miteinander verschwistert und verschwägert sind –, ob ein Wilder oder ein Ausländer ein Wort erfand, ob es wie Moos unter den deutschen Wäldern aufwuchs oder wie Festungsgras in den Pflastersteinen des römischen Forums. Der Gerichtshalter hingegen verfocht, es ist zweierlei, und liess es seinen Parteien unverhohlen, dass Tagefahrt Termin bedeute und Appellieren Berufen. Daher zog er dem Wort Subrektor die fremde Livree Unterbefehlshaber an. Und diese Version vertierte auch den Schulherrn in einen Pfarrherrn: so sehr wächset unser bürgerliches Glück – nicht unser menschliches, sich auf unserem inneren Grund und Boden nährendes Wohlsein – bloss auf der Flugerde von Zufälligkeiten, Konnexionen, Bekanntschaften und der Henker oder der Himmel weiss von was. –
Bei gelegenheit! Von einem Gerichtshalter würde' ich mehr Verstand erwarten, ich würde (ich kann mich irren) voraussetzen, er wisse, dass die Akten, die sonst (s. Hofmanns deutsche oder undeutsche Reichspraxis § 766) lateinisch ausgefertigt wurden, wie vor Joseph die ungarischen, heutzutage, wenn man es ohne Beleidigung sagen darf, vielleicht mehr deutsch als lateinisch geschrieben werden; und ich darf mich hierin auf ganze deutsche Zeilen steifen, die in den ReichsKammergerichts-Erkenntnissen stehen. Ich will aber nicht glauben, dass der Jurist darum, weil Inchhofer die römische Sprache für die Muttersprache des zweiten Lebens erklärt, sich von einem Dialekte loszumachen suche, durch den er so viel wie der römische Adler oder später der römische Fischreiger (der römische Stuhl) in seinen Adlers-Fängen entführte. – –
Man läute immerhin den Aktus ein, man ströme immer hinein: wer fragt darnach? Weder ich noch der Ex-Konrektor. Die sechs pygmäischen Ciceros wollen sich vergeblich vor uns in prächtiger Einkleidung ihrer Gedanken und Leiber vortun. Der Zugwind des Zufalls hat vom Aktus den Strahlen- und Pudernimbus weggeblasen, und der gewesene Konrektor hat eingesehen, wie wenig man sich mit einem Kateder brüsten könne (der nicht voll schiffes-, sondern voll Gelbschnabel ist), und wie viel im Gegenteil mit einer Kanzel: "Ich hätte nicht gedacht," (dachte er jetzt) "da ich Konrektor wurde, dass es noch etwas Grösseres geben könne, ich meine einen Pfarrer." Der Mensch hinter seiner ewigen Augen-Binde, die er nur anders färbt, und nicht dünner legt, trägt seinen Stolz von einer Stufe zur andern und tadelt auf jeder höhern nur den Stolz auf der tiefern.
Das Beste am Aktus war, dass ihm der Regimentsquartier- und Metzgermeister Steinberger beiwohnte, emballiert in einen langen Schafspelz. Unter der Feierlichkeit warf der Subrektor Hans von Füchslein mehrere vergnügte und fragende Blicke auf den Schadecker Bedienten, der ihn gar nicht ansah: Hans hätte sich darauf totschlagen lassen, nach dem Aktus beruf' ihn der Kerl. Als endlich die sechs-hälsige kleine Hahnen-Voliere auf ihrem Miste abgekrähet hatte, d.h. peroriert: bestieg der amtierende Schuldiener, über den nun eine höhere Dienstfahne flatterte, selber die Bühne und stattete dem Scholarchat, dem Subrektorat, der Vormundschaft und der Herrndienerschaft seinen gehorsamen Dank für ihre Gegenwart ab, meldete ihnen aber mit wenigem dabei:
"Gott hab' ihn indes von seinem Posten zu einem andern abgerufen und ihm die Seelsorge über die Hukelumer Pfarrgemeinde so wie über das Schadecker imparochierte Filial unwürdigermassen anvertrauet."
– Diese kleine Anrede schoss dem Ansehen nach den zeitigen Subrektor Hans von Füchslein beinahe vom Sessel herab, und sein Gesicht sah vermengt aus wie roter Bolus, grüne Kreide, Rauschgelb und vomissement de la reine.
Der lange Quartiermeister richtete sich in seinem Pelze ziemlich auf und sumsete, in glücklichem Selbstvergessen, laut genug: "Der Daus! – Pfarrer??"
Der Subrektor fuhr wie ein Schwanzstern vor dem Bedienten vorbei, befahl ihm, er sollte bei ihm ein Billett an seinen Herrn mitnehmen, sprang nach Haus und setzte da an den Patronatsherrn, der daheim auf einen langen Dankpsalm aufsah, so gut er in der Eile konnte, eine kurze satirische Epistel auf und untermengte sie mit einigen Verbalinjurien.
Der Staatsdiener überreichte seinem Herrn miteinander Fixleins Dankgesänge und Füchsleins Invektiven. Der Dragonerrittmeister, aufgebracht über den Grobian und gebunden an sein Wort, das der Konrektor öffentlich im Aktus abgelesen, schrieb dem neuen Pfarrer zugleich die Verwechslung und die Ratifikation derselben zurück – und Fixlein ist und bleibt nun zu unserer aller Freude ordentlicher wohlbestallter Pfarrer zu Hukelum.
Sein zurückgesetzter Nebenbuhler Füchslein hat noch den Trost, dass er im Wespenneste der Neuen allgemeinen deutschen Bibliotek mitsitzet. – Sollte einmal der Pfarrer sich in einen Autor verpuppen: so kann die Schlupfwespe herausfliegen und ihren Stachel in die Puppe drücken und ihre Brut an die Stelle des erstochenen Schmetterlings setzen. Da der Subrektor überall herumschlich und frei drohte, seinen Kollegen zu rezensieren: so wundere sich das Publikum nicht, dass es Fixleins errata und seine masoretischen exercitationes noch bis diese Stunde nicht in Händen hat.
Im Frühling macht das Gnadenjahr der Witwe seinen Sabbatsjahren Platz – und wie es da zugehen wird, wenn er unter einem Tronhimmel von Blütenbäumen die Braut Christi (die christliche Kirche) in die eine Hand nimmt, und seine eigne in die andere, das würde ohne einen achten Zettelkasten, der in diesem Falle ein wahres Schmuckkästchen und eine Regenbogenschüssel35 werden kann, sich niemand denken können als der Sponsus allein.
Achter Zettelkasten
Einzug in die Pfarre
Den 15ten April 1793 kann der Leser tief im Hohlweg drei Bagagewägen sehen. – Die Güterwägen fahren den Hausrat des neuen Pfarrers nach Hukelum: der Eigentümer marschieret selber mit den Beichtkindern