bewies jetzt die Vortrefflichkeit der Lehren ihrer Mutter. Sie weinte; allein ruhig war ihr Schmerz, und aufrichtig bekämpfte sie ihn, ob sie gleich ihre Mutter anbetete. Nur Wallenheim fiel in eine düstre Schwermut; nichts konnte ihn aus derselben reissen. Meine Freunde, sprach er, ihr Alle kennt nicht die Grösse meines Verlustes! Was Elisa mir war, kann nur ich empfinden. Nur ich sah sie in jedem Augenblicke ihres Lebens, und fand sie immer gross! Nur ich weiss, wie fest sie an jedem Guten und an ihren Pflichten hieng, wie unablässig sie bemühet war, Glück um sich zu verbreiten, und besonders mich glücklich zu machen! Sie schuf in mir Gefühle, mein Weib machte mich zum Menschen! Sie lehrte mich die Güter des Lebens kennen und geniessen! In ihren Kindern hat sie ihre Tugenden fortgepflanzt, sie können glücklich werden, wie sie war. Nur ich bleibe einsam zurück, – ich lebte nur durch sie, meine Gefühle sterben mit ihr! –
Und Lebenslang trauerte Wallenheim um sein Weib.
Lange beweinte sie Birkenstein, weil sie bis zu ihrem tod der Inbegriff seiner wärmsten, seiner innigsten Empfindungen gewesen war. Aber länger dauerte das Gute, welches Elisa gewirkt hatte. Sie hatte in den niedrigen Klassen viele Menschen besser, und folglich glücklicher gemacht. Sie hatte durch ihr Beispiel viele Weiber über ihre Pflichten aufgeklärt, und sie zur Nachahmung angereizt. Sie hatte durch die vortreffliche Erziehung, welche sie Henrietten gab, ihre Tugenden in ihr erblich gemacht, welche diese fortzupflanzen sich bestrebte, und so, wie ihre Mutter, Glück um sich verbreitete. Lange blieb ihr Andenken unvergesslich, und ihr Name Antrieb zur Tugend. Und Elisa zeigte allen Weibern, dass des Weibes schönster Ruhm T u g e n d sei, und dass durch sie das Weib in jeder Sphäre Gutes wirken, und selbst Generationen beglücken kann.
Fussnoten
1 über die Einwürfe, die man mir wegen dieser Stelle gemacht hat, habe ich mich in der Verrede erklärt.