mit dem Esshandwerkszeug ein Fruchtmagazin und Speisegewölbe aus Fleisch-Quadern aufzuführen für sich und seine Kinder.... Beim Himmel! er sollte noch sitzen und mauern hinter seinem Viktualien-Verhau aus Beinen, Gräten und Rinden, er sollte noch schweben wie ein dürres Jahr über der Tafel und jede nasse Stelle austrocknen: so wären wir imstande, mit ihm nach haus zu gehen, wo sich das Messer dieses Schwertfisches gerade umgekehrt nur ans Fleischige ansetzt, sobald das aus den verlaufnen Wassern abgesetzte Viktualien-Flözgebirge nur anlangt. Der Meister – und der Gesell – und die Gerberin und die Gerbersbuben – und der Dachshund bohren sich jetzt in den gebrachten Berg bis an die Fersen hinein, und wir können sie nagen hören. Fresset zu! – Hat sich euer armer Ranz, dieses ätzende fressende Mittel, nicht genug gequält, um nicht wie Knochenfrass alles anzugreifen? Hat er nicht mit allen peristaltischen Bewegungen seines Schlundes den Magen-Luftballon bloss mit Windsbräuten aufgefüllet und gehoben und mit einer Wasserhose die Blase? – Aber sollt' ich einmal eines ausserordentlichen Typus vonnoten haben, um damit ein ausserordentliches Chaos zu erläutern und anzuleuchten, das Chaos und den Zank eines Nonnenklosters oder einer Teatertruppe oder eines heiligen deutschen römischen Reichs – so bring' ich bloss deinen aufgesteiften gespannten Magenglobus mit seinen Brühen und Luftarten getragen als Typus, Ranz!"...
– Ei, ganz herrlich – lieblich – und recht erwünscht und verdammt! – Ich will mir aber den schreibe-Arm absägen lassen, wenn ich hier noch einen Buchstaben schreibe. Wahrlich der Kirchner ist dagewesen, und ich hab' ihn über den entsetzlichen Vielfrass verpasset...
Concep. z. Amtsvogt Freudel.
3. Es gibt weder eine eigennützige Liebe noch
eine Selbstliebe, sondern nur eigennützige
Handlungen
I. Ich habe meinen ersten Satz erwiesen, wenn ich dargetan, dass die Liebe, die ein geiziger Universalerbe gegen seinen Erblasser nach der Publikation des Testamentes empfindet, ebenso rein und uneigennützig sei – der Art, nicht dem Grade nach – als die, die uns sanft das Herz erwärmt für die grossen Wohltäter der Menschheit im Plutarch und für den Onkel Toby im Tristram, obgleich jene nicht mehr sind und dieser niemals war.
Wenn der Universalerbe ebensoviel Gold, als die Erbschaftsmasse beträgt, im hohlen kopf einer Statue fände: so empfänd' er darum nicht einmal so viel Liebe gegen sie, als ein schwärmerischer Artist vielleicht für sie hat. – Wenn der Erbe dieselbe Summe im Sarge des Erblassers anträfe: so hätt' er wieder keine Liebe für ihn. Ja wenn der Erblasser wahnsinnig wäre und ihn mit dieser Summe beschenkte: so fühlte er dennoch keine angemessene Liebe gegen den Verrückten, trotz der Aussicht zu wiederkommenden Geschenken; denn ich rechne eine kleine Regung der Liebe ab, die dem Menschen durch eine Täuschung der Personifikation gegen das rettende Brett im Schiffbruch, gegen ein altes Hausgeräte und gegen Menschen, die ihm ohne ihren Willen nutzten, eingeflösset wird. Folglich liebt der Erbe am Wohltäter nicht seine metallische Nützlichkeit – diese hatte' er schon vor dem geben lieb –, sondern seine Gesinnung gegen ihn, d.h. seine Liebe, also den fremden Seelenzustand, und die Befriedigung des Eigennutzes war nur das notwendige Mittel, jene Liebe aufzudekken und vor die Seele des andern zu bringen.
Jetzt behaupt' ich aber weiter: die Liebe des Erben gegen den Testator ist von unserer gegen den milden Onkel Toby nicht in der Art verschieden, sondern im Grade. Ich sage: nicht in der Art. Alle Liebe liebt nur Liebe, sie ist ihr eigner Gegenstand. Unsere Affekten sind überhaupt gleichsam Verkörperungen des sittlichen Triebes, und in ihnen ist die Gestalt des letzteren, wie in den Tieren die menschliche, ausgedrückt, aber nur anagrammatisch, in- und auseinander geschoben und ohne Eurhytmie. Der Zorn ist gleichsam ein pletorisches Gefühl der moralischen Hässlichkeit, der Neid ist das Gefühl des Missverhältnisses zwischen unserem oder fremdem Schicksal und Wert, und so der Ehrgeiz, die Liebe usw. So ist sogar die Liebe gegen weibliche Schönheit – abgesondert vom ästetischen Gefallen daran, das am Ende nur eine kuriere Liebe ist – nichts als die Liebe gegen die durch Farben- und Linien-Reize hieroglyphisch abgemalte und in Menschen-Wachs bossierte Liebe oder moralische Schönheit.
Wir ahmen den fremden Zustand der Menschenliebe nach, wir oder andere mögen der Gegenstand der letzteren sein; ich meine, unsere Liebe gegen den Wohltäter ist gleich rein, obwohl nicht gleich stark, er mag es gegen andere oder gegen uns sein. Da unsere Liebe ihr Objekt hat im Zustand eines fremden Ichs: so kann wenigstens sie nicht als Empfindung oder Trieb die reflektierende Berechnung anstellen, ob jener Zustand mich oder andere zum Ziele habe.
Allerdings reget die Menschenliebe des andern in mir eine grössere Liebe an, wenn ich ihr Gegenstand bin, als wenn andere es sind. Aber der Grund benimmt der Liebe des Universalerbens von ihrer Reinheit nichts. Von meinen Vorzügen, von meiner Würdigkeit, geliebt zu werden, hab' ich eine tausendmal lebendigere Vorstellung als von fremden Vorzügen. Zweitens hab' ich von der fremden Liebe und ihrer Einwirkung, sobald ich sie erfahre, einen lebhaftern Begriff. Drittens verstärkt meine Eigenliebe meine Menschenliebe, ohne sie zu verfälschen: kein Trieb kann den andern unmittelbar erzeugen oder erhöhen, sondern nur sein Gegenstand; aber der schlimme Trieb kann unsere Phantasie befeuern, den bessern mit helleren und mehreren Gegenständen zu umringen und anzufachen. Die eigensüchtige Phantasie steigert also