dahin. Immer noch beschäftiget, Gutes zu tun, und nützlich zu sein, in der Mitte aller derer, welche sie liebte, und von welchen sie angebetet wurde, genoss Elisa eines Glücks, welches ihr doppelt süss war, da es nicht das Werk des Zufalls war, sondern sie es sich durch Tugend errungen hatte, und Tugend ihr den Genuss erhöhete. –
Jetzt hatte Heinrich sein zwei und zwanzigstes Jahr erreicht; er eilte nach Felsingburg. Henriette errötete, als sie ihn jetzt wieder sah. Elisa lächelte, und der Hochzeittag wurde festgesetzt. Auch Carl war nach Wallental gekommen, und Alles atmete Freude. Da wurde Elisa krank, und nach drei Tagen erklärte der Arzt, dass die Symptomen der Krankheit gefährlich wären, und dass er ihre Wiederherstellung bezweifelte. Schrecken verbreitete sich auf allen Gesichtern. Felsing, seine gattin, Heinrich, Birkenstein blieben Tag und Nacht in Wallental, und alle verliessen kaum auf einen Augenblick Elisa's Bette. Elisa war ruhig, ohne Furcht fühlte sie die Abnahme ihrer Kräfte. Zwar füllten sich ihre Augen mit Tränen, wenn sie alle ihre Lieben um ihr Bette sah, welche sie nun bald verlassen würde; allein auch jetzt noch blieb sie standhaft, und bekämpfte ihren Schmerz. Der Tod, sprach sie zu ihren Freunden, wird mir nur schwer, weil ich euch verlassen muss. Um die Zukunft bin ich unbekümmert. Zwar habe ich keine Gewissheit über die Unsterblichkeit unserer Seele; allein ich habe immer geglaubt, dass etwas in uns ist, welches fortdauert. auch wenn die jetzige Organisation unsers Wesens aufhört. Doch dem sei wie ihm wolle, sterben ist ewiges Gesetz der natur! Ich dachte mir oft die Zerstörung meines Wesens, und ich bin dazu bereit.1 Ich habe mein Leben nicht unnütz zugebracht, ich habe zum Glücke einiger meiner Mitbrüder beigetragen, ich habe mich stets bestrebt, meine Pflichten zu erfüllen, und dieses macht jetzt meine Beruhigung, meine Freude. Mein künftiges Schicksal sei welches es wolle, ich sterbe mit dem Bewusstsein, dass ich mitwirkte, die Summe des Guten zu vermehren, und meine Bestimmung als Mensch erfüllte, Und dieses Bewusstsein? O, meine Freunde! es gibt ein unaussprechlich süsses Gefühl, welches selbst die Annäherung des Todes nicht zerstört, und über dessen Schrecken uns siegen lässt! Die Trennung von Euch ist jetzt der einzige Schmerz, den ich empfinde und euer Gram um meinen Verlust, meine einzige Bekümmerniss! Doch, meine Freunde! euch bleibt noch immer viel zum frohen Genusse des Lebens, wenn ich auch nicht mehr unter euch wandle! Seid stark, und überwindet euern Schmerz! Mein Wallenheim, die Liebe deiner Kinder wird dir meinen Verlust ersetzen! Carl, Henriette, ich machte es zur Hauptbeschäftigung meines Lebens, an euers Vaters Glücke zu arbeiten, euch übertrage ich dieses nun! Es ist die letzte Bitte eurer Mutter! Tröstet euern Vater! Ersetzt ihm meine Sorgfalt, meine Liebe für ihn! O, meine guten Kinder! Ich sehe es, ihr werdet es tun, und ich sterbe freudiger! Komm her, meine Henriette, komm her, mein Carl! (hier füllten sich ihre Augen mit Tränen, sie umarmte Beide.) O, ihr waret meinem Herzen so teuer! Doch auch euch kann ich ruhig verlassen! Ich kann nichts mehr zu eurem Glücke beitragen; ihr allein habt es jetzt in euern Händen; ihr kennt die Mittel dazu, wendet sie an, meine Kinder, und süsser Friede wird immer in euern Herzen wohnen! Dich erwarten nun bald neue Pflichten, neue süsse Empfindungen, meine Henriette! Ich sehe dich schon im geist in den Armen deines Gatten, und dann darfst du meinem Andenken nur die ruhigen Tränen der Wehmut widmen! Keine anderen Tränen, meine Freunde, müssen auf mein Grab fallen! Kommen Sie auch hierher, Heinrich! Sie sind edel, ich bin unbesorgt um meiner Tochter Glück! Und du, Henriette, du wirst ihre Mutter, ersetze ihr meine mütterliche Sorgfalt! Und nun Dank Ihnen Allen, meine Freunde, die Sie mein Leben versüssten! Henriette, Birkenstein, Felsing, Ihre Freundschaft erhob mein Leben zum höchsten Gipfel der Wonne, und meine letzten Empfindungen sind Dank und Liebe gegen Sie! –
Elisa reichte einem Jeden nach der Reihe die Hand; ein holdseliges Lächeln begleitete ihre letzten Worte; man ehrte ihre Ruhe, und ein Jeder verbarg im inneren seines Herzens den Schmerz über den Verlust des holdseligsten Weibes.
Jetzt, am rand des Grabes schon, war Elisa doch noch beschäfftiget, Gutes zu wirken, selbst nach ihrem tod noch. Sie vermachte eine Summe für die Stiftungen der Kinder und Greise in Wallental, welche von den Zinsen derselben, auf eben die Art wie bisher, unterhalten werden sollten, und trug Henrietten die Aufsicht über dieselben auf. Die Greise, die Kinder aus dem Erziehungshause, die Einwohner Wallentals, viele der Unglücklichen, welchen sie geholfen hatte, Alle kamen auf das Schloss, und wollten noch einmal ihre Wohltäterinn sehen. Elisa sprach mit ihnen, dankte ihnen für ihre Liebe, und zeigte ihnen, dass Tugend, auch in den letzten schrecklichen Augenblicken, nicht aufhöre, glücklich zu sein. So entschlief sie, unter den Segnungen derer, die sie umgaben, ruhig und sanft, wie sie stets im Leben gewesen war, und ihre Miene war noch nach ihrem tod der Ausdruck des sanften Friedens, der bis zu ihrem letzten Atemzuge in ihrem Herzen gewohnt hatte.
Henriette