zu wollen. Ihre Gesundheit litt durch ihre Lebensweise; die ununterbrochene Einsamkeit stürzte sie in ihre alte Schwermut zurück. Aber sie wäre für alle ihre Mühe belohnt gewesen, wenn ihres Mannes Herz ihren heissen Willen ihm zu nutzen erkannt hätte.
Der Chef unter welchem Blachfeld diente, hatte die Grossmut, seinen Offizieren zu erlauben, dass sie ihre Frauen zu sich in die Winterquartiere kommen liessen. Blachfeld war der einzige der diese erlaubnis nicht benutzte. Luisen wäre diese Zerstreuung doch notwendiger gewesen, wie mancher andern. In der Zeit, wo sich Blachfeld um ihre Hand bewarb, hatte er ihr ein reizendes Bild von einem solchen Wiedersehen gemacht, und späterhin forderte er von ihr, dass sie den Umgang mit einer ihrer Bekanntinnen abbrechen sollte, weil diese Frau über die so weit getriebene gefälligkeit der Offiziersweiber, ihren Männern in die Winterquartiere zu folgen, gespottet hätte. Er hatte sich von Luisen bei seiner Abreise ausdrücklich versprechen lassen, ihn in jedem Falle zu besuchen, wenn auch keine andre Frau ihres Standes die Reise machte. jetzt schwieg er von dieser ehemals so gewünschten Zusammenkunft, und Luise hatte wenig Lust, ohne seine Einladung zu ihm zu reisen, so sehr ihre Mutter sie dazu ermunterte. Diese bot ihr an, ihr Kind bei sich zu behalten; allein Luise war eine zu zärtliche Mutter, um es aus ihren Händen zu geben, und die ersten Liebkosungen dieses geliebten Geschöpfes hatten zu viel Reiz für sie, um sie mit einem mann zu teilen, dem Mutter und Kind gleichgültig schienen.
Eines Tages, an welchem wie gewöhnlich tausend traurige Bilder sie beschäftigten, empfing sie einen Brief von Blachfelden, in welchem er von seiner sehnsucht nach dem Frieden sprach, und wie ihn darnach verlange, seinem Heerde wiedergegeben, in der Gesellschaft seiner Frau zu leben, die Liebkosungen seines Kindes, die Freude wissenschaftlicher Beschäftigungen zu geniessen. Luisens Herz richtete sich bei diesen Worten auf, wie eine welke Blume ihr Haupt erhebt, wenn der erquickende Tau sie badet. Sie gründete schon die lachendsten Hofnungen auf diese Gesinnungen, als die übelbedachte Dienstfertigkeit eines Freundes sie in noch bitterern Kummer zurückstiess. Er teilte ihr einen an ihn gerichteten Brief ihres Mannes von demselben Monatstage mit, welcher gerade das Widerspiel der Empfindungen entielt, die er gegen sie äusserte. Er sprach mit Entusiasmus von seinem blutigen Gewerbe, und zog seine ungebundene unstäte Lebensart den süssesien häuslichen Banden vor. Es war Luisens Schicksal, ihr Herz gerade dann von unangenehmen Gefühlen bestürmt zu sehen, wenn sie am wenigsten sie zu bekämpfen fähig war. In dem Augenblicke wo sie sich mit der heitersten Aussicht beschäftigt, wo das Bild ihres geliebten Mannes ihre ganze Seele einnimmt, spricht man ihr von einem Briefe, den man von ihm erhalten hat. Aus Verlangen, zu wissen wie er sich gegen andre ausdrückt, aus Verlangen nach der Freude, noch einmal etwas von ihm zu lesen, fordert sie dessen Mitteilung, und findet darin das Grab ihres kurzen Glückes. Sie tat sich die äusserste Gewalt an, um in Gegenwart eines Zeugen über ihre Gemütsbewegung zu siegen, aber der Schmerz überwältigte sie; ein Strom von Tränen erleichterte ihr Herz. Viele Tage brachte sie in den tiefsten Kummer zu, bis endlich ein neuer Brief ihres Mannes ihr neue Hofnungen einflösste. Er schrieb ihr in den zärtlichsten Ausdrücken, dass er nicht mehr ohne sie zu leben vermöchte, und drang eifrig in sie, beim Schlusse des jetzt wieder angegangenen Feldzugs sogleich zu ihm zu eilen.
Luise vergass alle ihre Leiden, sie überliess sich wieder blindlings der Aussicht einer froheren Zukunft, und die ganze natur lebte vor ihren Blicken auf. Sie glaubte ihres Mannes Herz wieder zu besitzen: nun konnte sie wie ein anderes geschöpf die Wohltaten Gottes, die Freuden der Gesellschaft geniessen. Ihre Mutter, bei welcher sie seit kurzem wieder in der Stadt wohnte, weinte vor Freuden, ihrer Tochter Augen nicht immer von Tränen benetzt, oder von Kummer erloschen zu sehen; ihre Brüder wünschten ihr Glück. Das ganze Haus teilte die Zufriedenheit, ein geschöpf froh zu sehen, von welchem man wusste, wie wenig gute Stunden es genoss.
Blachfeld hatte gelegenheit sich hervor zu tun. Sein Fürst, welcher jede Veranlassung Verdienste zu belohnen mit Eifer ergriff, gab ihm einen vorzüglichen Beweis seines Beifalls. Er benachrichtigte seine Frau von seinem guten Glücke; schrieb aber dabei, dass dieses Geschenk sogleich für höchst nötige Ausgaben aufgegangen wäre, und der Aufentalt in den Winterquartieren so kostbar sein würde, dass er sie bäte, ihre wohnung in einer kleinen nur drei Meilen entfernten Stadt aufzuschlagen. Dieser Vorschlag war von Seiten eines Mannes, welcher den schädlichen Einfluss der Einsamkeit auf Luisens Gemüt kannte, nicht sehr zärtlich. Er hatte selbst vor ihrer Heirat oft gesagt, dass sie ihn auf allen seinen Reisen begleiten sollte, und dass sein ganzes Bestreben dahin gehen würde, ihr nicht Zeit zu ihren schwermütigen Gedanken zu lassen. Luise hatte keinen Verdacht, dass Blachfelds neuer Plan eine andere Ursache, als die Lage der Umstände und ökonomische Rücksichten haben könnte. Sie antwortete ihm ganz einfach, dass sie sich in der erwähnten Landstadt einrichten würde, weil ihr jeder Ort einerlei wäre, sobald er sie ihm nur näher brächte.
Dass Luise in ihrem väterlichen haus nicht mehr so viel galt, als bei Lebzeiten des Herrn N., hat schon mehrmals aus dem Laufe ihrer geschichte abgenommen werden können. Die alte Bemerkung, dass da die Männer herrschen wo Weiber das Regiment führen, und eben so auch umgekehrt, lässt