sich nun geliebt. Wie Madame N, diesen Auftritt durch ihren Sohn erfuhr, versprach sie, ihren Schwiegersohn mit offnen Armen aufzunehmen. Sie hatte, wie die meisten betagten Leute, die Grille gebeten sein zu wollen. Blachfeld hätte ihr nachgeben sollen; sein Stolz hielt ihn aber davon ab, und doch ging dieser nämliche Stolz, aus einem sonderbaren Widerspruche, bei ihm nicht so weit, dass er sich zu einer weisen Wirtschaftlichkeit entschlossen hätte, die doch allein unabhängig macht. Er betrieb die Hochzeit mit dem grössten Eifer, und bekümmerte sich dem ungeachtet um manche Dinge so wenig, dass Luise dem Hausgesinde ihrer Mutter, den Armen, dem Geistlichen u.s.w. in seinem Namen die üblichen Geschenke machen musste; kurz, sie erkaufte sich ihren Mann, wie eine alte Kokette ihren Liebhaber erkauft; aber sie hielt Blachfelden jedes Preises wert. Wer ohne Fehler ist, kann keine hervorstehende Tugenden haben. Blachfelds denkart war edel, und er hatte keinen Schatten von Einbildung auf die Vorzüge seiner vornehmen Geburt: er war tapfer ohne Pralerei; er vernachlässigte zwar seine Geschäfte zu sehr, um grossmütig sein zu können, indessen gab er Luisen einen schönen Beweis seiner uneigennützigen denkart: sie gestand ihm nämlich, dass sie sich für eine ziemlich ansehnliche Summe verbürgt hätte, um eine Familie aus einer bedrängten Lage zu reissen, und weit entfernt sie zu tadeln, bezeugte er ihr seinen lebhaften Beifall.
Blachfeld hatte gehört, dass es kein heilsameres Mittel gegen die Hypochondrie gäbe, als das Reisen, und schlug daher seiner Frau gleich nach der Heirat eine Reise in ein Bad, von da zu seinem Vater, und endlich nach Wien vor. Luise wandte ihm die Kosten eines solchen Unternehmens ein; er hatte aber die Delikatesse vorzuschützen, dass seine eigne Gesundheit es erfordere; und wie der Ausbruch des krieges diesen Plan vereitelte, bat er Luisen kniend, in das Bad zu gehen, weil er ohne ihr Vorwissen einen berühmten Arzt zu Rate gezogen habe, der dieses Mittel für Luisen als unentbehrlich ansähe. Er legte sogar vierzig Pistolen in dieser Absicht in die hände seiner Schwiegermutter nieder; Luise gab sie ihm aber zurück, und versicherte lächelnd, dass eine Frau, die nur um des Badens willen das Bad besuchte, dort wenig mehr als anderwärts ausgäbe. Luise bewies dieses bei ihrer Reise: denn sie wandte nur eine kleine Summe darauf, die sie aus ihrem Anteile von dem Verkaufspreise zurückgelassnen Bibliotek ihres Vaters gelöset hatte.
Ein Umstand, der sich noch aus ihrer Kindheit herschrieb, machte ihr diese Reise sehr wünschenswert, und kann ihr einigermassen zur Entschuldigung dienen, dass sie damals die Entschlossenheit nicht hatte, lieber ihren Mann in's Feld zu begleiten. Zur Entschuldigung: denn in ihren Augen rechtfertigt nichts die Selbstsucht, mit welcher sie ihre Gesundheit mehr in Erwägung zog, als ihre Pflichten gegen ihren Mann, und sie sieht alles Unglück, das daraus entstand, als eine wohlverdiente Strafe dieser Selbstsucht an, die sie vorzüglich bewies, als sie Blachfelds nachherige, oft wiederholte Bitten, zu ihm in's Hauptquartier zu kommen, nicht erfüllte. – Luisens Mutter hatte mit vielen andern Müttern die Schwäche gemein, dass sie gern andrer junger Mädchen Talente, Fleiss, Ordnung, Geschmack im Anzuge, auf Kosten ihrer Tochter lobte. So hatte sie eines Tages von dem Kopfputze einer Gespielinn so bezaubert geschienen, dass sich Luise vornahm, ihrer Mutter zu Gefallen, solchen nachzuahmen, und, den folgenden Morgen, der nämlichen Kindermagd, deren böses Gemüt und trauriger Einfluss auf Madame N. zu Anfang dieser geschichte erwähnt ist, anlag, ihr dabei zu helfen. Sie konnte nicht zurecht kommen, und Luise wollte nun allein fertig zu werden suchen. Die Magd fand sich beleidigt, dass das junge Mädchen sich für geschickter hielt als sie, und fing einen Streit darüber an, den sie nachher der Madame N. so falsch hinterbrachte, dass diese Luisen auf das härteste anfuhr. Luise unternahm sich zu rechtfertigen, und brachte dadurch ihre Mutter so auf, dass sie mit einem buch nach ihr warf, welches mit seiner ganzen Schwere auf die eine Seite ihrer Brust fiel, und eine Verhärtung zurück liess, die sich niemals wieder verlor. Während der Zeit, dass Luise mit Blachfelden verlobt war, hatte ein Frauenzimmer aus ihrer Familie das Unglück, einen Krebs an der Brust zu bekommen, und zwar in so einem gefährlichen Grade, dass sie sich der grausamsten Operation unterwerfen musste. Ihr Chirurgus sagte bei der gelegenheit in Luisens Gegenwart, dass wenn diese Dame seinem Rate gefolgt, und zu rechter Zeit nach dem ** Bade gegangen wäre, sie das Unglück vermieden haben würde. Diese Worte vermehrten Luisens Unruhe, die sie bis jetzt aus Schonung gegen ihre Mutter immer unterdrückt hatte, so sehr, dass sie Blachfelden einen teil davon entdeckte, und sich fest vornahm, auf alle Fälle die erste gelegenheit zu einer Reise nach dem Bade zu benutzen. Allein diese Reise hatte eine ganz andere Würkung, als man sich davon versprach; zum teil war ein an sich sehr geringfügiger Vorfall daran Schuld, der sich den Tag vor Luisens Abreise zutrug; zum teil machte sie aus übertriebener Sparsamkeit den ziemlich langen Weg mit so grosser Eile, dass ihre sehr zarte Gesundheit darunter leiden musste. An jenem Tage vor ihrer Abreise war Luise in der Gesellschaft eines der geehrtesten und bekanntesten deutschrn Gelehrten nach *** gereist, um von einer vertrauten Freundinn Abschied zu nehmen. Bei dem Rückwege hatte der Kutscher die