herumschiebt, für einen Augarten, für einen fünften Weltteil ansieht wegen der Nähe und Weide, die Blattporen für Tempe-Täler, das Blätterskelett für einen Freiheits-, Brot- und Lebensbaum und den Tautropfen für die Flut. – Wir Tag-, Abendund Nachtraupen fallen sämtlich in den nämlichen Irrtum, aber nur auf andern Blättern, und wer (welches ich tue) über die wichtige Miene lacht, mit der der Rektor Landesprogrammen, der Dramaturg Komödienzettel, ein Kennikottischer Varianten-Almosensammler Buchstaben aufkauft: der tut es, wenn er weise ist – wie hier der Fall ist –, mit dem Bewusstsein seiner ähnlichen Narrheit und lacht an seinem nächsten nichts aus als die Menschheit und sich. –
Die Mutter war nicht zu halten: sie musste diesen Abend noch fort nach Hukelum und Tiennetten nur wenigstens etwas berichten von dieser Herrlichkeit.
Jetzt wird die Welt hundert gegen eins wetten, dass ich nun biographisches Wachs nehmen und ein Wachsfigurenkabinett von dem Aktus selber bossieren werde, das einzig in seiner Art sei. – –
Aber Mittwoch morgens, als sich der hoffnungstrunkene Konrektor eben anzukleiden dachte: klopfte etwas an – –
Es war der bekannte Bediente des Rittmeisters, der die Vokation an den Subrektor Füchslein hatte. Zum letzteren sollte der gute Mensch diesen Wildruf ins Pfarramt tragen; aber er distinguierte elend zwischen Sub– und Kon-Rektor und hatte überhaupt seine guten Gründe, warum er zu diesem kam: denn er dachte: "Wer wills weiter kriegen, als der den vorigen Sonntag predigte und aus dem dorf her ist, und der ja mit unserer fräulein Tiennette im Gerede ist und dem ich ja schon eine Uhr und die Zopfdukaten habe bringen müssen." – Er stellte sich gar nicht vor, dass sein gnädiger Herr den leiblichen Paten übergehen könnte.
Fixlein las die Adresse der Bestallung: "An des Pfarrer Fixlein zu Hukelum Wohl-Ehrwürden." Er musste notwendig den Fehlgriff des Lakaien tun und die fremde Bestallung erbrechen als eigene; und da er noch dazu in der Vokation nur von einem Schul-Unterbefehlshaber (statt Subrektor) etwas fand, so musst' er in seinem Irrtum verharren. Eh' ichs gut erkläre, warum der Gerichtshalter, der Former der Vokation, diese so dumm aufsetzte: wollen wir zwei, ich und der Leser, d.h. mehr Menschen, als je in einen Kirchensprengel gehen, uns bei Fixleins freudigen Springfüssen aufhalten – bei seinen dankbar-nassen Augen – bei seiner hämmernden Brust – bei seinen bringenden Händen, diesen Handhaben eines verschenkten Mussteils – beim Gratial von zwei Zopfdukaten, die er an den Infulträger so gern fahren lässt als den pädagogischen Zopf, der ihm nächstens auf der Kanzel abfället. – – Wusst' er wohl, was er denken sollte (vom Rittmeister) oder schreiben (an eben diesen) oder auftischen (für den Lakai)? – Zog er nicht Erkundigungen von dem gnädigen Befinden seines Wohltäters zu wiederholten Malen ein, ob ihm gleich der Bediente schon recht gut auf die erste geantwortet hatte? – Und wurde nicht dieser Mensch, der zum spottsüchtigen, achselzuckenden und achselträgerischen MenschenSortiment gehörte, durch die Freude, die er mitgebracht, endlich so gerührt, dass er sich auf der Stelle vornahm, dem Aktus des neuen Herrn Pfarrers. obgleich kein einziger vom Adel darin war, seine Gegenwart zu schenken? – Fixlein siegelte vorher die Dankadresse ein und hielt höflich beim AdelsbriefTräger an, ihn oft in der Pfarre zu besuchen und heute bei seiner Mutter vorbeizugehen und ihr den Text zu lesen, warum sie gestern nicht geblieben sei, da sie heute bei der Vokation durch seine gnädige Patronatsherrschaft hätte mit sein können.
Als der fort war, fing er vor Freude ordentlich an, skeptisch zu werden – und ängstlich, daher er das Vokations-Instrument, der Mauserei wegen, gut in den Koffer mit zwei Vorlegschlössern einsperrte (- und andächtig und weich, weil er Gott ohne Scheu für alles dankte, dessen ewigen Namen er sogar nie anders schrieb als mit Kanzleischrift und mit bunter Dinte, wie der jüdische Abschreiber diesen namenlosen Namen nur im Ornat und frischgewaschen schrieb34 – und taub wurde der Pfarrer), dass er kaum die Aktus-Schäferstunde schlagen hörte – und zerstreuet, weil eine schönere bei Tiennetten mit ihren Rosenstauden und ihrem Rosenhonig nicht aus seiner Seele wollte. Er, der schon das Glück, wenn es ihm ein schiefes Maul schnitt, so lange, wie Kinder einander, anlachte, bis er wirklich selber anfangen musste zu lächeln – er flog jetzt gleichsam immer höher geschnellet auf einem Schwungbrette empor...
Aber vor dem Aktus wollen wir den Gerichtshalter verhören. Fixlein statt Füchslein schrieb er aus einer Unwissenheit in der Namen-Ortographie, die durch die Rechtschreibung des Testaments noch grösser und natürlicher geworden war. "Von" diesen Ehrenbogen, durft' er nicht vor Füchsleins neuen Namen stellen, weils Aufhammer untersagte, der dessen ahnen-reine Abkunft anfiel und nicht bedachte, was überhaupt ein Edelmann sich zu getrösten habe, da schon Christus in seinem von Mattäus gefertigten Stammbaum vier bekannte – Huren zählt, die Tamar, Rahab, Batseba und Rut. Endlich hatte der Bestallungs-Macher die Unart Campens an sich, dass er alles verdeutschen wollte, was man erst nach der Verdeutschung nicht mehr verstand, als wenn ein Wort sich um eine bessere Naturalisationsakte zu bewerben hätte, als die ihm seine allgemeine Verständlichkeit erteilt. An und für sich ist es doch einerlei – um so mehr, da alle Sprachen wie alle Menschen