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Fischlöffelvon Seide nicht nur Strümpfe (wiewohl selber ein König Heinrich II. von Frankreich nichts in Seide kleiden konnte als sein Bein), sondern ganze Röckeund Kleinodien und Möblen von kleinerem Wert. Gute Tiennette! auf dem Wagen deiner Psyche liegt der wahre Brautschatz, nämlich dein edles, sanftes, bescheidenes Herz, die Morgengabe der natur! –

Der Pfarrer, der nicht aus Misstrauen, sondern "Lebens und Sterbens wegen" auf alle Dinge gern ein Notariatssiegel gehabt hätte, dem keine Versicherung zuverlässig schien als eine hypotekarische, und der über jedes Stäubchen Belege, Quittungen und Kontrakte abverlangte, hatte nun, als der Ehezärter zustande war, ein leichteres Herz; und für das Eingebrachte dankte der gute Mann den ganzen Abend der Braut. Aber für mich wäre ein Ehekontrakt etwas so Peinliches und Widersinnigesich gesteh' es aufrichtig, und rückte man immerhin mir deswegen meine grosse Jugend vor –, als wenn ich meine Liebesbriefe erst von einem kaiserlichen Notarius müsste vidimieren und kontrasignieren lassen: beim Himmel! die leichte Blume der Liebe, deren Duft den Waagbalken nicht zieht, wie Tulpenzwiebeln, so auf der Heuwaage der Justiz zu sehen, zwei Herzen auf der kalten Ratsund Fleischwaage der Eltern und Advokaten, die in die Schalen bloss Häuser, Felder und Zinn auftürmen.... das mag den Interessenten so wohltun wie dem trunknen Säugling und Zögling einer Muse und der Philosophie, wenn er die Abend und Morgenandachten vor seiner Göttin in den Buchladen tragen und nun die Andachten ins Geld setzen und an sie Kontrakte und Ellenmass applizieren muss. – –

Vom Kantate-Sonntag bis zur Himmelfahrt, d.h. zur Heimfahrt oder Hochzeit, sind andertalb Wochenoder andertalb selige Ewigkeiten. Wenn es schön ist, dass Nächte oder Winter die tages- oder Jahreszeiten der Freude ziemlich weit auseinanderhalten, wenn es z.B. schön ist, dass man nicht den Geburts-, Namens-, Verlobungs-, Hochzeit- und Tauftag auf einem Tage erlebtdenn bei den wenigsten fällt z.B. Hochzeit- und Tauftag wie fest- und Aposteltag zusammen –: so ist es noch schöner, den Zwischenraum, die Blumenrabatte zwischen Verlobung und Hochzeit ausserordentlich weit zu machen. Vor dem Hochzeittag sind die wahren Honigwochendann kommen die Wachswochendann die Honigessigwochen.

Im neunten Zettelkasten schlägt der Pfarrer schon sein Brautbette aufund ich will hier im achten nur kurz darüber wegfahren, wie es ihm bis dahin erging: natürlicherweise himmlisch genug. Es glückt wenigen so wie ihm, schon vor der Hochzeit so grosse Flügel und so grosse Blumen (auf die er fliegen kann) zu haben, es glückt wenigen, denke' ich, Mehl und Geflügel selber einzukaufen auf den besagten Tag, wie Fixlein tatden Vermählungs-Trutahn mit Henkersmahlzeiten zu stopfenalle Abende in den Stall zu gehen, um nachzusehen, ob das hochzeitliche Schwein, womit der Vormund das Hochzeitgeschenk gemacht, noch steht und frissetder künftigen Frau die Flachskammern und Kleiderschrank-Nischen auszusuchen im haus neue Lagerbäume (nicht Lagerbier) im Pfarrkeller einzulegen Winters wegenvom Konsistorium sogleich und für weniges Sündengeld die Dispensationsbulle, nämlich den Nachlass der dreimaligen Proklamation, in die tasche zu bekommenin keiner Stadt zu wohnen, wo man zu jedem Narren (weil man selber einer ist) schicken muss, um ihm zu eröffnen, man lasse sich kopulieren, sondern in einem winzigen Dörfchen, wo man niemand etwas zu berichten hat als dem Schulmeister, damit er später läute und einen Kniepolster ans Altargeländer breite. – –

O wenn der Ritter Michaelis behauptet hat, das Paradies wäre klein gewesen, damit sich die Menschen nicht auseinander verliefen: so ist ja ein Dorf und seine Freude klein und eng, damit doch ein etwaiger Nachriss von Eden noch auf unserer Kugel stehe. – –

Ich habe es nicht einmal angeführet, dass tages vor der Hochzeit der Regimentsquartiermeister ungerufen kam und das Schwein abstach und gratis Würste machte, wie man noch an keinem hof ass.

Und doch, lieber Fixlein, schwamm auf diesem lindernden fetten Freudenöl obenauf noch umsonst eine Frühlingssonne und Abendrötenund Blumenkettenund eine halbe berstende Knospen-Welt! ... Wie benahmst du dich in diesen heissen Strudeln der Lust? – Du bewegtest deinen Fischschwanz (die Vernunft) und schriebest dir damit eine rechtläufige Bahn durch die Wogen vor. Denn schon halb so viel würde einen andern Pfarrer aus seiner Studierstube fortgerissen haben; aber eben was unsern so beglückte, war der Grenzhügel der Mässigkeit, auf dem er wie eingewurzelt verblieb und von da herab erblickte, was tausend andere verscherzen. Er war, den Schlossfenstern gegenüber, doch imstande, es auszuzählen, dass Amen in der Bibel hundertunddreissigmal vorkomme.

Ja er stiess an sein altes gelehrtes Laboratorium noch einen neuen chemischen Ofen an: er wollte nach Nürnberg und nach Baireut an die Senftischen Gebrüder schreiben und ihnen seine Feder antragen, sowohl für die Kalender-Praktika hinten als für einzelne Aufsätze vornen unter jedes Monatskupfer, weil er in die Denkungsweise des gemeinen Mannes reformierend einzugreifen willens war.... Und da er jetzt als Pfarrer weniger zu tun hatte und an den heiligen Ruhetag der Gemeinde sechs literarische Schöpfungstage schliessen konnte: so wollt' er (schon in diesen Faschingswochen) in die noch ganz brach liegende Landesgeschichte von Hukelum seinen Pflug einsetzen und mit der Säemaschine nachkommen....

So rollen seine Minuten auf lauter Glücksrädern über die zwölf Tage, die der blinkende