es mit mir hat." – Luise begriff jetzt, dass er irgend einen verborgnen Verdruss haben müsste, und sie fühlte von neuem, wie unzerreissbar die Kette von Schmerz und Fehltritten ist, sobald Eintracht und gutes Vernehmen einmal aus einer Ehe verbannt sind. Eine der traurigsten Folgen ist gewiss der Mangel an Mitteilung; beiden Teilen entgeht der Augenblick, wo die Umstände besondre Nachsicht gegen böse Laune oder Ungerechtigkeit erfordern: und dies unwillkührliche versehen wird, von dem leidenden Teile, doch selbst als Ungerechtigkeit empfunden. Luise fuhr sanft fort: "Ich hoffe dass die Vorsehung Ihren Sinn ändern wird." – Er unterbrach sie: "Ich habe ihrer nicht nötig; sie hätte viel zu tun, wenn sie sich mir fühlbar machen sollte. In dieser Welt muss man die Menschen benutzen, aber sich an keinen binden. Ein andres Mittel, glücklich zu sein, gibt es nicht" – So schloss sich diese Unterredung, auf welche Luise ihre letzte hoffnung gebaut hatte; so gelang ihre Bemühung ein Herz zu erweichen, von dessen Besitz ihre ganze Bestimmung zum Glück abhing! Sie sah nunmehr deutlich, dass Blachfeld einer gattin los zu sein wünschte, deren Leiden selbst ihm zu einem stillschweigenden Vorwurf gereichten, welcher ihm unerträglich zu werden anfing. Die Scheidung zu fordern fiel ihm jetzt indessen nicht ein, weil Luisens Mutter in einem Alter war, das ihm versprach, sie bald unter vorteilhafteren Bedingungen zu erhalten, als in den gegenwärtigen Umständen. Madame N. merkte ihm diesen Plan ab, und ob sie gleich äusserlich in gutem Vernehmen mit ihm stand, so war sie doch über sein Betragen gegen ihre Tochter so aufgebracht, dass sie diese insgeheim bat, darin zu willigen, dass sie ihre Kinder an seiner Stelle zu Erben einsetzte. Luise konnte aber der hoffnung, ihn zu gewinnen, noch nicht ganz entsagen, und wollte nicht, dass er im wahrscheinlichen Falle ihres früheren Todes, auf seine alten Tage, von seinen Kindern abhängen sollte: sie hätte freilich bei dieser Einrichtung nichts verloren, da ihr nach den Gesetzen der Niesbrauch des Vermögens zukam.
Ein Entschluss musste indessen genommen werden. Blachfeld hatte in Dienstgeschäften eine Reise zu machen, die aber von zu kurzer Dauer sein sollte, um Luisen hoffnung zu geben, dass etwa Zeit und Entfernung sein Betragen mildern möchten. Diese wirkung war nur von dem Alter, und der Abkühlung seiner Leidenschaften zu erwarten. Er wird sich zu mir wenden, sagte sie zu sich selbst, wenn die Welt ihn verlassen haben wird; ich will ihn auf einige Jahre von meiner Gegenwart befreien. Um alles aufsehen zu vermeiden, sah sie kein besseres Mittel, als um die nämliche Zeit wie er abzureisen, und nicht erst seine Zurückkunft abzuwarten. Sie sprach mit ihrer Mutter davon, und diese gute Frau, zu teilnehmend um ihre Gründe nicht zu fühlen, sagte bloss zu ihr: "Ich will mich deiner Abreise nicht widersetzen: ich weiss was ich dir auf diesen Fall schon versprochen habe, und weiss auch, aus dem zeugnis deiner beiden Dienstmägde, dass dein Haus dir eine Hölle sein muss; sie begreifen nicht, wie du so lange ausgedauert hast. Ich will dich also nicht zurückhalten: aber bedenke, dass ich während deiner Abwesenheit sterben könnte! Ich kenne dich genug, um zu wissen, dass du trostlos sein würdest." – Mit dieser Vorstellung hatte sie Luisen schon öfters von ihrem Vorhaben abgebracht, und auch jetzt wäre es ihr gelungen, wenn Blachfeld nicht selbst geschienen hätte, die Ausführung desselben zu wünschen. Dies wusste sie von dem Kindermädchen, welches Mittel gefunden hatte, sein Vertrauen zu gewinnen. Er brachte in den Stunden, wo Luise bei ihrer Mutter war, manchen müssigen Augenblick in ihrem Zimmer zu, und vertrieb sich die Zeit damit, das Mädchen über ihre herrschaft auszufragen. Sie mochte also wirklich besser als Luise wissen, wie Blachfeld über diesen Punkt dachte: ausserdem hatte sie aber selbst einen Grund, Luisens Abreise zu wünschen, bei welcher sie einen unmittelbaren Vorteil zu finden hofte. Sie war sehr geschickt, und verdiente vieles Geld, zu ihrem ohnehin ansehnlichen Lohne, indem sie, mit Luisens erlaubnis, für Leute ausser dem haus arbeitete. Sie berechnete sehr richtig, dass ihre herrschaft, während Blachfelds Abwesenheit, auf das Land gehen würde, wo ihr ausserordentlicher Erwerb dann wegfallen müsste; wenn Luise hingegen verreiste und sie im haus liess, konnte sie mehr als jemals verdienen. Sie versicherte Luisen, dass sie ihren Mann durch einen längeren Aufschub ihres Vorsatzes immer mehr erbittern würde, und hinterbrachte ihr mehrere seiner Reden, die das Herz der unglücklichen Frau nur zu tief verwundeten, ungeachtet sie gegen das Mädchen sich stellte als ob sie nicht daran glaubte.
Die Reise erforderte einen Vorschuss, den Luise jetzt nicht in Händen hatte. Blachfeld hatte ihr zwar vierzig Pistolen zu diesem Behufe versprochen, aber der Diebstahl, den er neulich erlitten hatte, diente ihm zum Vorwande sein Wort zurückzunehmen. Um indessen der Ausführung des Plans nicht im Wege zu sein, bequemte er sich eine Schrift zu unterzeichnen, in welcher er sich dazu bekannte die Trennung gefordert zu haben, und um das Publikum davon zu überzeugen, sich verpflichtete, seiner Frau eine gewisse Summe zu ihrem standesmässigen Unterhalte, und eine andre zur Ernährung ihres Kindes auszusetzen. Luise überliess es ihm, diese Summen so niedrig zu bestimmen als er wollte; sie würde ihre Einrichtung darnach machen. Er betrug sich aber in diesem Punkte so anständig, dass Luise