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und es kostete die grösste Mühe, selbst über die Umstände durch welche sie ihre Pension erhalten hatte, ihn zufrieden zu stellen.

Luisens Mutter riet ihr diesen Zeitpunkt zu benutzen, um ihren Mann zu bitten, dass er ihr zu ihrer künftigen Wirtschaft eine zweite Magd, die ihr bevorstehendes Wochenbett unentbehrlich machte, halten möchte. Diese Forderung brachte Blachfelden von neuem auf; er behauptete, sie mache es wie alle Weiber, welche ihre Forderungen immer höher spannten, je mehr man ihnen zugestände. Ihm schien es, dass eine einzige Magd für die Küche und zur Pflege des Kindes völlig hinreichend wäre, und dass Luise übrigens wie andere Weiber für sich und ihren Mann nähen könnte. Und zu eben der Zeit fand derselbe Mensch, dass ein Brdienter nicht mehr zu seiner Aufwartung und Besorgung der Pferde hinreichte! Luisen fiel in diesem Augenblicke ein Schleier von den Augen, sie sah wogegen sie sich bis jetzt verblendet hatte; sie sah deutlich, dass Blachfeld ein Egoist war. Schon ehemals, in den ersten Wochen ihrer Ehe, als er noch den Tisch bei seiner Schwiegermutter hatte, machte er es ihr einmal zum Vorwurf, dass sie nicht lieber eine Köchinn statt einer Kammerfrau hielte, weil diese sich weigerte früh morgens um drei Uhr aufzustehen, um ihrem Herrn den Kaffe zu machen. Blachfeld hatte damals, da er im Begriff stand zu der Armee zu gehen, nicht weniger als fünf Bediente, die jenen Dienst eben so gut verrichten konnten. Indess warf er ihr vor, dass sie diese Magd besser, als alle ihre Bekannten die ihrigen, bezahlte, und wollte ihren Gründen, dass die ihrige dafür desto mehr arbeitete, und doch nicht für zwei ässe, kein Gehör geben. Luise fing jetzt an zu fürchten, dass der Geiz, dieses alle Lebensfreuden zerstörende, und mit dem Alter immer wachsende Laster, einigen Anteil an ihres Mannes charakter hätte. Was kurz darauf erfolgte, bestätigte sie in dieser traurigen Ahndung. Der Fürst wurde durch notwendige ausserordentliche Ausgaben genötigt, die Auszahlung von Luisens Pension auf einige Zeit zu suspendiren. Ungeachtet des Zustandes, in welchem sich Luise befand, hörte Blachfeld plötzlich auf sie zu besuchen, und fing von neuem an, seiner Schwiegermutter auf eine Art zu schreiben, die sie mit ihrer Tochter hätte entzweien können, wenn sie seine Briefe des Lesens wert gehalten hätte. Sie hätte die Vorsicht aber noch weiter treiben, und ihrer Tochter auch nichts davon sagen sollen; allein ihr Verdruss erbitterte sie bei einer andern gelegenheit so sehr, dass Luisen auch der süsse Traum, in welchen sie sich damals wiegte, durch diese Entdeckung vergiftet wurde. Sie glaubte nämlich, dass Blachfeld bloss darum sie nicht mehr besuchte, und alles Verkehr mit ihr abgebrochen hätte, um ihren Entschluss mit ihm zu leben zu beschleunigen. Sie begab sich zu ihm, und ward übel empfangen; aber ihre Geduld, ihr zärtlicher herzlicher Wunsch ihm zu gefallen, gewannen endlich sein Herz, und schenkten ihr den glücklichsten Zeitpunkt ihrer Ehe und ihres ganzen Lebens.

Er gestand ihr bei dieser neuen Versöhnung, dass ihre romanhafte Forderung bei der Feier ihrer Hochzeit, nur als Freundinn, und nicht als gattin mit ihm zu leben, den ersten Keim von Bitterkeit in ihn gelegt hätte, der, so oft es ihm fehlgeschlagen, sie in ihrem Entschluss wankend zu machen, immer mehr gewachsen wäre. Luise fügte sich jetzt in ein verhältnis, das natur und gesetz ehrwürdig machen, und ward durch ihres Gatten gänzliche Umschaffung dafür belohnt. Sein Haus ward bald sein beständiger und vorgezogener Aufentalt; er trieb seine Sorgfalt für sein Weib so weit, dass er ihr alle Morgen bei ihrem Anzuge half. Von früh bis Abends las er ihr vor, oder beschäftigte sich mit dem Erziehungsplane für sein künftiges Kind. Er gestand damals, dass er Luisen, ungeachtet aller ihrer körperlichen Leiden, nie übellaunig noch mürrisch gesehen hätte. Sie war ausschliessend mit ihrer Pflicht beschäftigt, und ein blick von Blachfelden der ihr Beifall gab, lohnte sie überschwenglich.

Der Ausbruch eines Krieges zerstörte Luisens häusliches Glück. Blachfeld verliess sie, da sie auf dem Punkt stand, Mutter zu werden, ohne Hülfsmittel für die Bedürfnisse ihres Kindbetts; sie klagte nicht. Ihr Mann setzte ihr einen jährlichen Gehalt aus, auf den nemlichen Fuss wie seine andern verheirateten Kriegskameraden; allein hier kam es auf eine ausserordentliche Ausgabe an. Luise dachte darauf ihren Wagen zu verkaufen; da sie aber ihr Mann bat, ihn zu seiner Reise gebrauchen zu dürfen, fehlte ihr auch diese Auskunft. Er nahm endlich mit viel anscheinender Unruhe über ihren Zustand Abschied, und versprach ihre Mutter zu bitten, sie während ihres Kindbettes zu sich zu nehmen. Allein seine neue Laufbahn führte ihn bald auf so viel ehrgeizige Plane, dass seine Gefühle als Gatte und Vater schwiegen, und er die Bitte an Madame N. vergass. Diese gute Frau hatte Luisen zu sich auf ihr Gut eingeladen; und als ihre Tochter ihr in ihren Gesprächen ihre Furcht entdeckte, in der Garnisonstadt nieder zu kommen, wo der Krieg jetzt alle geschickten Wundärzte abgerufen hatte, war sie die erste ihr zu sagen, dass sie schon lange dieselbe Besorgniss gehabt hätte, und sehr wünschte, ihr während dieser Zeit Zimmer in ihrer wohnung in D. einzuräumen. Allein in diesem haus wohnten auch Luisens Brüder; und da sie fürchtete, dass die Anwesenheit einer Kranken ihnen bei ihrer Lebensart zur Last fallen möchte, wagte sie es nicht ihnen diesen Vorschlag zu tun. Sie gab daher