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ihrer Verbindung seinen Sohn vorstellte, umarmte sie ihn mit Tränen, bat ihn sie Mutter zu nennen, und beschwor Blachfelden ihn zu sich zu nehmen. Blachfeld gestand ihr, dass sie durch diese Bitte sein Glück krönte; allein der ausbrechende Krieg zerstörte Luisens Glück, und ihres Gatten gute Vorsätze.

Diese Bilder erneuerten sich jetzt in Luisens Phantasie; sie glaubte nun genug gelitten zu haben, um ihre Schuld zu büssen; sie beschäftigte sich aufs neue mit der Aussicht eines Glückes nach dem Wunsch ihres Herzens. Sie hofte ein Kind zu erziehen, die Dankbarkeit seiner Mutter, die Liebe ihres Gemahls dadurch zu erwerben. Der Wagen kam endlich an; und anstatt Blachfelden zu finden, ward sie von der Wärterinn empfangen, welche, gierig auf ihre Beute, eben so schnell wie der Wagen angelangt war. Man sperrte beide zusammen ein, und diese Furie, welche die Peitsche nie aus der Hand legte, verhinderte Luisen das Zimmer zu verlassen, aus Furcht, dass sie sich gegen die bauern, bei denen sie sehr beliebt war, über sie beschweren möchte, Mit Peitschen-Hieben zwang sie Luisen zu Bette zu gehen, wenn sie lieber gewacht hätte; aufzustehen, wenn sie lieber liegen geblieben wäre. Mit Peitschenhieben nötigte sie diese Furie, zu essen wenn sie keinen Hunger hatte, und ohne Durst zu trinken. Des Nachts musste sie solche an ihrer Seite schnarchen hören, und zitterte dabei vor dem Anbruch des Tages, wo sie aus einer Brandweinflasche neue Kräfte schöpfte, ihre Gefangne zu peinigen. Jeder Schluck den sie tat, machte Luisen erstarren; denn so lange sie nüchtern war, schlug sie nicht. Der Abscheu, welchen Luise unverhohlen gegen sie zeigte, (denn sie hatte nie heucheln, nie sich verstellen gelernt, und verachtete jeden Kunstgriff,) brachte sie nur noch mehr gegen sie auf.

Oft versuchte Luise zu entwischen, aber der arme Vogel zerstiess sich nur den Kopf an den Eisen des Käfigs, ohne seine Freiheit zu finden. Kaum war sie eine Viertelstunde gegen M., wo sie Blachfeld in Garnison glaubte, gegangen, als man sie immer wieder einholte. Wie schlug ihr dann das Herz, wie verdoppelte sie ihre Eile! Aber die Furcht noch mehr wie die Schwäche lähmte ihre Füsse so, dass sie bei jedem Schritte niederfiel. Sie konnte sich nie denken, dass eine andere ursache als Krankheit oder Tod ihren Mann und alle ihre Freunde abhielte sie zu erlösen. Sie betete ganze Nächte lang auf den Knien für ihre Erhaltung, und zog sich durch diese bei ihrer Schwäche höchst peinliche Stellung, einen solchen Geschwulst der Füsse zu, dass es eines Morgens zweier Menschen bedurfte, um sie aufzuheben. Der Gedanke, ihren Mann endlich zu erreichen, gab ihr immer neuen Mut zu entfliehen; und einmal entwischte sie zu dem Pfarrer des Dorfs. Kaum war sie ins Haus getreten, als sie aus Müdigkeit und Mangel an Atem hinsank. Man nahm sie mit Güte auf, liess sie am Ofen sitzen, pflegte sie, bot ihr warmes Bier an. Der Anblick einer versammelten Familie, die friedlich um ihren Ofen her sass, goss Ruhe in Luisens verödeten Geist; die Macht einer guten Behandlung war immer so wirksam in ihr gewesen, dass sie zu sich selbst kam. Sie bat sich auf diese einzige Nacht ein Bette aus, aber die armen Leute waren zu furchtsam, um ihre Bitte zu gewähren. Sie versprachen, sie zu Blachfelden in die Garnison zu bringen, und führten sie unter diesem Vorwande auf das Gut zurück. Luise musssich für bezaubert halten, da sie, trotz alles ihres Bestrebens sich zu entfernen, trotz aller Versprechungen die ihr von allen Seiten gegeben wurden, sich immer wieder in ihr gefängnis zurückgeführt sah. Die Wärterinn, deren Bosheit sie zum Spielwerk diente, fragte sie endlich eines Tages, ob sie Lust hätte zu ihrer Mutter zu gehen? Luise nahm den Vorschlag freudig an: überzeugt, dass wenn es ihr gelänge, ihre Mutter nur noch einmal zu sprechen, sie gewiss nicht mehr von ihr verlassen werden würde. Wie sie in einen Wald kamen, durch welchen ihr Weg sie führte, blieb die Wärterinn stehen, und sagte lachend: "Nun wäre es Zeit wieder nach haus zu gehen" Die Verzweiflung bemächtigte sich des armen Weibes. Entschlossen erklärte sie, dass sie eher sterben würde, als in ihr gefängnis zurückkehren. Sie warf ihre Tyranninn zu Boden, und hätte sie in diesem Augenblicke umbringen können, wenn nicht der Gedanke an die Reue, welche sie dieser Tat wegen ewig verfolgen würde, sie abgehalten hätte. Das Weib überwältigte sie, und bald waren die Dornen und Sträuche um sie her von dem Blute gefärbt, das unter ihren Schlägen von Luisens Schultern floss. Sie musste nun den Rückweg antreten, auf welchem sie bei jedem Schritte vor Schwäche fast niedersank, als ihnen ein Metzger begegnete, der sie im Gehen unterstützte. Luise bot diesem mann fünfhundert Taler in Golde, wenn er sie aus den Händen der Wärterinn befreien wollte; und sie hätte ihr Wort gehalten, wäre sie auch genötiget gewesen, ihren Schmuck und ihre Kleider zu verkaufen: allein der Mensch war so einfältig, diese gelegenheit unbenutzt zu lassen, und brachte sie ohne Umstände nach dem Gute zurück.

Hier nahm eine neue Qual ihren Anfang. Die Wärterinn sagte aus, Luise habe sie umbringen wollen, und rief drei andere Weiber zu hülfe, welche sie mit Stricken banden, und nackend auszogen. Vor Schrekken verlor Luise