einem dieser Besuche war es, wo Herrmann und Elisa sich zuerst sahen; sie war mit ihrer Freundinn, ihrer Gewohnheit nach, nach Birkenstein gegangen; beim Eingange des Dorfs erblickten sie eine Schaar junger Bäuerinnen, ländlich geschmückt, und Blumenkränze tragend. Der Zug ging nach dem Wohnhause der Frau von Birkenstein. Was bedeutet das? ruft Elisa den jungen Mädchen zu. O, rufen Alle, heute ist der Geburtstag unserer guten Mutter, unserer gnädigsten Gebieterinn; sie tut uns so viel Gutes, wir wollen ihr zeigen, dass wir sie auch lieben; aber wir können ihr nichts als Blumen bringen!
E l i s a . Und Eure Dankbarkeit und Eure Liebe? Nicht so?
D i e M ä d c h e n . O gewiss! gewiss!
E l i s a . Nun, gute Mädchen, das ist ein köstliches Geschenk, und sie wird gewiss sich dessen freuen. Aber, wollt Ihr uns wohl mitnehmen?
D i e M ä d c h e n . Herzlich gern! Sie lieben ja auch unsere gute Mutter.
E l i s a . Komm, Henriette, lass uns ihr auch Blumenkränze bringen!
Schnell riss Elisa den Hut vom kopf, bekränzte ihr Haar mit Blumen, gürtete ihr Kleid auf, und erhielt von den guterzigen Landmädchen den schönsten Blumenkranz. Henriette folgte ihrem Beispiele, und nun führten Beide den Zug an. Schon in der Ferne erblickte Elisa Frau von Birkenstein, welche vor ihrem haus unter dem Schatten einer Linde sass. Elisa verdoppelt ihre Schritte; ihr warmes Gefühl für Tugend lässt sie mit Entzücken das Schauspiel geniessen, welches die Liebe und Dankbarkeit dieser guten Landleute gegen ihre Wohltäterinn ihr darbietet. O, natur! ruft sie aus, in deinem Schosse gibt es noch gute Menschen! Diese freudige Empfindung erhöhte das Rot ihrer Wangen. Sie hatte sich nun der Frau von Birkenstein genähert, voller Rührung wirft sie sich ihr in die arme. Liebe Mutter! ruft sie aus, unsere Herzen huldigen Ihnen heute, sein Sie uns noch lange das Beispiel der Tugend und Güte.
Alles drängte sich nun um Frau von Birkenstein, ein Jeder wollte ihre Hand, ihren Rock ergreifen; man legte die Blumen zu ihren Füssen, man küsste den Saum ihres Kleides. Mit freudigem Wohlwollen blickte sie auf die guten Geschöpfe. Ich danke Euch, meine Lieben, sprach sie mit sanftem Tone, ich werde mich bemühen, Eure Liebe zu verdienen. O, gnädigste Frau, beste Gebieterinn! rufen Alle wie aus Einem mund, wie können wir Ihnen vergelten.... Genug, genug, fällt Frau von Birkenstein ein, wir wollen uns immer gegenseitig lieben, gegenseitig dienen. – Elisa hing noch immer an ihren Blicken, und bemerkte nicht Herrmann, der neben seiner Mutter stand. Aber seine Blicke waren unverändert auf sie geheftet; er sah nicht die freudige Menge, welche um seine Mutter sich versammelte, nicht die mit Blumen geschmückten Mädchen; er sah nur Elisa, hörte noch immer ihre sanfte stimme, als sie schon längst nicht mehr sprach. Stärker hatte ihm sein Herz geschlagen, als sie die Frau von Birkenstein Mutter nannte, und gerne wäre er neben ihr an den Busen der Mutter gesunken. Schon waren die ersten Ausbrüche des Danks und der Freude gemindert, als erst Elisa Herrmann erblickte. War es Bestürzung, hier so unvermutet einen jungen Mann zu sehen? war es Verwirrung, weil ihre Blicke den seinigen begegneten? Kurz, Elisa schlug die Augen nieder, und errötete. Doch bald blickt sie ihn wieder an, und findet, dass er schön ist. Noch nie hatte sie bei einem mann diese Anmerkung gemacht; aber Herrmanns Auge war so voll Geist, das Feuer desselben schien so durch Güte und Menschlichkeit gemildert zu sein, es war eine so sanfte Rührung in seinen Blicken, dass die ihrigen mit Wohlgefallen auf ihm verweilten. (Sie wendet sich zu Henrietten.) Wer mag der junge Mann dort sein?
H e n r . Ich habe ihn schon lange bemerkt; seine Bescheidenheit, glaube ich, erlaubt ihm nicht, sich näher mit uns bekannt zu machen.
E l i s a . Ich sah noch nie so interessante Züge, als die seinigen.
H e n r . (Lächelnd.) Auch noch nie würdigtest Du einen Mann so vieler Aufmerksamkeit.
Hier wurden sie von Frau von Birkenstein unterbrochen, welche ihnen Herrmann als ihren Sohn vorstellte. Er überraschte mich gestern, sprach sie; es sind nun fünf Jahre, dass ich ihn nicht gesehen habe; urteilen Sie, wie gross meine Freude war!
Herrmann und Elisa begrüssten sich mit Verwirrung. Kommen Sie aus B...? fragte sie ihn endlich mit bewegter stimme. Ja, mein fräulein, war seine ganze Antwort, und nun hatte die Unterredung ein Ende. Ich weiss nicht, Herrmann, hub Frau von Birkenstein an, wie du mit einemmale geworden bist? Du warest noch vor wenigen Augenblicken so heiter, aufgelegt, und nun bist Du still, kopfhängerisch.
H e r r m . Liebe Mutter, Ueberraschung, Freude über diesen Tag, der Sie werden liess, um mich durch die beste Mutter zu beglücken. O, hätte ich nicht empfinden sollen, da hier alles empfand, nicht zehnfach diese Empfindungen der Liebe und Dankbarkeit hegen sollen? – Mit Inbrunst drückte er hier seiner Mutter Hand an seine Lippen; ein Lächeln mütterlicher Zärtlichkeit war ihre Antwort. Tief wurde