ein blühendes Feld und der Sand ein Juwelenhaufe ist. Diese mikroskopischen Belustigungen sind dauerhafter als alle teuern Brunnenbelustigungen.... Ich muss aber diese Metaphern erklären durch neue. Die Absicht, warum ich Fixleins Leben in die Lübecksche Buchhandlung geschickt, ist eben, in diesem Leben – daher ichs in diesem Billett wenig brauche – der ganzen Welt zu entdecken, dass man kleine sinnliche Freuden höher achten müsse als grosse, den Schlafrock höher als den Bratenrock, dass man Plutos Quinterne seinen Auszügen nachstehen lassen müsse, einen NNd'or dem Notpfennig, und dass uns nicht grosse, sondern nur kleine Glückszufälle beglückken. – – Gelingt mir das: so erzieh' ich durch mein Buch der Nachwelt Männer, die sich an allem erquikken, an der Wärme ihrer Stuben und ihrer Schlafmützen – an ihrem Kopfkissen – an den heiligen drei Festen – an blossen Aposteltagen – an den abendlichen moralischen Erzählungen ihrer Weiber, wenn sie nachmittags als Ambassadricen einen Besuch auf irgendeinem Witwensitz, wohin der Mann nicht zu bringen war, gemacht hatten – am Aderlasstage dieser ihrer Novellistinnen – an dem Tage, wo eingeschlachtet, eingemacht, eingepökelt wird gegen den grimmigen Winter und so fort. Man sieht, ich dringe darauf, dass der Mensch ein Schneidervogel werde, der nicht zwischen den schlagenden Ästen des brausenden, von Stürmen hin- und hergebognen unermesslichen Lebensbaumes, sondern auf eines seiner Blätter sich ein Nest aufnähet und sich darin warm macht. – Die nötigste Predigt, die man unserm Jahrhundert halten kann, ist die, zu haus zu bleiben.
Der dritte Himmelsweg ist der Wechsel mit dem ersten und zweiten. Der vorige zweite ist nicht gut genug für den Menschen, der hier auf der Erde nicht bloss den Obstbrecher, sondern auch die Pflugschar in die hände nehmen soll. Der erste ist zu gut für ihn. Er hat nicht immer die Kraft, wie Rugendas mitten in einer Schlacht nichts zu machen als Schlachtstücke und wie Bakhuisen im Schiffbruche kein Brett zu ergreifen als ein Zeichenbrett, um ihn zu malen. Und dann halten seine Schmerzen so lange an als seine Ermattungen. Noch öfter fehlet der Spielraum der Kraft: nur der kleinste teil des Lebens gibt einer arbeitenden Seele Alpen – Revolutionen – Rheinfälle – Wormser Reichstage – und Kriege mit Xerxes, und es ist so fürs Ganze auch besser; der längere teil des Lebens ist ein wie eine Tenne platt geschlagener Anger ohne erhabene Gottardsberge, oft ein langweiliges Eisfeld ohne einen einzigen Gletscher voll Morgenrot.
Eben aber durch Gehen ruhet und holet der Mensch zum Steigen aus, durch kleine Freuden und Pflichten zu grossen. Der siegende Diktator muss das SchlachtMärzfeld zu einem Flachs- und Rübenfeld umzuakkern, das Kriegsteater zu einem Hausteater umzustellen wissen, worauf seine Kinder einige gute Stükke aus dem Kinderfreund aufführen. Kann er das, kann er so schön aus dem Weg des genialischen Glücks in den des häuslichen einbeugen: so ist er wenig verschieden von mir selber, der ich jetzt wiewohl mir die Bescheidenheit verbieten sollte, es merken zu lassen – der ich jetzt, sag' ich, mitten unter der Schöpfung dieses Billetts doch imstande war, daran zu denken, dass, wenn es fertig ist, die gebacknen Rosen und Holundertrauben auch fertig werden, die man für den Verfasser dieses in Butter siedet.
Da ich zu diesem Billett noch ein Postskript (am Ende des buches) anstossen will: so spar' ich einiges, was ich noch über den dritten, halb satirischen, halb philosophischen teil des Werks zu sagen hätte, absichtlich für die Nachschrift auf. Hier lässt der Verfasser, aus achtung für die Rechte eines Billetts, seine halbe Anonymität fahren und unterschreibt sich zum ersten Male mit seinem ganzen wahren Namen. Hof im Voigtland, den 29. Jun. 1795.
Jean Paul Friedrich Richter
geschichte der Vorrede
zur zweiten Auflage
Ein Schweizer voltigierte (nach dem Berichte Stolbergs) einst so heftig als er konnte von der stube auf den Sessel und von diesem wieder herunter – da man ihn darüber befragte, gab er an: "er mache sich lebhaft". – Aber Normänner wie ich brauchen schon halbe Tagreisen, wenn sie so feurig werden wollen, dass sie den Plan eines Kapitels glücklich entwerfen. Schon Erasmus arbeitete sein Lob der Narrheit auf dem Sattel aus (da er nach Italien ritt), und der englische Dichter Savage sein Trauerspiel Overbury auf den Londner Gassen – wiewohl sein Leben selber eines war, kein bürgerliches, sondern ein adeliges, da er sich von seiner natürlichen Mutter, der Gräfin von Macclesfield, jährlich 200 Pf. auszahlen liess, damit er kein Pasquill auf sie machte, sondern eben dadurch nur eines auf sie wäre –; von mir aber ist gar bekannt, dass ich vor einigen Jahren die grosse Tour machte, bis ich gleich einem jungen Herrn mit dem Risse oder Knochengebäude der "Mumien" wiederkommen konnte; ja sollt' ich mich einmal zu einem epischen Werke wie die Odyssee entschliessen, so müsste sich wohl der Sänger so lange auf seiner pittoresken Entdeckungsreise aufhalten als der Held selber.
Hingegen zur Zeugung einer Vorrede zur zweiten Auflage hab' ich nie mehr nötig erachtet als eine Fussreise von Hof nach Baireut, einen Katzensprung über drei Poststationen. Ich such' aber etwas darin, wenn ich das Erstaunen der Nachwelt und ihrer Vorfahren dadurch erregen kann, dass ich beide auf die baireutische Kunststrasse mitnehme, auf der ich hinlaufe – im Webstuhl der Vorrede eingesperrt und mit dem Weberschiffchen werfend –, ohne doch etwas Rechtes herauszubringen. Ich trug nämlich die