, wie viel Uhr es sei – 2) aus dem Konrektorat, das sie ihm ausgewirkt.
Da man auswärts über diese Vokation des Flachsenfinger inneren Rats gar nicht so geurteilt hat, wie man hätte sollen: so halt' ichs für meine Pflicht, für den gesamten Rat lieber hier eine Defension zu führen als im Reichsanzeiger. Ich habe schon oben im zweiten Zettelkasten erwähnt, dass der Stadtsyndikus mit Hamburger Lichtern und der regierende Bürgermeister mit Kaffeebohnen handelte, sowohl mit halben als mit gemahlnen. Der Kompagnie-Stichhandel aber, den sie gemeinschaftlich betrieben, war mit den acht Schulämtern; die andern Ratsglieder sassen nur als Ballenbinder, Ladendiener und Kontoristen in der Ratsschreibstube. Das ganze Rataus ist überhaupt ein ostindisches Haus, wo nicht bloss Dekrete oder Vokationen, sondern auch Schuhe und Tücher feilgehalten werden. eigentlich führet der Rat seine Ämterhandels Freiheit aus dem Grundsatze des römischen Rechtes her: cui jus est donandi, eidem et vendendi jus est, d.h. wer das Recht hat, eine Sache zu verschenken, der darf sie auch käuflich erlassen, wenn er mag. Da nun den Ratsgliedern offenbar das Recht zusteht, Ämter gratis zu erteilen: so muss sich wohl das, sie zu verkaufen, von selber verstehen.
Nur ein Extrawort über die Volationen-Agioteurs
überhaupt
Ich sorge im ganzen, die Akademien-Produkten-Verschleiss Kommission28 des staates betreibe den Ämterhandel schlaff. Wer aber anders als das gemeine Wesen muss am Ende leiden, wenn wichtige Posten nicht nach dem Kaufschilling, der für sie erleget wird, sondern nach Konnexionen, Verwandtschaften, parteiischen Empfehlungen und Bücklingen weggegeben werden? ist es nicht ein Widerspruch, Titularämter teuerer abzustehen als wirkliche? Sollte man nicht eher hoffen, dass der wirkliche Hofrat ums alterum tantum im Verhältnis des Titularhofrats versteigert werde? – Das Geld ist nun bei den europäischen Nationen das Äquivalent und der Repräsentant des Wertes aller Dinge und folglich des Verstandes, um so mehr, da ein Kopf darauf steht; die Kaufsumme des Amtes aufzählen, ist also nichts als ein examen rigorosum aushalten, das nach einem guten Schema examinandi gehalten wird. Es umkehren und seine Geschicklichkeit statt deren Surrogate und Assignate und Münzen de confiance zeigen wollen, heisst nichts als den närrischen Philosophen in Gullivers Reisen gleich werden, die statt der Namen der Dinge die Dinge selber in Säcken getragen brachten zum gesellschaftlichen Verkehr; und das heisst doch klar in die zeiten des Tauschhandels zurückfallen wollen, wo die Römer, anstatt des abgebildeten Ochsen auf ihren Ledermünzen, das Rindvieh selber vorführten.
Ich bin von allen solchen unrichtigen Massregeln so weit entfernt, dass ich oft, wenn ich las, dass der König in Frankreich neue Ämter ersinne, um mit ihnen unter der Bude seines Baldachins feilzustehen, auf etwas Ähnliches dachte. Ich will es ruhig wenigstens vorschlagen und mich nicht darüber abhärmen, ob es die Staaten annehmen oder nicht. Da der Landesherr uns nicht vergönnt, die Ämter bloss zum Verkaufe zu vervielfältigen, weil er vielmehr Tag und Nacht (wie Regisseurs der wandernden Truppen) einem staates-Akteur mehrere Rollen zudenkt, um zu den drei teatralischen Einheiten die vierte der Spieler zu setzen; da also das obige nicht geht: könnten wir nicht wenigstens einige Tugenden, die mit den Ämtern harmonieren, als Titel zugleich mit diesen verkaufen? – Könnte man nicht z.B. mit dem amt eines Referendärs zugleich Titular-Unbestechlichkeit verkäuflich losschlagen, so aber, dass diese Tugend, als nicht zum amt gehörig, besonders vom Kandidaten bezahlet würde? – Ein solcher Kauftitel und Briefadel könnte keinen Referendarius verunzieren. Man bedenkt nicht, dass ähnliche schöne Titel sonst alle Posten schmückten: der scholastische Professor schrieb sich damals (noch ausser seinem Amtstitel) "der seraphische – der unwiderlegliche der scharfsinnige"- der König schrieb sich "der grosse – der kahle – der kühne – der einfältige" – und so auch der Rabbiner. würde' es den Männern in den höhern Justizstellen unangenehm sein, wenn ihnen die Titel der Unparteilichkeit, der Schnelligkeit etc. so gut käuflich erlassen würden als die Posten selber? So könnte mit einer Kammerratsstelle die Tugend der Untertanenliebe schön als Titel verknüpfet werden; und ich glaube, wenige Advokaten würden sich bedenken, sich den Titel der Rechtschaffenheit- so gut wie den gewöhnlichen der Regierungsadvokatie – anzuschaffen, wär' er anders zu haben. Wollt' indes ein Kandidat seinen Posten ohne die Tugenden haben: so ständ' es bei ihm, und der Staat dürft' ihn zu dieser Vexier-Moralität nicht zwingen.
Es kann sein, dass, wie nach Tristram Shandy Kleider, nach Walter Shandy und Lavater nomina propria auf den Menschen zurückwirken, appellativa es noch mehr tun, da ohnehin an uns, wie an den Schaltieren, sich der Schaum so oft zur Schale versteinert; aber diese Moralität ist es nicht, worauf ein Staat sehen kann: wie bei den schönen Künsten ist nicht sie, sondern Darstellung sein wahrer Zweck.
Es wurde mir oben ordentlich sauer, für die verschiedenen Ämter mir verschiedene Verbaltugenden zu erdenken; aber ich sollte glauben, es wären noch viele dergleichen Abteilungen der Tugend (jetzt fällt mir selber noch der Freiheitsgeist, die Aufrichtigkeit und der gerade Sinn ein) auszukundschaften, wollte nur ein moralischer Staatsminister eine ordentliche Tugenddivisions-kammer oder ein moralisches Adress-Departement mit einigen Kanzelisten anstellen, die gegen geringen Gehalt die verschiedenen Tugenden für die verschiedenen Ämter ersännen. Ich würde an ihrem platz ein gutes Prisma vor den weissen Strahl der Tugend halten, das ihn gehörig zersetzte