der Hukelumer Pfarre geworfen: es tat ihm wohl, mit Suppliken behangen zu werden wie ein spanischer Schutzheiliger, und er zauderte (ob er gleich den Subrektor vozieren wollte) mit der Erhörung einer Supplik so lange, bis er siebenunddreissig Färbers-, Knopfmachers-, Zinngiesserssöhnen die ihrigen auf einmal abschlagen konnte. Denn die jetzigen Lehrer des christentum werden gern den ersten oder diesem selber ähnlich gewählt, das wie Venedig und Petersburg sich anfangs an Fischerhütten anbauete. Gönnet dem von Aufhammer die Verlängerung seiner Stimmfähigkeit zur geistlichen Parlamentswahl! Er weiss, dass ein Edelmann dem Timoleon gleicht, der seine grössten Siege an seinem Geburtstage gewann, dass nämlich das Wichtigste, was er zu tun hatte, war, eine Freiherrin, Semperfreiin usw. zur Mutter zu nehmen. Man kann einen, der schon als Fötus in den Adelstand erhoben wird, noch besser mit der Spinnfliege vergleichen, die wider die Weise aller Insekten sich schon im Mutterleibe entpuppt und verwandelt. –
Aber weiter! Fixlein war jetzt doch nicht ohne Geld. Es wird so viel sein, als wenn ichs dem Leser schenkte, wenn ich ihm hinterbringe, dass er vom Legate, das den Gemeinschuldner abspeisete, noch 35 fl. übrig behielt als Allodium und Schatull-Geld, womit er sich kaufen konnte, was er wollte. Und wie kam er zu einer so bedeutenden Summe, zu einem solchen Kompetenzstück? – Bloss dadurch, dass er, sooft er ein grosses Stück Geld in kleinere zersetzte, und überhaupt bei jeder Einnahme zwei, drei, vier Petermännchen unbesehen und blind unter die Papiere seines Koffers warf. Seine Absicht war, einmal zu erstaunen, wenn er es endlich aufsummierte und das Kapital erhöbe. Und beim Himmel! die erreichte er auch, als er bei der Tronbesteigung seiner Quintur diese Sparpfennige aus den Papieren zog und sie zu den Krönungskosten schlug. – Jetzt säete er sie wieder unter die Verbriefungen. Närrisch! Ich meine, hätt' er nicht glücklicherweise sein Legat blossgestellt, da er es als positive Belohnung und Kuppelpelz für den Patronatsherrn ausbot: so hätt' ihn der Fehlgriff nach dem Klopfer der hukelumischen Kirchentüre verdrossen; so aber erwischt' er doch, da er den Klopfer verfehlte, den Pelz wieder und konnte froh sein.
Jetzt schreite ich in seiner geschichte weiter und stosse im Gestein seines Lebens auf eine so schöne Silberader, ich meine auf einen so schönen Tag, dass ich (glaube' ich) sogar den dreiundzwanzigsten Posttrinitatis, wo er doch seinem geliebten Vaterdorfe eine Vakanzpredigt vorhielt, hier nur leicht bestreifen werde.
An sich war die Predigt gut und herrlich und der Tag ein rechter Wonnetag; aber ich müsste überhaupt mehr Stunden übrig haben, als ich dem Mai abstehle, worin ich jetzt lebe und schreibe, und mehr Kräfte, als mir die Lustfahrten durch schöne Tage zu den Landschaftsgemälden derselben frei lassen, wenn ich mit einiger Hoffnung es versuchen wollte, von der Länge und Dicke der saiten und ihren Vibrationen und den konsonen Verhältnissen derselben untereinander, die insgesamt an jenem Posttrinitatis seinen Herzohren eine Sphärenmusik machten, einen matematischen Bericht abzustatten, der mir so sehr gefiele wie andern... Man verlang' es nicht! Ich denke, wenn ein Mann an einem Sonntage vor allen Frönern, die ihn sonst als den Kunstgärtners-Buben auf dem Arm hatten, ferner vor seiner Mutter, die ihre selige Zerfliessung in die Gosse des Samt-Muffs ableitet, ferner vor seinem gnädigen Herrn, dem er geradezu befehlen kann, selig zu werden, und endlich vor seiner mousselinenen Braut, die schon selig ist, weil sie fast zu Stein darüber wird, dass dieselben Lippen küssen und predigen können, ich denke, sagt' ich, wenn ein Mann das leistet: so hat er wohl einiges Recht, vom Biographen, der seinen Zustand schildern will, zu begehren, dass er das – Maul halte, und vom Leser, der solchen nachempfinden will, dass er seines aufmache und selber predige. – –
Aber was ich ex officio malen muss, ist der Tag, wozu der Sonntag nur der Vorschabbes, die Vigilie und das Voressen war – nämlich der Vorschabbes, die Vigilie und das Voressen vor dem Martirzi-Aktus. Am Sonntag hielt er die Predigt, am Mittwoch den Aktus und am Dienstag die probe. –
Der Dienstag soll jetzt der Welt beschrieben werden.
Ich zähle darauf, dass ich nicht bloss von lauter Weltleuten gelesen werde, denen freilich ein Schulaktus nicht viel anders und besser als eine bischöfliche Investitur oder eine Frankfurter Krönungs-opera seria vorkömmt, sondern dass ich auch Leute vor mir habe, die auf schulen waren, und die wissen, was sie vom Schuldrama eines Aktus und vom Maschinenmeister und von dem Komödienzettel (dem Programm) zu denken haben, ohne darum dessen Vorzüge zu übertreiben.
Eh' ich die Probekomödie des Martini-Aktus gebe, leg' ich mir selber als Dramaturg des Schauspiels auf, die Einladungsschrift des Konrektors, wenn nicht zu exzerpieren, doch zu registrieren. Er sagte darin manches und machte (welches einem Verfasser so wohltut) Vorschläge statt Vorwürfe und erinnerte, ob nicht bei den bekannten Donatschnitzern der Magnaten in Pest und Polen die Schulgebäude am besten als Kontumazhäuser gegen infizierende Barbarismen schirmten. Auch verteidigte er an schulen, was zu verteidigen war (und nichts in der Welt ist süsser oder leichter als eine Defension), und sagte, Schulleute, die nicht ohne Unrecht gleich gewissen Höfen nur lateinisch mit sich sprechen liessen und selber sprächen, könnten die