seiner gestrigen Wonne) in Abend ein als ein ausgeleerter Eimer des Lichts, und in Morgen ging der zweite übervollgeschöpfte Eimer, die Sonne, in die Höhe, und die Güsse des Lichtes flatterten immer breiter.
Die Stadt stand in himmlischen Morgenflammen: hier fing seine Wünschelrute (die Goldstange, die er bis auf den abgebrochenen 1/16 Zoll bei sich trug) über allen Stellen zu schlagen an, wo sich Ausbeuten und Silberadern der Lust versteckten, und unser Rutengänger entdeckte leicht, dass die Stadt und die Zukunft ein wahres ganzes Freuden-Potosi waren.
In seinem Konrektorats-Stübchen fiel er auf die Knie und dankte Gott – nicht sowohl für Erbschaft und Braut als – für sein Leben: denn er war mit Zweifeln Sonntags früh fortgegangen, ob er wiederkommen werde, und ich habe nur aus Liebe zum Leser, weil ich dachte, er ängstige sich, Fixleins Reise mehr seiner Begierde, das Testament zu wissen, als dem Wunsche, sein eigenes bloss bei seiner Mutter zu machen, oben listig zugeschrieben. Jede Genesung ist eine Wiederbringung und Palingenesie unserer Jugend: man liebt die Erde und die, die darauf sind, mit einem neuen Herzen. – Der Konrektor hätte die ganze Sekunda beim kopf nehmen und abherzen mögen; aber er tats nur seinem Adjutanten, dem Quartaner, der im ersten Zettelkasten noch als Quintaner sass...
Sein erster gang aus der Nachmittagsschule war ins Haus des Meister Steinbergers, worin er, ohne ein Wort zu sagen, 50 fl. in Dukaten bar auf den Tisch zählte: "Endlich stoss' ich", sagte Fixlein, "doch die Halbscheid meiner Schuld ab mit vielem Danke." – "Ei, Herr Konrektor," (sagte der Regimentsquartiermeister und wurstete ungestört fort) "in meiner Obligation steht: 'heimzuzahlen nach vierteljähriger beiderseitiger Aufkündigung.' – Wie wollte unsereiner sonst bestehen? – Aber auswechseln will ich Ihm die Goldstücke." – Darauf riet er ihm, es wäre gescheuter, wenn er ein paar Gulden davon nähme und sich einen bessern Hut und ganze Schuhe bestellte: "Wenn Er sich", setzte er hinzu, "die Kalbshaut und sechs Hasenfelle zurichten lassen will: droben liegen sie." – Ich sollte doch denken, meinen Lesern sei es ebensowenig gleichgültig als dem Metzger, ob der Held einer solchen geschichte ihm mit einem abgegriffenen Pfanndeckel von Hut und mit einem Pumpenstiefel und Beinharnisch von Stiefel entgegenkomme oder nicht. – Kurz der Mann trug sich noch vor Johannistag mit Geschmack und Pracht.
Jetzt aber waren zwei äusserst wichtige Aufsätze – im grund nur einer, die Supplik um die Hukelumer Pfarrei – auszuarbeiten, wobei mir ist, als müsst' ich selber mitelfen.... Es wäre einfältig, wenn gerade jetzt das gesamte Publikum nicht achtgäbe.
Zuvörderst suchte und schlichtete der Konrektor alle Konsistorial- und Ratsquittungen oder vielmehr die Zollscheine des Weggeldes zusammen, das er geben müssen, eh' ihm die Schlagbäume am Quintat und Konrektorat aufgezogen wurden: denn der Exekutor des rittmeisterlichen Testamentes musste ihm alles, wie Quittung besagen würde, bei heller und Pfennig gut tun. Ein anderer hätte diese ganze Amts-Akzise leichter zusammensummiert, indem er bloss nachgesehen hätte, was er – schuldig wäre, weil diese Schuld und jene Zollscheine wie Parallelstellen einander gegenseitig erklären und vidimieren. Aber bei Fixlein waltete ein Nebenumstand vor, den ich nicht eher referieren kann als nach dem folgenden.
Es verdross ihn ein wenig, dass er für seine zwei Ämter nicht mehr als 135 fl. 41 kr. 1/2 Pf. hatte zahlen und borgen müssen. Die Erbschaft ging zwar sogleich aus des testamentlichen Vollstreckers Händen in des Regimentsquartiermeisters seine; er hätt' es aber doch gern gesehen, er hätte – denn ein Mensch ist ein Narr von Haus aus – mehr zu zahlen und also zu erben gehabt. Das ganze Konrektorat hatte er durch einen Einsatz von wenigen 90 fl. gleichsam aus dem Glücksrade gezogen; und eine so kleine Debetsumme wird den Leser wunder nehmen; was wird er aber erst denken, wenn ich ihm sage, dass es Länder gibt, wo die Entreegelder in Schulstuben noch mässiger sind? Im Scheerauischen kostet ein Konrektor nur 88 fl., und er hat vielleicht noch das Triplum dieser Summe einzunehmen. Ohne an Sachsen zu denken – was freilich von der Wiege der Reformation in der Religion und in der schönen Literatur nicht anders zu erwarten ist –, wo ein Schul- und Pfarrherr nämlich gar nichts zahlt: so ist es schon im Baireutischen, z.B. in Hof; mit der Aufklärung so weit, dass ein Quartus – was sag' ich ein Quartus – ein Tertius! – was sag' ich ein Tertius – ein Konrektor vor Antritt seines Postens nicht mehr zu erlegen braucht als:
fl. rhein. kr. rhein.
30 49 für Verpflichtung bei demKonsistorio.
04 dem Stadtsyndikus für die Vokation.
02 dem regierenden Burgermeister.
45 7½ für das Regierungsdekret.
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Summa 81 56½ Laufen auch die Druckkosten eines Rektors in einigen Artikeln höher auf: so kommt hingegen ein Tertius, Quartus etc. noch wohlfeiler aus der Presse als selber mann auskommen, da er schon im ersten Jahr einen Überschuss über dieses Schwanzgeld seines Amtes ein nimmt. Es muss ein Schullehrer schon wie seine Schüler von einer Klasse zur andern avancieret sein, ehe seine Staatsanleihen samt den Verzögerungszinsen so viel betragen, als er in der höchsten einnimmt. Noch dazu sind unsere Einrichtungen nicht dagegen – welches doch die atenischen taten –,