"sind wahre Solözismen der natur, deren peccata splendida und Patavinität, oder geborne Kolumbinen und schlafende Monaden." Die arme Kordula hatte längst ihre Mutter, die zugleich ihr Vater war, durch den Todesengel von ihrem Herzen wegführen sehen: der alte Sturmische Betrachter hatte sie in die letzte Hütte – gleichsam die Stiftshütte eines künftigen Tempels – hinuntergezankt. Kordula wusste wenig, las nichts, als was sie Sonntags sang, und schrieb keinen Buchstaben als den, womit sie schwarze Wäsche signierte, und sie war weiter nichts als schuldlos und hülflos. Ihr Vater liess wie die meisten Schulleute – durch die Römer verwöhnt – nichts einer Frau zu, als dass der Körper ein Koch wurde und die Seele eine Köchin. Sie schlich sich heute mit ihrem zusammengedrückten Herzen, in dem noch keine Leiden gewesen als wahre, und das noch nicht von artistischer Empfindsamkeit bis zum Lahm- und Schlaffwerden auf- und zugezogen worden, von der gelehrten Menge ab und setzte sich an das Ufer des wasser-Ringes, der die schöne Insel, wie ein dunstvoller Hof den Mond, umfasset, und sah eine Pyramide jenseits des Wassers für ein Grabmal an, weil sie keine andere Pyramiden kannte als die über Särgen und weil ihr heute geträumet hatte, ihre Mutter habe wieder mit unverwesten Lippen gelächelt und ihren Arm liebend nach ihr ausgestreckt, aber er sei zu kurz gewesen, weil die Hand davon weggefallen war. Die kunstlose Kordula wusste nicht, welches Druckwerk ihr Herz auseinanderpresse – sie erriet es nicht, dass der mit einer blutigen Morgenröte überspritzte Himmel und dass die zusammenfliessende Grasmücken-Kirchenmusik im Tempel der natur, dass das ruhige Wiegen und Taumeln der Pappeln und die Regentropfen, die ihr Schwanken gleichsam vergoss, dass alles dieses ihre einsame Seele trüber machte und das öde Herz schwerer und das kalte Auge heisser. – – Sie hielt die Schürze, mit deren Frisur die Mutter ihre Näharbeiten beschlossen hatte, aufmerksam und nah an die Augen und begriff nicht, warum sie heute die Naht daran nicht deutlich sehe, und dachte, als sie die Tropfen aus den Augen wegstreifte, sie wären von den Pappeln gefallen.... Aber der Alte, der befahren musste, sie werde zu nass, pfiff die Beklommene von ihrer Schürze weg ins Zelt unter die Primaner zurück. – O es ist mir jetzt, als säh' und hört' ich in alle eure Häuser hinein, wo ihr, Väter und Ehemänner mit vierschrötigem Herzen und dickstämmiger Seele, beherrschet, ausscheltet, abhärtet und einquetschet die weiche Seele, die euch lieben will und hassen soll das zerrinnende Herz, das eure kotigen schwülichten Fäuste handhaben das bittende Auge, das ihr anbohrt, vielleicht zu ewigen Tränen – – o ihr milden, weichen, unter schweren finstern Schnee gebückten Blumen, was will ich euch wünschen, als dass der Gram, eh' ihr mit besudelten, entfärbten, zerdrückten Blättern verweset, euch mit den Knospen umbeuge und abbreche für den Frühling einer andern Erde? – Und ihr seid schuld, dass ich mich nicht so freuen kann, wenn ich zuweilen eine zartfühlende, unter einer ewigen Sonne blühende Schwester von euch finde, eine hauchende Blume im Wonnemond: denn ich muss denken an diejenigen von euch, deren ödes Leben eine in einer düstern Obstkammer durchfrorne Dezembernacht ist. – – Und doch kann euer Herz etwas Schöners tun als sterben; – sich ergeben. – – Ich wünschte, ich wäre mit neben dem Kabriolett hergegangen und hätte die stille Kordula in einem fort angeschauet. – – "Auf der Strasse nach Hof sagt' ich meinen Primanern, sie sollten die Bemerkung machen, dass das baireutische Voigtland mit mehrerern Produkten ausgesteuert sei, mit Korn, Hafer, Kartoffeln, einigem Obst (frischem und getrocknetem) und so weiter; aber man könnte nicht angeben, wie viel.
Auf dem Turm blies man gerade herab, als man mich und meine Genossenschaft die Gassensteine Hofs betreten sah. Ich werde' es darum niemals wie andere aus affektierter Furcht vor Eigenlobe unterdrükken – denn eben dadurch verrät man das grösste; und es müssen ja nicht gerade schmeichelhafte Ursachen gewesen sein –, dass bei unserem Einmarsch alle Fenster auf- und alle Köpfe darhinter herausfuhren: deutsche Schul- und lateinische Gymnasiumsjugend sah uns nach, Ladenjungen standen barhaupt unter den Ladentüren, und wer in ein Haus wollte, stockte unter dem Portal. Ich erfragte mühsam einen Gastof für Fuhrleute, weil ich, wie Swift, da am liebsten logiere. Es hätte mich in Verlegenheit setzen sollen, dass, da ich vor der sächsischen Post das Kabriolett und dessen Kronwache halten liess, weil ich einen frankierten Brief da abzugeben hatte, den ich selber so weit getragen, um ein mässigeres Porto zu erschwingen, dass alsdann, sag' ich, ein schöner angenehmer Mensch mit einer grün-taftenen Schürze unter uns trat, der – weil er uns leider für frische Einkehr ansah; denn das Postaus ist zugleich im grossen brandenburgischen Gastof- meine Tochter herabheben und uns alle empfangen wollte. Ich kam aber nicht sehr ausser mir und repetierte gleichgültig meine Nachfrage nach einem gemeinern Gastof; und es war schön, dass der junge Menschuns mit einem freundlichen lachen zum Tore wieder hinauswies – was wir denn taten.
Ich liess meinen Bart mitten in der weiten Wirtsstube und unter käuenden Fuhrmanns-Geklüften von einem Primaner abnehmen und mein Haar vom Exkurrens auflocken, indes unsere Erbküchenmeisterin unser geräuchertes Gedärm ans Feuer stellte. Möchte der Himmel es fügen, dass ich das arbeitsame Kind bald in einem