den Eindruck, den grosse Zirkel auf sie machen, durch Übung ab. Nach diesem Prinzip führte ich ohne Bedenken meine kleine gelehrte, aber verlegene Sozietät aufs Billard; auch weiss ich nicht, ob einem Schulmann gerade jene façon aisée gebrechen müsse, womit man Assembleen besticht. Ich traf zu meiner grössten Freude einen alten Leser meiner unbedeutenden Programmen an, nämlich den vorigen Setzer der hiesigen Offizin. Einige griechische Handelsleute hatten Billard-Queues und zählten neu-griechisch; da ich später auf mein Gesuch mit von der Partie sein durfte: so zählt' ich so gut wie die Griechen meine Bälle neu-griechisch, weil es doch wenigstens vernünftiger ist als französisch mitten in Deutschland.
Ehe wir von Hof abschieden, musst' ich mit dem Wirte noch einen kleinen Exekutiv- und Injurienprozess über die stube führen, wo wir uns verbeugt und gelächelt hatten, weil er sie anschreiben wollte. Ich warf ihm aber nichts hin als den Fehdehandschuh. In solchen Umständen ist es Beste, hinter dem nachgeschrienen Pereat und dem Nachstossen in Famas zweite Trompete gelassen davonzumarschieren und sich nach Ekelnamen, wie der grosse Temistokles nach Schlägen, aus höhern Absichten nicht umzusehen.
Eine niederfallende Sündflut, die mit uns bis nach Schwarzenbach an der saal zog, wässerte den Pastor Sturm aus versehen wie einen Stockfisch ein, und dieser ganze Weg wurde verdrüsslich unter wenigen Lehren zurückgelegt. Ich beruhigte meine Armee über ihre Fatiquen mit den weit grösseren der Xenophontischen. Gleichwohl schickte ich im Marktflecken Schwarzenbach, wo wir pernoktierten, einige Primaner herum, die sich überall erkundigen mussten, ob im Flecken kein Insass oder Fremder wohnhaft wäre, der ein lahmes elendes Bein hätte, woran er spürte, obs fortregnete oder nicht. Denn Hühneraugen sind gleichsam die Fühlhörner und erfrorne Fusszehen die Zeigefinger künftigen Wetters. Dem ganzen Ort aber gebrach es an einem solchen weissagenden Fuss. Ich wäre vermutlich gar umgekehret, wenn mir nicht Mr. Fechser eröffnet hätte, wir könnten seinem vom Fichtelberg zurückmüssenden Herrn Pflegevater entgegengehen, der mehr vom Wetter voraussage als ein Sturmvogel: in Hoffnung eines meteorologischen Responsums beschloss ich den Fortsatz der Schulreise.
Abends reichten bei mir einige fleissige Primaner die Bittschrift um Dispensation zum Kartenspielen ein; ich erteilte sie, aber unter der Einschränkung, ich verstatte so etwas nur auf Reisen (wie geringe Lehrer zu Fastnacht), etwa so wie den Branntewein. Solche, die gar keine Karte kannten, würdigte ich mehr und mahnte sie zum Beharren an; ja um sie gleichsam zu belohnen, setzte ich mich mit ihnen an einen Tisch und gab ihnen – weil hier teoretische Kenntnis ebenso erspriesslich ist, als praktische Übung verderblich – in den gewöhnlichsten Spielarten Unterricht, im Färbeln, im Kauflabeten, Sticheln, im Saufaus und Kuhschwanz. – Darauf musst' ich mir von der Wirtsmagd den rechten nassen Stiefel, indem ich mich mit dem linken auf ihr Rückgrat aufstemmte, herunterreiten lassen, so arg hatte uns das Wetter zugesetzt.
Morgens wartete ich, nachdem ich eine Fälbelmütze um geringes Geld erstanden – der Winter überteuert alle Mützen –, dem da sesshaften Adel auf, um meine Tochter gleichsam im Hafen einer Domestikenstube abzusetzen. Ich brachte sie nirgends unter; um so reiner ist das Lob, das ich dem dasigen Landadel für die Herablassung erteile, womit er einen Schulmann empfing. Ich wurde – ich kann es nie vergessen – in die Wohnzimmer selber gezogen, über die Zahl meiner Dienstjahre, Intraden und Kinder aufmerksamst ausgefragt und nicht immer ungern (obwohl unwürdig) angehört, wenn ich zuweilen in jener saturischen Manier repartierte, von der ich im Valerius Maximus schöne attische Salzscheiben gekostet und geleckt. In der Tat, ein hoher und niederer Adel ist stets gesonnen, Gelehrte mit ehrenhafter Auszeichnung zu empfangen, nur müssen weder die Körper der Gelehrten (verlangt er) in adeligen Salons Pillorys und Schandpfähle daran gebundener Seelen vorstellen, noch muss der Anzug den Panzern in der Bastille gleichen, die jedes Gliedmass starr und unbeweglich machten. Und ich lehne mich gar nicht dagegen auf, wenn der Adel noch ausser dem Savoir vivre, das aus Büchern geschöpfet werden kann, von bürgerlichen Gästen begehrt, dass sie das weiche Wachs der Biegsamkeit und der Lobsprüche (so wie die Bienen Wachsscheiben aus allen Fugen ihres Unterleibes drücken) in Mienen und Worten nicht knauserisch von sich geben. Jetzt ist überhaupt die Zeit, wo der höfliche Deutsche den frankreichischen Grobian, der sonst den Vorsprung hatte, überflügeln kann.