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, so lange er wohnung, Bedienung und Tisch bei ihrer Mutter hatte, wenn er von derselben Pension Frau und Kinder ernähren sollte, noch weniger auskommen würde. Luise stellte ihm dieses mit vieler Sanfteit vor, und bat um einen Aufschub der Heirat, bis zu einer Vermehrung seiner Einnahme. Allein bei der ersten Erwähnung eines Aufschubs ward Blachfeld wütend; er stiess sich mit dem kopf gegen die Mauer, und warf endlich Blut aus. Er war Luisen nicht mehr ganz gleichgültig; und ob sie gleich vorher sah, dass sein Mangel an Ordnung, seine üble Wirtschaft, seine Unkunde in allen Geschäften, sie und ihre Kinder in die grausamste Verlegenheit setzen dürften, ärgerte sie sich doch über ihre gute Mutter, so oft sie die geringste Anmerkung darüber machte. Sie wünschte, dass man ihn für vollkommen halten, oder wenigstens nicht in ihrer Gegenwart von den Fehlern eines Mannes reden möchte, dem sie Ehrfurcht und Gehorsam zu versprechen im Begrif stand. Sie liebte seine Uneigennützigkeit, sein Nichtachten des Geldes; allein sie hätte es gern gesehen, dass er dadurch nicht in den Fall gekommen wäre, von weniger uneigennützigen Leuten missbraucht zu werden. Ein Mensch, der ohne Vermögen zu besitzen, sich wie ein steinreicher Mann meublirt hatte, ward nach einigen Jahren seine Torheit gewahr; seine Meublen, die nun aus der Mode gekommen waren, versprachen ihm wenig Entschädigung dafür, dass er sein halbes Vermögen hineingesteckt hatte, und er warf seine Augen auf Blachfelden, um einigermassen wieder zu seinem Gelde zu kommen; er lockte ihn in sein Haus, und erbot sich ihm, aus blosser Freundschaft, alle seine alten Meublen um den Kaufpreiss zu überlassen. Blachfeld, der nie das väterliche Haus bewohnt hatte, sondern auf einer Schule erzogen, und sodann von einer Garnison in die andre versetzt, kein andres Bett als eine Pritsche, und kein andres Hausgerät kannte, als einen hölzernen Tisch und einen Feldstuhl, bemerkte nicht, dass man ihm einen Handel vorschlug, bei welchem er sein baares Geld gegen geschmacklose Trödelwaaren austauschte, unter denen kein einziges taugliches, und in einer neuen Wirtschaft wirklich notwendiges Stück befindlich war. Dass er Luisen versprochen hatte, in allem auf eine edle Einfalt zu sehen, die ihrem Geschmacke so wie ihrer Lage angemessen war, ward rein vergessen; und ohne sie zu Rate zu ziehen, da er ihr doch tausendmal zugesagt hatte, ihr alle Hauseinrichtungen zu überlassen, indem er seine Unfähigkeit in diesen Geschäften eingestand, wurde der Handel, zwischen einem Schlaukopf und einem Menschen, der alle altväterische Arglosigkeit von des Landpfarrers von Wakefield Sohne, Moses, besass, bei einer Flasche Wein geschlossen. Der Verkäufer sah wohl voraus, dass die Braut über diesen verderblichen hässlichen Handel sehr unzufrieden sein würde, und forderte also von Blachfelden sein Offizierswort, das er heilig zu halten den Ruf hatte, und Blachfeld gab es, ohne daran zu denken, dass er keinen Taler zum Bezahlen hatte. Dieser Umstand machte dem Verkäufer wenig Sorgen; er war sicher, dass Luise alles bezahlen würde, so sehr es sie auch kränken möchte. Luise stellte ihrem Bräutigam vor, dass ein Augenblick, wo sie aus Mangel an dem Notdürftigsten sich nicht verheiraten könnten, sehr wenig dazu gemacht wäre, um lauter überflüssiger Dinge willen Schulden zu machen: denn unter dem ganzen Ankaufe war kein rechtlicher Stuhl, kein Schrank, kein Tisch, ausser Spiel- oder Marmortischen, da Luise einen bequemen Grossvaterstuhl, einen grossen Teetisch, ein Ruhebett für Kranke lieber wie alles dieses gehabt hätte. Alles was zur patriarchalischen Einfalt zurückführte war ihr Geschmack, und diesen hatte sie auch bei ihrem Bräutigam zu finden gehoft. Blachfeld ward wütend, warf seinen Hut auf den Boden, trat ihn mit Füssen, und beging tausend solche Dinge, welche Luisen überzeugten, dass man ihr in Ansehung seines Ungestüms die Wahrheit gesagt hatte. Nun war aber an kein Zurücktreten mehr zu denken, und ausserdem war, neben allen seinen Fehlern, etwas Grosses in seinem charakter, das ihr gefiel. Luise versprach auf ihren Namen Geld zu borgen; denn Blachfeld hatte, wie alle Menschen ohne Vermögen, ungeachtet seiner allgemein anerkannten Redlichkeit, auch keinen Kredit.

Der Fürst, in dessen Diensten Luisens Vater stand, hatte diesem bei seinen Lebzeiten versprochen, für seiner Tochter Mitgift zu sorgen: dem zufolge schickte er ihr tausend Taler, denen ein Brief an Blachfeld beigefügt war, in welchem er ihm sagte, dass er, ohne in die nähere Beschaffenheit seiner Lage einzugehen, diese Summe zu seiner Hochzeitseier bestimmt hätte. Blachfeld verstand die gütige Meinung des Fürsten sehr wohl: und zu edel um ein Gut, das ihm nicht beschieden war, an sich zu reissen, überliess er Luisen diese Summe zu ihrer Aussteuer, und behielt sich nur sechs Pistolen zu einem Kleide vor. Luise war von diesem Betragen so gerührt, dass sie die sechs Pistolen von ihrem, nach Abzahlung ihrer Schuld übrig gebliebenen Spargelde nahm, indem sie die tausend Taler in einer öffentlichen Kasse niederlegen wollte, um bei vorfallenden Gelegenheiten einen Notpfennig in Vorrat zu haben. Diese Freude sollte ihr aber nicht werden: denn am folgenden Morgen kam Blachfeld, und bat sie um die Hälfte der Summe, zur Lösung seines wegen der Meublen gegebenen Ehrenworts, und den Tag darauf forderte er die andre Hälfte, zum Ankaufe seines Feldgeräts, indem von Kriegszurüstungen die Rede wäre. In so einem Falle sorgt der Landesherr für das Feldgerät: allein es war eine von Blachfelds Sonderbarkeiten, einen Abscheu gegen ausstehende Kapitalien