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.) – ferner dass die krumme Linie des Humors zwar schwerer zu rektifizieren sei, dass er aber nichts Regelloses und Willkürliches vornehme, weil er sonst niemand ergötzen könnte als seinen Inhaberdass er mit dem Tragischen die Form und die Kunstgriffe, obwohl nicht die Materie teiledass der Humor (nämlich der ästetische, der vom praktischen so verschieden und zertrennlich ist wie jede Darstellung von ihrer dargestellten oder darstellenden Empfindung) nur die Frucht einer langen Vernunft-Kultur sei und dass er mit dem Alter der Welt so wie mit dem Alter eines Individuums wachsen müsse. Fraischdörfer fuhr fort: "halte man an diesen Probierstein die Werke meines Herrn Gevatters, in denen fast nur auf Materie gesehen werde: so begreife man nicht, wie der Rezensent der Literaturzeitung ihn noch dazu wegen der Wahl solcher zweideutiger Materien wie z.B. Gotteit, Unsterblichkeit der Seele, Verachtung des Lebens usw. preisen können."

Bei diesen Worten wanderten wir gerade in Gefrees ein, und ich sah die mir halb bekannte Dame wie eine Netzmelone sich wieder in ihren Schleier wickeln und abfahren: hätte also der Unglückvogel, der Kunstrat, nicht seinen Geiss-Scherbet in den drei Bratwürsten eingenommen, so würde' ich das Glück errungen haben, sie gerade bei Herrn Lochmüller zu ertappen, als sie dem Kutscher und den Pferden etwas geben liess. So aber hatte' ich nichts. Ich fuhr entsetzlich auf in meinem Herzen und tat innerlich folgenden Ausfall gegen den Kunstrat: "Du elende frostige Lotssalzsäule! Du ausgehöhlter Hohlbohrer voller Herzen! Ausgeblasenes Lerchen-Ei, aus dem nie das Schicksal ein vollschlagendes' auffliegendes, freudentrunknes Herz ausbrüten kann! Sage, was du willst, denn ich schreibe, was ich will. – Du sollst weder meine Reissfeder noch mein Auge von dem Eisgebirge der Ewigkeit abwenden, an dem die Flammen der verhüllten Sonne spielen, noch vom Nebelstern der zweiten Welt, die so weit zurückliegt und nur die Parallaxe einer Sekunde hat, und von allem, was die fliegende Hitze des fliegenden Lebens mildert und was den in der Puppe zusammengekrümmten Flügel öffnet und was uns wärmt und trägt!" –

Da jetzt gar der griechenzende Formschneider den schönen Tag und die blaue Glasglocke der äterischen Halbkugel lobpries und sagte: er rede hier nicht als Maler, weil dieser nicht gern unbewölkte Himmel male, sondern als Poet, dem schöne Tage sehr zustatten kommen in seinen Versen: so bracht' ich mich mit Fleiss immer mehr in Harnisch gegen ihn, besonders da nach Platner Ingrimm dem Unterleibe augenscheinlich zupasse kommtdaher sollten Gelehrte, die immer auf den elendesten Unterleibern wohnen, einander wechselseitig auf antikritischen Intelligenzblättern noch stärker erbittern –; und ich bewegte ohne Bedenken die Lippen und liess ihn etwas hart mit folgenden leisen Invektiven an, die ich, wiewohl innerlich, heraussagte: "Der formlose Former vor mir achtet am ganzen Universum nichts, als dass es ihm sitzen kanner würde wie Parrhasius und jener Italiener Menschen foltern, um nach den Studien und Vorrissen ihres Schmerzes einen Prometeus und eine Kreuzigung zu malender Tod eines Söhnchens ist ihm nicht unerwünscht, weil die Asche des Kleinen in der Rolle einer Elektra einem Polus weiter hilft als drei Komödienprobendas unzählige Landvolk ist doch von einigem Nutzen in ländlichen Gedichten und selber in komischen Opern, wie die Schäfereien genug abwerfen für Idyllenmacherder Eustatius Nero illustriert mit dem flammenden Rom schöne homerische Schildereien, und der General Orlow hilft den Bataillen- und Seemalern mit den nötigen Akademien aus, mit Schlachtfeldern und aufgesprengten Schiffen." –

Das hole der Teufel.

laut indessen sagt' ich aus Verachtung wenig mehr zum Kunstrat. Ich eilte Berneck zu, wo die fliegende Bienenkönigin im Vis-à-vis wenigstens vor der Suppenschüssel halten musste. Ich wünschte von Herzen, ein oder zwei Wagenräder fingen an zu rauchen und sie müsste halten, um schwarze Waldschnecken einzufangen und damit in Ermangelung alles Teers die Nabe einzuölen. Mein künftiger Rezensent wurde sehr matt und hungrig und wollte, da es ihm mehr an Gelenkschmiere als an Magensaft fehlt, die peripatetischen Bewegungen mit peristaltischen vertauschen; aber ich war nicht still zu halten, und er folgte mit seinem Hunger hintennach: "Sein Sie froh," sagt' ich, "dass Sie jetzt zwei Zustände, die der Maler und der Dichter schwer oder gar nicht aus sich mitzuteilen wissen, lebendig fühlenHunger und Müdigkeit. Sooft ich einen Bauermann mit einem ganzen Hemde sehe (dort felget einer), so ist er mir ein Anstoss; ich berechne, wie lang es noch dauert, bis das Hemd unter den Hadernschneider taugt und zu Konzeptpapier, an das ein Gelehrter den Laich seiner Ideen streicht." Da er meine Satire verstand, so ging sie gar nicht auf ihn: denn Satiren und Todesanzeichen gehen nur auf den, der nichts von beiden innen wird. mich in den Stand, vor ihm herzugehen und ausser der Reise die Vorrede zur zweiten Auflage in meiner Schreibtafel fortzusetzen und einzuschreiben.

Fortgesetzte Vorrede zur zweiten Auflage9

"Und allerdings hat Kant das seltne Glück, auf einer Bühne zu agieren, der es nicht an einer Einfassung und Mauer von Köpfen fehlt, aus denen seine Laute heller und resonierend zurückschlagen, so wie die Alten in ihre Teater leere Töpfe versteckten, die der stimme der Schauspieler mit Resonanzen nachhalfen.10Ein Autor, der Gedanken hat, verfälschet häufig damit fremde, die er verbreiten soll, und gesetzt, er schwüre, wie in den ältern zeiten die Bücherabschreiber wirklich schwören