l e n h . Schweig! es ist meine Mutter!
Nun wurde die Bestürzung unter Carls Gesellschaftern allgemein; alle schwiegen.
E l i s a . (nähert sich ihm einige Schritte.) Carl, und du heissest mich nicht einmal willkommen?
C a r l . (bedeckt sein Gesicht mit seinen Händen.) O! meine Mutter!
E l i s a . Carl! wenn die kindliche Liebe nicht in dir spricht, so spricht doch die mütterliche Liebe desto lauter in meinem Herzen! Komm in meine arme, ich habe dich in so langer Zeit nicht gesehen.
C a r l . (stürzt sich schluchzend in Elisa's arme.) O, meine Mutter! darf ich Sie umarmen?
E l i s a . Bist du denn mein Sohn nicht mehr? Carl! lass mir die Hoffnung, dass der Knabe, den ich unter meinem Herzen trug, nicht ganz aufhören kann, mein Sohn zu sein!
C a r l . Meine Mutter! Was kann ich Ihnen sagen? Ich kann mich nicht rechtfertigen, alles spricht hier gegen mich.
E l i s a . Lass diese Zeugen deiner Handlungen in der Zukunft aufhören, und ich werde sie vergessen!
C a r l . Ach, Mutter! ich fühle es, ich muss ein schlechter Mensch sein, dass ich solch ein Wüstling wurde, und solche vortreffliche Mutter habe!
E l i s a . Genug, mein Sohn, von dem Vergangenen. Lass mich hoffen, dass du dich in der Zukunft meiner Leitung überlassen wirst, und ich werde auch durch dich eine glückliche Mutter werden.
C a r l . Mutter, wenn der Eindruck Ihrer Güte nicht fest in meiner Seele haftete, so müsste ich jede Empfindung verlieren, und aufhören ein Mensch zu sein!
E l i s a . (hebt Carln auf, und umarmt ihn.) Dank dir, mein Carl, für die süssen Hoffnungen, mit welchen du mich belebest. O, wenn du weise und gut sein wirst, dann, dann drücke ich dich noch mit mehrerm Entzücken an mein Herz, als am Tage deiner Geburt!
Carl weinte am Halse seiner Mutter. Carl, sagte endlich Elisa, du vergissest deine Gesellschafter.
Carl wurde verwirrt; er kehrte zum Spieltische zurück, um welchen Alle noch versammelt standen: Meine Freunde, sprach er, ihr müsst mich heute verlassen. Verzeiht, dass meiner Mutter Ankunft mir nicht länger erlaubt, mit euch zu sein!
Aber unser Geld, Wallenheim? flüsterten ihm Einige leise zu.
C a r l . Ich werde es euch zustellen! jetzt habe ich es nicht.
B a r o n v o n T . . . (Der wildeste von Carls Gesellschaftern.) O, deine Mutter wird dich zum Heiligen machen, und dann wirst du eine Spielschuld nicht bezahlen, gieb sie nur lieber gleich!
C a r l . Aber T..., ich habe sie nicht!
B. v. T... Na, Bruder, dann komme ich morgen früh wieder: denn länger warte ich nicht!
E l i s a . (hat indess ihre Uhr abgemacht, und reicht sie dem B. von. T...) Mein Herr, diese Uhr wird den Wert der Summe ausmachen, welche mein Sohn Ihnen schuldig ist!
C a r l . O, meine Mutter!
B a r o n v o n T . . . (verwirrt.) Ich kann warten, meine gnädige Frau!
E l i s a . einmal muss die Schuld doch bezahlt werden.
C a r l . Aber, liebe Mutter, Ihre Uhr!
E l i s a . Ich bin nicht reich, Carl!
C a r l , (schlägt sich verzweiflungsvoll vor die Stirn.) O, ich Elender!
E l i s a . (zum Baron von T...) Ich bitte Sie, mein Herr, nehmen Sie die Uhr! Mir bleibt kein anderes Mittel, meines Sohnes Schuld abzutragen.
B a r o n v o n T . . . (nimmt die Uhr gerührt.)
Alle entfernten sich, indem sie sich ehrerbietig gegen Elisa'n verneigten. Die beiden Freudenmädchen blieben. Mit frecher Geberde stellten sie sich an ein Fenster, und sprachen zusammen. Elisa tat, als bemerkte sie sie nicht, und Carls Verwirrung stieg immer höher; endlich nähert er sich ihnen: Wollen Sie mich nicht auch jetzt verlassen? sprach er.
Nach erhaltener Bezahlung, Herr von Wallenheim, war Beider Antwort.
C a r l . Aber, Mädchen, ihr seid ja noch für diese Nacht frei. Warum sollte ich euch bezahlen, da ich euch nicht von weiterm Verdienste abhalte?
D i e E i n e . Herr von Wallenheim, wir kamen unter der Bedingung, dass Sie jeder von uns fünf Louisd'or geben würden. Sie wissen, wir gehen nicht zu einem jeden.
C a r l . Aber, Mädchen, ich habe euch nicht gebraucht!
D i e A n d e r e . (laut lachend.) Darum bleiben wir auch hier, um uns unser Geld noch zu verdienen.
D i e E r s t e . Und genug, Herr von Wallenheim, wir geben nicht ohne Bezahlung.
C a r l . (hitzig.) O, der unverschämten