gebeten hatte, zu ihm zu kommen. Mit tränenden Blicken fragte sie, ob man ihr riete, länger mit einem mann zu leben, der nicht allein sich des grössten Wankelmutes schuldig machte, sondern, nachdem er sie zur Teilnehmerinn seiner bösen Tage gemacht hatte, jetzt, da das Glück ihm lächelte, ihr den rücken wendete, und sie denen, von welchen ihr Schicksal abhing, noch verdächtig zu machen suchte. Ihr ältester Bruder ergriff, von Mitleid über ihr Unglück durchdrungen, ihre hände, bat sie Mut zu fassen, tröstete sie, und flösste ihr hoffnung ein, dass ihre Gegenwart die Wolken in ihres Mannes Gemüt bald zerstreuen würde; und da er sich durch die verschiedenen Data der Briefe überzeugte, dass Blachfelds widersprechende Ansichten von Luisens Reise nur aus ökonomischen Ursachen entständen, schoss er ihr das nötige Reisegeld vor.
Kurz darauf traf die Nachricht ein, dass Blachfeld nächstens zurück kommen würde. Er schrieb es seiner Frau mit einem solchen Ausdruck von böser Laune und Stolz, dass sie einen Augenblick in Versuchung geriet, zu den Verwandten ihres Vaters nach B. zu reisen, um einer Zusammenkunft auszuweichen, die ihr mit so vielem Kummer drohte. Ihre Mutter selbst hatte, in einem Ausbruche von Empfindlichkeit über Blachfelds Betragen, gesagt: bei so vielen Ursachen sich zu grämen, müsste Luise durch eine Reise sich zu zerstreuen suchen, und ihrem mann so weit als immer möglich aus dem Wege gehen. Luise bat sie, ihr für ihre künftige Rechtfertigung diese Äusserung schriftlich zu geben. Madame N. tat es, und gab ihr zwei Zettel, davon der erste die Erklärung entielt, dass wenn ihr Mann ihr je so harte Briefe geschrieben, und sie überhaupt mit so wenig Schonung behandelt hätte, wie Blachfeld ihre Tochter behandelte, sie lieber wie Magd gedient, als länger mit ihm gelebt haben würde. In dem zweiten, gab sie ihren Beifall und ihre Einwilligung zu Luisens Entschluss nach B. zu gehen, wenn Blachfeld sein Betragen gegen sie nicht änderte, Beide Papiere waren: "deine liebende Mutter" unterzeichnet. Die Familie verabredete ausserdem, dass Luise das ihr vorgestreckte Reisegeld nicht zurückzahlen, sondern einstweilen unterbringen sollte, um es auf den Fall, dass sie durch ihres Mannes Aufführung zu einer Trennung gezwungen würde, in Bereitschaft zu haben.
ungeachtet aller dieser Vorkehrungen unterliess Luise nichts, was solche unnütz machen, und ihren Hausfrieden gründen konnte. Blachfelds Wirtschaft war in der besten Ordnung. Er hatte seiner Frau seit drei Jahren erlaubt, sein überflüssiges und zweckloses Gerät zu verkaufen, uw den notwendigen Hausrat dafür anzuschaffen. Dies war jetzt geschehen, und seine wohnung in der Garnison völlig eingerichtet. Die wegen des Einkaufs in die Wittwenkasse gemachte Schuld, und eine andre von 84 Pistolen für einen Wagen, von welcher bei Blachfelds Abreise nichts bezahlt war, waren nun ganz abgetragen. Luise mietete eine artige wohnung in der angenehmsten Gegend der Stadt, nahm eine Köchinn an, und richtete ihre Wirtschaft auf das sorgfältigste ein. Blachfeld hatte seiner Frau geschrieben, dass sein Wäschvorrat bei den zwei Feldzügen völlig aufgebraucht wäre. Da er sich mit einiger Bitterkeit über diesen Mangel beklagte, glaubte Luise, dass ein ansehnliches Geschenk an Leinenzeug ihm, von ihrer Hand, willkommen sein würde. Ihr Kredit war durch die zu wiederholtenmalen bezahlten Schulden ihres Mannes so festgestellt, dass die damalige Erschöpfung ihrer Kasse ihr dabei nicht im Wege stand, indem die Kaufleumit Vergnügen ihre Rechnungen aussenstehen liessen. Sie eilte die Leinwand einzukaufen; arbeitete halbe Nächte, stand des Morgens um vier Uhr auf, und trieb es so weit, dass ihre Gesundheit um so mehr angegriffen wurde, als in den wenigen Stunden die sie ihrer Ruhe gönnte, ihr Kind sie durch Weinen am Schlaf verhinderte. Mit aller ihrer Anstrengung konnte sie doch nicht allein fertig werden, sondern musste einige Näherinnen zu hülfe nehmen. Die Freude, Blachfelden wieder zu sehen, ihm sein Kind vorzustellen, erleichterte ihr jede Last. Sie erwartete ihn mit Unruhe, aber mit wieviel Zärtlichkeit war diese Unruhe vermischt! Wie der Tag seiner Ankunft herbeikam, liess sie an allen Stadttoren fragen, ob er schon herein wäre. Er war schon längst da, aber wenig ungeduldig, seine Frau und sein Kind zu sehen, war er in einem Gastofe abgestiegen, hatte sich angekleidet, und obgleich Luise seit drei Tagen eine Kollation bereit hielt, war er an einen dritten Ort gegangen um Tee zu trinken. Endlich erschien er bei Luisen. – – Möchte dieser Auftritt vor ihrem Gedächtniss, wie vor dem Blicke des Lesers, in tiefe Vergessenheit gehüllt werden können! Jener Blachfeld, dessen Tapferkeit durch Sittlichkeit erhöht wurde, war nicht mehr; mit Verachtung stiess er seine Frau zurück, die zärtlich in seine arme flog. Seine wohnung schien ihm zu ärmlich, zu eng, zu klein, und Luisen hatte er weiter nichts zu sagen, als dass er dem Fürsten auf vierzehn Tage nach ** folgen müsste, dass er nicht wüsste ob sie ihm dahin nachkommen könnte, und dass seine Geschäfte ihm ohnehin nicht erlaubten, um sie zu sein. Wie? Nach andertalb Jahren sollte dieser gütige Fürst fordern –? "Ja! er fordert, und ich gehe." – Er verliess sie wirklich ohne weitere Erklärung: so beleidigend, so hart, so kalt! Nach einer so langen Abwesenheit, beim ersten Wiedersehen, würdigte er die Mutter seines Kindes nicht einmal ihr zu sagen, warum er sie aus seinem Herzen verstiess. Luise konnte diese Ungewissheit nicht aushalten