seine Schuld abzubüssen.
Ein ganz anderes Betragen hatte der junge Felsing; er war seit vier Jahren vom väterlichen haus entfernt, und seit einem Jahre auf der Universität in G ...; jetzt war er während der Ferien nach Felsingburg gekommen, und wollte zwei Monate dort bleiben. Seine Bildung war angenehm, und in seinem äussern Anstande vereinigte er mit dem Feuer der Jugend sanften Ernst. Mit Eifer und Fleiss ergab er sich den Studien, und diese Neigung entfernte ihn von Ausschweifungen. Mit trefflichen Anlagen war er auf der Schule unter die Aufsicht eines geschickten Mannes gekommen, welcher seiner Seele eine edle Bildung gab, und seine Leidenschaften auf das Schöne und Erhabene lenkte, und Heinrich von Felsing war ein Jüngling, von dem man erwarten konnte, dass er als Mann die schönsten Früchte tragen würde. Erst seit zwei Tagen war er in Felsingburg, und die ihn zärtlich liebende Henriette, welche glaubte, dass Elisa in Wallental zurück sein würde, wollte mit ihr ihre Freude über ihn teilen, und darum fand Elisa sie dort bei ihrer Ankunft. Heinrich gewann schon am ersten Abend Elisa's achtung; er war bescheiden, und doch nicht blöde; wenn er sprach, so geschahe es nie in einem entscheidenden Tone. Sein Scherz war witzig und fein, und seine Urteile der schlichten Vernunft gemäss; zuvorkommend war er gegen Carln; er bemerkte, dass er traurig war, und suchte ihn zu zerstreuen. Carl, dessen Herz durch die Stimmung, in welcher er heute war, mehr als sonst noch, jedem Eindrucke offen war, gewann den jungen Felsing lieb, und bald wurden Heinrich und Carl vertraute Freunde. Elisa sah diese Freundschaft gern; sie glaubte, dass Carl durch die Unterhaltung seines Freundes zum Guten geneigter werden würde; sie selbst sprach mit Heinrichen über diesen Gegenstand, und bat ihn, Carln das Gute in einem Lichte vorzustellen, welches ihn es lieben mache; allein sie glaubte, dass jede Mühe, welche sie bis jetzt zu seiner Besserung angewandt hatte, vergeblich sein würde, wenn sie ihn nicht Liebe zur Beschäftigung einflösste, und in ihm Gefühl für das wahre Schöne erregte. Sie fing also an, ihm den Geschmack zum Lesen einzuflössen; dann bildete sie seine Begriffe, erweiterte sie, machte ihn empfänglich für jede Naturscene. Hatte Carl einen fröhlichen Tag in der Gesellschaft seiner älteren und seines Freundes durchlebt, so machte ihn Elisa darauf aufmerksam, liess ihn seine jetzigen Gefühle mit seinen vorigen vergleichen, und Carl fand sich jetzt glücklicher. Fast täglich veranstaltete sie ein neues ländliches Vergnügen, wo Scherz und Freude herrschten, um Carln den Genuss der einfachen Freuden der natur annehmlich zu machen; und wenn er dann zuweilen im Kreise munterer Jünglinge und Mädchen war, und froher Scherz von eines Jeden Lippe floss, und sie auf dem Rasen mit jugendlichen Spielen und Tänzen die Stunden hinweg gaukelten, dann liess sie ihn in das Zimmer kommen, setzte ihn an einen L'Hombre- oder Pharotisch; allein der Glanz des Goldes konnte Carln nicht mehr den Reiz des Vergnügens ersetzen. Oft blickte er mit Verlangen nach dem Fenster, wenn er draussen das fröhliche Jauchzen und lachen seiner Gesellschafter hörte, und das Spiel wurde ihm zuwider, weil er ihm manche vergnügte Stunde aufopfern musste. In allem diesem arbeitete Elisa gemeinschaftlich mit dem jungen Felsing. Es schien nicht, als hätte sie die Absicht, Carln zu bessern; er hörte von ihr keine Vorwürfe mehr; keine langweiligen Ermahnungen scheuchten ihn aus der Gesellschaft seiner Mutter; nein, an der hand der Freundschaft leitete ihn Elisa auf den Weg, auf welchem sie wünschte, dass er fortgehen sollte; nur zuweilen liess sie ihn, in Absicht ihrer, die Folgen seiner Schuld empfinden. Es traf sich einigemahl, dass er bei ihr war, und dass ein Unglücklicher, welche alle wussten, dass sie in Wallental Unterstützung zu erwarten hatten, Elisa'n um eine Gabe ansprach; dann wendete sich Elisa weg, ging fort, und Carl sah eine Träne in ihrem Auge. Dieses war ein Dolchstich für ihn. Einen Strom von Tränen vergoss er dann, und war sein Freund Felsing gegenwärtig, so warf er sich in seine arme, machte sich Vorwürfe, und Felsing ergriff diese gelegenheit, jeden Vorsatz zum Guten in ihm zu befestigen. Es blieb Elisa'n nun noch übrig, so viel als möglich zu verhüten, dass Carl nicht wieder unter seine vorigen Gesellschafter geriete. Sie schrieb also an den General des Regiments, bei welchem Carl war, um ihn zu bitten, dass er ihn nach einer andern Garnison versetzen möchte, und dieser bewilligte ihr Verlangen. Elisa war nun ruhig in Absicht ihres Sohns. Es waren beinahe zwei Monate verflossen, seitdem Carl in Wallental war, und viel hatte die Bildung seines Herzens und seines Verstandes in dieser Zeit gewonnen. Seine Grundsätze waren fester, seine Begriffe von den wahren Gütern des Lebens richtiger, und die Gewohnheit war in ihm entstanden, in seinen Handlungen den Gesetzen der Vernunft zu folgen. Elisa konnte also hoffen, dass Leidenschaften ihn nicht mehr zu solchen grossen Fehlern hinreissen würden; allein dass sie ganz ihre Macht über ihn verlieren würden, dieses erwartete sie nicht, weil sie den Menschen kannte, und nicht vergass, was doch so viele älteren tun, dass ihr Sohn nur ein zwanzigjähriger Jüngling war, und dass Weisheit in diesem Alter noch nicht ausgeübt, nur erst erlernt werden muss.
Doch fast eben so sehr als Carl beschäfftigte ietzt Henriette