für eben so hart zu halten, wie das Metall, das ihre glühende Stirne verletzte. Schrecken und Angst warfen sie in den Zustand zurück, aus welchem sie der Schmerz kaum herausgerissen hatte. Sie ist überzeugt, dass sie damals geheilt worden wäre, wenn Blachfeld den Wagen, so wie sie flehte, einen Augenblick angehalten, und ihr einen Tropfen Milch oder wasser gegeben hätte: Kranke bedürfen auf Reisen mehr Erquickung wie Gesunde; aber leider! verliess sich Blachfeld auf das feile, selbstsüchtige geschöpf, das Luisen bedienen sollte, und wenn der Wagen einen Augenblick anhielt, und Blachfeld in das Wirtshaus ging, verzehrte sie vor Luisens Augen alle Esswaaren, die sich im im Wagen befanden, und schützte eine Verordnung des Arztes vor, ihr wegen ihrer Krankheit weder zu essen noch zu trinken zu geben. Luisens Raserei dauerte endlich ununterbrochen fort: sie glaubte zum Rädern verurteilt zu sein; jeder Pflug, den sie auf dem feld erblickte, schien ihr ein Werkzeug ihrer Hinrichtung, und sie hielt den Postillion für den Henker. Blachfelds unglückliche Härte gegen ihren unendlichen Jammer kam ihr wie der Ausdruck verschlossner Verzweiflung vor; sie bildete sich ein, er sei ihr auf das Rad gefolgt, um sie zu retten; sie flehte ihn an, den Henker nicht länger aufzuhalten, und es nur zuzugeben, dass man sie unter das Rad legte, damit sie endlich der unleidlichen Schmerzen los würde. In andern Augenblikken überredete sie die Hitze, welche ihr Inneres verzehrte, dass sie verurteilt wäre, lebendig gebraten zu werden, und dass Blachfeld sie auf seinem Schooss hielte, um die Flamme von ihr abzuhalten: denn ihre Einbil, dungskraft schmückte ihn immer mit den schönsten Farben aus, und wenn er ihr mit wütendem blick sich ruhig zu halten befahl, schrieb sie seine Heftigkeit den Schmerzen zu, die er um ihrentwillen litt.
Sie langten endlich auf dem Gute ihrer Mutter an. Luisens Bewusstsein kehrte zurück, aber ihre Kräfte waren erschöpft, und ihr Kopf war geschwächt. Sie freute sich, ihre Mutter, ihre Brüder zu sehen; aber sie begrif weder ihr unruhiges Wesen, noch den Eifer, ihr Gläser, Messer, Tassen, und alles, was sie zerbrechen, oder womit sie sich Schaden tun könnte, aus der Hand zu nehmen; noch mehr erschreckten sie die Zeichen und Winke, die man sich unter einander in ihrer Gegenwart gab. Wenn man wüsste, wie empfindlich man mit diesem Betragen die Einbildungskraft eines Kranken verletzt, wie man sein armes Gehirn mit der Bemühung spannt, die Bedeutung dieses geheimnissvollen Wesens zu enträtseln, so würde man vorsichtiger sein. Die Mutter, welche überzeugt war, dass Luisens Krankheit nur die Folge von langwierigem Kummer, und einer zu reizbaren, gekränkten Empfindlichkeit wäre, sagte ihr unaufhörlich: "Nun lass es gut sein, liebes Kind, denke nicht mehr an die Vergangenheit!" und eben dadurch rief sie diese Vergangenheit jedesmal in Luisens geschwächtes Gedächtniss zurück, und vereitelte den einzigen Vorteil ihrer Krankheit, ältere Vorfälle zu vergessen. Ihr Geist war hell genug, um dieses zu fühlen; sie benutzte einen Augenblick, wo sie mit ihrem mann allein war, um ihm knieend für alles, was er an ihr getan hatte, zu danken, ihm ihre innigste Zuneigung zu versichern, und sie erbot sich, ihm in die Garnison zu folgen. Ach! sie hofte, diese Herzenserleichterung sollte sie glücklich machen; sie hofte darin den Lohn ihrer Leiden zu finden; sie wusste nicht, dass ihre traurige Krankheit die Liebe in seinem Herzen vertilgt hatte. Ihn beschäftigte nichts, wie der verfehlte Feldzug, in welchem er sich auszuzeichnen gehoft hatte: und der so eben geschlossne Frieden war ihm schmerzlicher als alles andere. Und dieses war der Mann, der noch vor einigen Monaten seinen Kriegsgefährten selbst gestand, er nähme die Waffen zum erstenmal mit Widerwillen zur Hand, weil sie ihn von seinem weib trennten. Luisen war diese Veränderung neu; sie hatte ihr ganzes Zutrauen, alle ihre hoffnung in ihren Gatten gesetzt; sie hatte die gelegenheit, diese Bitte vorzutragen, mit sehnsucht erwartet. Oft war es ihr unbegreiflich vorgekommen, warum man sie bei dem glühenden Fieber, welches sie alle Nächte verzehrte. der Pflege ihrer Kammerfrau überliesse, die selbst von Müdigkeit und Wachen erschöpft, sich durch harte und üble Laune an ihrer herrschaft rächte. Oft wenn Luise aus Todesangst das Bette verlassen wollte, warf sie dieses Weib mit Gewalt darauf zurück, und verletzte ihren zarten Körper, der von Schmerzen so mitgenommen war, dass eine Falte im Bettuch oder Hemde ihn schon verwundete. Ohne Rücksicht auf Leiden, bei deren Andenken Luise nach sechs Jahren noch schaudert, riss man sie von ihrem brennend heissen Lager, und zwang sie in eine trockne Badwanne zu steigen, der sich sogleich acht Höllengeister näherten, die ihr, so hoch wie sie die arme aufheben konnten, das helle wasser zu Eimern über den Kopf herunter schütteten. Diese Behandlung verursachte der Kranken so rasendes Kopfweh, dass sie dadurch den Verstand dadurch hätte verlieren müssen, wenn er nicht ohnehin längst zerrüttet gewesen wäre. Ein berühmter Arzt sollte, wie man ihr sagte, diese Kurart angegeben haben; aber die barbarische Weise, mit welcher man sich dabei benahm, war gewiss nicht in seiner Vorschrift begriffea. Wenn Luise in das Zimmer trat, wo man ihre Marter zubereitete, und nur um einen Augenblick Aufschub zu ihrer Erholung bat, riss man sie mit eigensinniger Gewalt fort, da sie freiwillig sich gern zu allem