zu müssen, um ihre Schulden zu bezahlen. Zum Lohn aller dieser Mühe, hörte sie ihren Mann bei Tische zu seinem Bedienten sagen: "Das Essen wäre gut für die Hunde: sollen wir sie nicht einladen?" – Dieser Bediente trug hauptsächlich dazu bei, ihre Lage kränkend zu machen: solche Leute äffen ihren Herren in ihren Äusserungen gern nach, und Blachfelds Unachtsamkeit gegen seine Frau hatte die wirkung, dass auch dieser Mensch alle Ehrfurcht gegen sie aus den Augen setzte. Die auffallende Familiarität, in welcher Blachfeld mit ihm lebte, benahm Luisen den Mut, sich bei ihrem mann über ihn zu beklagen: es kam bald so weit, dass er ihr die gewöhnlichsten Dienste versagte. So wollte er eines Morgens, da die Köchinn auf dem Markte war, und Blachfeld Tee forderte, kein Feuer anmachen, was sich doch kein Kammerdiener zur Schande angerechnet hätte. Ein andermal gab ihm Luise einen Auftrag an eine Bekannte, er hatte keine Lust ihn auszurichten, aber er stellte sich als ob er es getan hätte, und brachte, im Namen von Luisens Freundinn, eine höchst beleidigende Antwort zurück. Luise kannte sie zu gut um nicht zu zweifeln; sie sprach mit ihr davon, und erhielt die feierliche Versicherung dass der Bediente sich gar nicht in ihrem haus hätte blicken lassen. Seitdem Blachfeld eine so entschiedne Verachtung gegen die Weiber äusserte, fand es sein Bedienter unter seiner Würde, auf den Wagen zu steigen, wenn Luise ausfuhr. Sie geriet dadurch in die peinlichsten Verlegenheiten. Oft sah sie sich beim Ausgange aus dem Schauspielhause so verlassen, dass sie ganz fremde Leute um ihre Bedienten oder Wagen ansprechen musste, um aus dem Haufen zu kommen. Einen Abend wartete sie lange, in der hoffnung endlich abgeholt zu werden, und schlug verschiednemale die Begleitung eines jungen Mannes aus, der ihre Verlegenheit wahrnahm. Wie aber alle Logen leer, alle Lichter ausgelöscht waren, musste sie sein Anerbieten annehmen, ungeachtet sie ihn weiter nicht kannte, als dass sie seinen Namen, und er den ihrigen wusste. Aus Bedenklichkeit wollte sie nicht in seinen Wagen steigen, sondern ging, ungeachtet es regnete, zu Fuss: ihr Begleiter war ein Fremder, er verfehlte den Weg, ohne dass sie ihn in ihrer Unruhe zurecht weisen konnte, und so irrte sie lange umher. Ein andermal hatten alle Damen schon die Logen verlassen, sie wartete noch gegen eine Stunde, die Finsterniss zwang sie endlich herauszugehen, und wie sie durch den Haufen allein dringen musste, hielt man sie für ein zweideutiges geschöpf. Glücklicherweise ward sie vom *** *** erkannt, dieser nannte sie einem andern Herrn, der ihr seinen Bedienten lieh, um einen Wagen zu holen. Wenn sie dann, von Angst und Kränkung ermattet, nach haus kam, durfte sie ihrem mann nicht einmal klagen: seine tür war vor ihr verschlossen; und fand sich einmal gelegenheit, der Nachlässigkeit des Bedienten zu erwähnen, so lächelte er darüber, und sagte, es wäre ein pfiffiger Bursche. Nur einmal zwang ihn ein Zufall, sich ihrer in diesem Stücke anzunehmen. Ein Kriegsgefährte ihres Mannes hatte sie einst, nach geendigtem Schauspiel, in einer ähnlichen Verlegenheit getroffen, und wie sie mitten auf der Treppe nach ihrem Bedienten suchte, sagte er: "Bei Gott! wenn das meiner Frau geschähe, wie wollte ich den Kerl zurechtweisen! Ihr Mann muss sich keinen Respekt zu verschaffen wissen." – der Offizier brachte sie zu haus, und da er ihren Mann über die schlechte Aufführung seines Bedienten aufzog, sah sich Blachfeld ehrenhalber genötigt, diesen mit einer Ohrfeige abzustrafen, die er aber noch an demselben Abend mit einem Geschenke vergütete. Der Mensch weigerte sich endlich ganz ihr aufzuwarten, so dass sie ihre Mutter um einen Bedienten bitten musste, so oft sie auszufahren hatte; und bei Tische musste sie so viel wie möglich aller Bedienung entbehren.
Es gibt keinen nagendern Kummer als häuslichen; da er ausser den dabei zunächst interessirten Personen keine Zeugen hat, schliesst er allen Trost von fremdem Mitleid aus; und wehe, wenn das Misverhältniss so weit gekommen ist, dass sich jenes einmischt; die Bitterkeit, die daraus entsteht, macht jede gründliche Versöhnung unmöglich! Luisens Gesundheit hielt so viel schmerzliche Auftritre nicht aus. An ihrem Namenstage, den ihre Mutter durch ein Familienfest feiern wollte, war Luise von dieser gütigen Aufmerksamkeit zwar um so gerührter, als auch ihr Mann die gefälligkeit hatte, vom hof wegzubleiben, um an dem Feste teilzunehmen. Allein sie fand sich vor dem Abendessen sehr krank; sie zwang sich es zu verbergen, um Blachfelden nicht übellaunig zu machen, indem sie ihn genötigt hätte, früher aus der Gesellschaft zu gehen, oder die Pferde den Weg zweimal zu machen gehabt hätten. Ihr ältester Bruder fühlte indessen ihren Puls, und riet ihr, den Arzt kommen zu lassen. Es traf gerade die Zeit ein, wo man diesen gewöhnlich bezahlte, und ob sie gleich, um sich Verdruss zu ersparen, diese Ausgabe übernommen hatte, so fehlte ihr doch jetzt an der nötigen Summe eine Pistole, die sie ihren Mann bat ihr vorzuschiessen. Aber Blachfeld behandelte sie sehr hart, und schmollte den ganzen folgenden Morgen, an welchem sich Luise die äusserste Gewalt antat, um sich bis zu ihrer Mutter zu schleppen, bei der sie zum Mittagsessen eingeladen waren. Sie hatte oft und mit dem innigsten Wunsche, es gut zu machen, über die Ursachen ihres traurigen Verhältnisses nachgedacht. Eine ihrer würdigsten Verwandtinnen, die