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zu haben; und indess sich Luise das Notwendige versagte, um das Geschenk ihres edlen Gönners nicht anzugreifen, gab Blachfeld auf allen Seiten aus, um es los zu werden. Auf diese Weise sah sich also Luise, statt um tausend Taler reicher zu sein, um sechs Pistolen ärmer als sie war; und zu ihrer häuslichen Einrichtung blieb nichts übrig. Blachfeld nahm indessen zusehends ab, und beteuerte, dass er sich das Leben nehmen würde, wenn ihm Luise nicht vor seiner Abreise ihre Hand am Altar gäbe. Er schwor ihr, dass er nur diese Ceremonie, nur die Sicherheit, dass nichts sie ihm entreissen könnte, fordere; dass er von keinem seiner Rechte Gebrauch machen wollte, bis sie es ihm zugestände. Die Mutter, alle Freunde redeten ihr zu, ihrer Unentschlossenheit ein Ende zu machen, und Luise bestimmte endlich den Hochzeittag, doch erst nachdem sie von ihrem Bräutigam das feierliche Versprechen erhalten hatte, dass sie ein Jahr lang nur als Freunde zusammen leben, und keinen vertrauteren Umgang haben wollten. Luise entdeckte ihrer Mutter dieses geheimnis: denn als ein solches wollte Blachfeld natürlicher Weise einen Vertrag angesehen haben, der ein ausschliessliches Eigentum der Liebe war. Man beschloss, die Hochzeit auf dem Gute der Mutter zu feiern, wo das junge Ehepaar auch, bis zu Blachfelds Abreise nach der Armee, bleiben sollte. Diese Einrichtung schlug wenigstens der Bräutigam vor, um Anstalten auszuweichen, denen sein Beutel gar nicht gewachsen war. Den Zustand seiner Finanzen hatte er aber um so weniger Lust seiner künftigen Schwiegermutter zu entdecken, als er, bei gelegenheit der Schwierigkeiten, die sie seiner Bewerbung um ihre Tochter entgegen setzte, versichert hatte, er brauche kein Vermögen, und sei zu sehr Mann von Ehre, um eine Frau zu nehmen, ohne für ihren Unterhalt sorgen zu können. Seitdem er das Geschenk des gütigen Fürsten, auf das er Anfangs freiwillig Verzicht tat, in weniger als acht Tagen zu seinem Gebrauch verwandt hatte, fürchtete er sich mit seiner Schwiegermutter allein zu sein, und brauchte Luisen zur Mittelsperson, so oft er ein Anliegen bei ihr hatte. Dieses Verfahren zog dem armen Mädchen manchen Verdruss zu. Eines Tages, kurz vor der anberaumten Hochzeitsfeier, wie sich die Familie allein befand, machte die Mutter die Bemerkung, dass es Schade sei, die schönen Frühlingstage nicht auf dem Gute zuzubringen; dass sie ihr auch gewiss nicht so ungenützt verfliessen sollten, wenn nicht die Verbindlichkeit, Blachfelden in der Kost zu haben, im Wege stünde. Luise litt schmerzlich bei diesen Worten, und antwortete, sie sei bereit ihr dahin zu folgen, da Blachfeld um so weniger etwas dagegen haben könnte, als er nach der Hochzeit selbst dort zu wohnen gedächte, Die Mutter erwiderte: dies wäre eben die Ursache, warum sie auf das Vergnügen dort zu leben Verzicht tun müsste; ihr Garten sollte nicht von einem Trupp unnützer Reitknechte verwüstet werden; Blachfelds Abreise zur Armee sei nicht festgesetzt, und er könnte ihr den ganzen Sommer auf dem Halse liegen. Luisens Brüder stimmten den Gründen der Mutter bei, und bewiesen, dass die Einrichtung des Guts nicht erlaube, Fremde zu beherbergen, und dass ein Mann, der sich verheiratete, sein eigen Haus einrichten müsse, damit seine Schwäger die Freude haben könnten, zu sagen: Ich gehe zu meiner Frau Schwester! In diesem allen war schon Bitterkeit genug für Luisen; allein die Mutter führte noch, in Gegenwart der jungen Leute, Blachfelds schonendes gütiges Versprechen gegen seine hypochondrische irrende Braut, als einen Bewegungsgrund für diese an, sich nach der Hochzeit von ihm zu trennen, und ihm nur von Zeit zu Zeit Besuche auf dem Gute zu verstatten. Luise fühlte das Unschickliche dieser Äusserung; sie fürchtete Blachfelds unbändige Hitze, die bei der Entdeckung dieses Auftritts notwendig auflodern würde; es fiel ihr ein, dass sie, die bei der Wahl eines Gemahls sich dem Geschmacke ihrer Familie unterworfen hatte, keine bitterern Sorgen zu gewarten gehabt haben würde, wenn sie der stimme ihres Herzens Gehör gegeben hätte, Die gute Mutter war in einer übeln Stimmung, und häufte alles Unangenehme auf das schwache Mädchen, das dem Unmut endlich unterlag, und das Unglück hatte, der Mutter auf eine Weise zu antworten, die einem kind nie geziemt. Dieser traurige Auftritt ward der Gesundheit Beider nachteilig; er durchdrang Luisens Hetz mit einer so nagenden Reue, dass sie Blachfelden in der nächsten Stunde von der Veranlassung des Streits unterrichtete, und erklärte, sie habe ihre teure Mutter aus Liebe zu ihm beleidigt; und um sich zu strafen, wolle sie sich auf immer von ihm trennen. Blachfeld erblasste, wie er sie unerschütterlich sah, und beteuerte gegen ihren ältesten Bruder, dass er, wenn sie bei diesem Entschluss beharrte, den Dienst verlassen, und auf ewig aus seinem vaterland scheiden würde. Heinrich, dieser älteste Bruder, hatte vielen Einfluss auf seine Schwester, und gebrauchte ihn jetzt geschickt genug, um nach und nach ihre Gewissensbisse wegen des Fehltritts gegen ihre Mutter zu besänftigen, und Blachfelds Wiederaufnahme zu bewerkstelligen. Blachfeld schloss sie entzückt in seine arme; und indem Tränen seine männlichen Wangen benetzten, rief er: "Geliebter Engel, was brauchst Du Geld und Gut! Ich will Dich auf meinen Armen über das wasser und durch das Feuer tragen; meine hände sollen Dich ernähren; ich will im Schweisse meines Angesichts für Dich arbeiten, und werde glücklich sein, wenn ich Dich nur mein nenne!" Luise war innigst gerührt, denn sie glaubte