, sie konnte nicht auf die schwankende Äusserung hin, dass er sie abholen lassen würde, wenn es seine Geschäfte verstatteten, diese Qual ertragen, und beging endlich die Übereilung, mitten in der Nacht einen Wagen zu bestellen, um sich nach ** auf den Weg zu machen. Wie sehr wurde ihre peinliche Lage vermehrt, als ihr unterwegs der Kutscher zurief, dass ein Hofwagen mit sechs Pferden ihnen vorzufahren suchte! Sie bildete sich sogleich ein, dass es ihr Mann wäre, der so spät erst vom schloss abreiste, und bat, aus Furcht von ihm erkannt zu werden, den Kutscher auf das dringendste, seine Pferde anzutreiben. Der Wagen fuhr indessen doch vor, und ihr Herz klopfte von neuem, als sie in demselben die Frau eines andern Mannes, in den Diensten des Fürsten, erkannte, die ihrem Gemahl nach ** folgte. Sie konnte sich nicht entalten, das los dieser Frau mit dem ihrigen zu vergleichen: ihr Mann hatte sich nicht allein während des ganzen Feldzugs von ihr begleiten lassen, sondern kaum war er jetzt zurückgekehrt, und durch seinen Dienst dem Fürsten zu folgen genötigt, so liess er sie mit allen ihren Kindern nach ** kommen. Unter diesen war ein bildschöner Knabe, bei dessen Anblicke Luisen der Gedanke einkam, ob ihr Kind seinem Vater nicht lieber sein möchte, wenn es ein Knabe wäre. Zu so vielen unangenehmen Empfindungen kam noch Reue, über den törichten Befehl den sie ihrem Kutscher gegeben hatte, vorzufahren, welcher ihr in den Augen jener Frau das Ansehen geben konnte, einen elenden Rangstreit gesucht zu haben. Sie kam endlich in dem ungestümsten Wetter nach **, schickte in alle Gastöfe um Nachricht von ihrem mann zu erhalten, und erfuhr, dass er erst den folgenden Tag erwartet würde. Nun fürchtete sie, er möchte von ihrer törichten Fahrt gehört haben, und wollte u m sie zu strafen erst so spät abreisen. Sie fing unter einem Strom von Tränen einen Brief an ihn an, und betete zu Gott, Blachfeld möchte sich nicht weigern ihn zu lesen, als er selbst zu ihr in das Zimmer trat. Sie dankte der Vorsehung, und gelobte nie wieder zu verzweifeln, hörte auch die gerechten Vorwürfe, die Blachfeld ihr über ihre Reise machte, geduldig an. Nachdem er seinen Unwillen ausgelassen hatte, überreichte sie ihm ein kleines Geschenk das sie ihm bestimmt, und Verse die sie in seiner Abwesenheit auf ihn gemacht hatte. Er schien erfreut und überrascht, und rief wie unwillkührlich: "Es ist nicht möglich, geistvoller zu sein!" "Mir ist es nicht gegeben, setzte er schmeichelnd hinzu, die Sprache der Götter zu reden; ich muss mich begnügen, Ihnen als Sterblicher zu danken." Er umarmte sie zärtlich, und erbot sich, mit ihr zu Abend zu speisen. Sie wusste dass er im wirtshaus versprochen war, und zufrieden, sein Herz wieder gewonnen zu haben, wollte sie ihn der Gesellschaft seiner Freunde nicht berauben. Sie blieb mit ihrem kind allein, genoss der glücklichen Aussicht, die sich zu eröffnen schien, und legte sich, der Vorsehung dankend, zum Schlummer nieder. Aber die selige Täuschung dauerte nicht lange: am andern Morgen erhielt das Gefolge Befehl, nach D. zurückzukehren, und dort glückte es bösen Geistern, die ihr unbekannt blieben, das Herz ihres Mannes wieder von ihr abzuwenden. Er blieb noch einige Tage im Gastofe, so sorgfältig Luise ihm auch seine eigne wohnung eingerichtet hatte, und das Vergnügen ihn zu sehen erlangte sie nur, indem sie, so wenig ihre Gesundheit es zuliess, alle Abende die Gesellschaften besuchte, in welchen sie ihn versprochen wusste. Von da brachte er sie nach haus, hatte aber nicht einmal so viel Achtsamkeit für sie, bis vor ihre tür zu fahren, sondern liess den Wagen an der Strassenecke halten, von wo aus sie sein Bedienter weiter brachte. Dieser Mensch war in der Stadt fremd, er verfehlte einmal bei schlechtem Wetter den Rinnstock, fiel mit ihr nieder, und ausserdem dass ihr Anzug, den sie um Blachfelds Geschmack zu schmeicheln ganz weiss gewählt hatte, völlig verdorben war, bekam ihrem ohnehin zerrütteten Körper der Schrecken und die Nässe so übel, dass sie den folgenden Tag krank ward. Blachfeld erkundigte sich nicht einmal nach ihrer Gesundheit, ungeachtet er diesen Unfall eigentlich veranlasst hatte, indem sie, wenn er sich nicht dazu erboten hätte, in dem Wagen ihrer Mutter nach haus gefahren sein würde.
Luisens Geduld und Sanfteit besiegten ihn doch endlich so weit, dass er seine wohnung bezog. Gleich beim Eintritt deutete er Luisen an, dass er um vier Uhr frühstücken wollte. Sie stand um diese Zeit auf, bereitete Tee und Kaffe, und wie er um fünfe noch nicht erschienen war, liess sie ihn wecken, um ihm zu melden, dass das Frühstück bereit wäre. Er antwortete dass er noch nicht frühstücken wollte, und schlief bis sieben fort, da er denn seiner Frau sagen liess, das Frühstück auf sein Zimmer zu schicken; sie gehorchte, und er teilte sein Frühstück mit seinem Bedienten. Luise liess sich noch einmal Kaffe machen, den sie einsam und traurig verzehrte.
Seinen Geschmack im Essen suchte sie umsonst zu erraten; er war jetzt eben so schwer zu befriedigen, als er ehedem einfach und genügsam gewesen war. Die Ausgaben in diesem Stück überstiegen bald ihre Mittel, und sie entschloss sich bei ihren Brüdern zu borgen, auf die Gefahr hin, nach seiner Abreise dann fasten