erbettelte keine günstige Antwort, ob er gleich äusserte, wie sehr ihn das Gegenteil betrüben würde; er begnügte sich mit der Bitte, Luise möchte sich nicht übereilen, ihm alle hoffnung zu nehmen. Sie ward gerührt, und die Unterhaltung endigte hier.
Luise wusste dass ihre Mutter keiner Kleidung gewogener war, als dem Anzuge der Bäuerinnen in der Gegend von B., aus welcher Luise zurückkam. Da sie mit Freuden alles ergriff, was sie in ihrer Mutter Augen liebenswürdig machte, so hatte sie sich eine vollständige Kleidung dieser Art machen lassen, um sie darin zu überraschen. Blachfeld bat um erlaubnis, Zeuge dieser Zusammenkunft zu sein. Da Luisens Brüder, welche ihr bis M..., Blachfelds Garnison und dem Wohnort ihrer Freundin, entgegen gekommen waren, diesen Tag bei ihm gespeist hatten, schien ihr eine abschlägige Antwort unanständig: sie fuhren also alle zusammen nach D., welches nur wenige Stunden entfernt war. Der Beweis von Herzlichkeit, welchen Luise in der Ungeduld ihrer Brüder, ihr bis nach M... entgegen zu kommen, zu finden glaubte, die nahe Aussicht ihre Mutter wieder zu sehen, entzückten sie im höchsten Grade. Sie hatte keine lebhaftere Besorgniss, als die, nicht geliebt zu sein; alles was dieser Furcht zu widersprechen schien, gab ihr die seligste Empfindung. Man liess den Wagen einige Schritte vom haus halten, damit die Mutter alle Freude der Überraschung genösse; sie erkannte Luisen nicht, und schien von ihrer Verkleidung, die ihr an ihrer Tochter auffiel, auf eine unangenehme Weise befremdet. Luise hatte ihren Anzug und ihre Rolle vergessen; sie stürzte zu ihrer Mutter Füssen, und war zu gerührt, um ein Wort hervorzubringen. Madame N. war sehr erfreut ihre Tochter wieder zu sehen, aber eine so heftige Rührung war ihr völlig unverständlich; sie rief unmutig aus: "Immer dieselbe!" – Blachfeld hob Luisen auf, und rief: O, sie verliert nichts dabei, dass sie immer dieselbe bleibt; und wer sie versteht, muss sie anbeten! Luisen schmeichelten diese Worte weniger, als ihrer Mutter Missfallen ihr weh tat, und sie eilte sich anders anzukleiden. Wie sie zurück kam, fand sie ihren ältesten Bruder, der ihr nicht hatte entgegen kommen können. An seinem Halse durfte sie das Gefühl das sie fast erstickte, auslassen, und sie weinte nicht allein; weit entfernt ihre Empfindung zu verspotten, drückte er sie schluchzend an sein Herz. Dieser Augenblick ausgewechselten Gefühls war der glücklichste in Luisens Leben. Das Wiedersehen einiger anderer Freunde gab ihr den folgenden Tag noch ein paar süsse Momente, und der ganze Tag verfloss auf eine angenehme Art. Aber ihre Verwandten waren versammelt, und sie bemerkte sehr bald, dass Blachfeld unter allen diesen Menschen eine demütigende Rolle spielte. Ein jeder schien von seiner Absicht unterrichtet zu sein, und sich zu bemühen, ihn durch Achtungsbezeugungen dafür zu trösten, dass man so wenig hoffnung für ihn hegte. Luise sagte sich, dass sie ihn nicht hätte sollen nach D. kommen lassen, wäre sie wirklich entschlossen gewesen, ihm den Abschied zu geben: ob sie es gleich nicht zu verhindern gewusst hatte, so war es ihr doch nun auch unmöglich zurück zu treten; und so viel ward ihr wenigstens sehr klar, dass es sich für ihren künftigen Gatten nicht ziemte, vor den Augen ihrer ganzen Familie die Rolle des unglücklichen Liebhabers zu spielen. Sie war zu offen um Liebe vorzugeben, wo sie ihren Herzen fremd war; indem sie abrr öffentlich erklärte, dass sie ihn zu ihrem Gemahle wählte, sagte sie deutlich genug, dass sie ihn seinem ganzen Geschlechte vorzöge, und dieses war die einzige Möglichkeit, Blachfelden die Gesellschaft ihrer Familie angenehm zu machen. Das sicherste Mittel, seine achtung und Dankbarkeit selbst alsdann noch zu fesseln. wenn seine Liebe verraucht sein würde, schien sie darin zu finden, wenn sie seine Resignation, sich Jahre hindurch mit ungewisser hoffnung zu befriedigen, auch keinen Tag lang missbrauchte. Sie erklärte ihm also noch denselben Abend, dass sie einen Entschluss gefasst hätte. Anfangs verstand er sie nicht, und warf sich zu ihren Füssen, um den Aufschub seines Endurteils zu erbitten. Ein anderes Mädchen hätte vielleicht in der Unruhe ihres Liebhabers einen Genuss gefunden: Luise warf es sich vor, sie veranlasst zu haben, und eilte sich ihm verständlich zu machen. Sie setzte nur die einzige Bedingung, dass er nach dem Ableben seines Vaters, seine Schwestern, im Falle sie dann noch ledig wären, nicht in sein Haus nehmen, sondern sich begnügen sollte, ihnen eine Pension zu geben. Luise hatte viele glückliche Ehen durch die Klatschereien alter Jungfern stören sehen; und wenn ihr Herz sie gleich antrieb ihre Schwägerinnen bei sich aufzunehmen, sd verbot es ihr die Klugheit doch um so viel mehr, als die Denkart und Lebensweise dieser Frauenzimmer ihr gänzlich unbekannt war. Blachfeld versprach es unverzüglich, und setzte hinzu, dass seine Einwilligung gar kein Verdienst wäre, weil er, selbst wenn er sich nicht verheiratet hätte, nie Willens gewesen wäre, mit seinen Schwestern zu leben. Luise hatte nun einen Glücklichen gemacht; sie war aber weit entfernt es selbst zu sein. Einen seligen Augenblick hatte sie, indem sie ihrer Mutter Segen empfing; die Freude welche in ihren Augen blitzte, war wohl fähig ihr, für alles was sie getan hatte, zu lohnen. Sie fürchtete unaufhörlich den redlichen Blachfeld zu betrügen. Nie glaubte sie ihm genug von den