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hier strahlst Du in Deinem wahren Glanze, erhaben und einfach! Hier sollte eine Welt niederfallen, und Dich verehren!

Herrmann hatte Elisa's Hand auf diesem Wege öfter und inniger gedrückt; eine Träne hatte er aus seinem Auge getrocknet, als sie sich bei den Greisen befanden! Elisa's Güte und zärtliche Sorgfalt für sie, der Greise Dank, Liebe und tiefe Verehrung gegen sie, ihre emporgehobenen Blicke und hände, um für Elisa'n den Segen des himmels herabzuflehen, war für Herrmann ein rührender Auftritt gewesen, und schweigend ging er an Elisa's Seite zurück.

Elisa hatte ihm gesagt, dass Henriette unweit von Wallental wohne, und er beschloss, sie zu besuchen. Nach geendigter Mittagsmahlzeit, nahm Herrmann von Wallenheim und seiner gattin Abschied. Er schloss Elisa'n in seine arme, und fühlte eine Träne seine Wangen hinabrollen, und sah auch die Ihrige in ihrem seelenvollen Auge; fest drückte er den jungen Herrmann an seine Brust, der zu ihm sagte, Lieber, fremder Mann, besuche uns doch bald wieder! Herrmann lächelte, küsste ihn noch einmal, und eilte hinaus. Wallenheim begleitete ihn, Herrmann umarmte ihn noch einmal. Ich scheide doch als Ihr Freund von Ihnen?

W a l l e n h . (drückt ihm die Hand.) Ja, Birkenstein, mein Weib ist zu tugendhaft, Sie zu edel, als dass Ihr Besuch Besorgnisse in mir erweckt hätte, Ich habe Sie kennen gelernt, und liebe Sie.

B i r k . Ich danke Ihnen, Wallenheim, für dieses edle Vertrauen! Nie werde ich es missbrauchen, ich fühle mich stark genug, den Anblick Ihres Weibes zu ertragen, und dochnur in vielen Jahren sehen wir uns wieder!

Nun schwang er sich auf sein Pferd, und eilte fort. Elisa sah ihm nach, und trocknete ihre Augen. Herrmann erblickte bald den Turm von Felsingburg; er liess sich bei Henrietten melden. Birkenstein? fragte sie staunend, und schon sah sie ihn den Hof heraufkommen. Sie ging ihm entgegen: Staunen und Freude, Sie zu sehen, Birkenstein, machen mich fast unfähig, Sie zu begrüssen!

B i r k . (Küsst ihr die Hand.) Welch ein süsses Vergnügen ist mir dieses, mir schmeicheln zu können, dass ich noch unter die Zahl Ihrer Freunde gehöre?

H e n r . (Lächelnd.) Sie trauen also der Abwesenheit nicht viel?

B i r k . So nicht, gnädige Frau! Bei Gott, ich fühle es, es gibt Verbindungen, welche durch nichts geschwächt werden, und so war auch die Unsrige!

(Jetzt begleitete Birkenstein Henrietten in ihr Zimmer, Felsing war abwesend; doch erwartete ihn Henriette am Abend.)

B i r k . (Nach einer Pause.) Ich komme von Wallental!

H e n r . O, hätte ich doch dem ersten Augenblicke Ihres Wiedersehens mit Elisa'n beiwohnen können!

B i r k . Wir freueten uns Beide, unsere Beider Herzen schlugen heftiger. O gnädige Frau, Jünglingsfeuer rollt nicht mehr in meinen Adern; allein wärmer schied ich doch von ihr, als ich bei meiner Ankunft war.

H e n r . Sie lieben sie noch?

B i r k . Ueberzeugt, dass ich nur warme, innige Freundschaft für sie empfand, kam ich nach Wallental. Ihr Anblick rufte in mir die Scenen der Vergangenheit zurück, ich umarmte meine vorige Geliebte; aber dieser Name konnte nur auf einen Augenblick mein Herz erschüttern, ich war gewohnt, sie mir als Wallenheims gattin zu denken; allein Elisa'n sehen, ihre Tugenden bewundern, sie geliebt zu haben, und nur ihr Freund bleibennein, Henriette, das vermag ich noch nicht! Welche sanfte gefälligkeit hat sie gegen ihren Gatten, wie geflissen war sie, durch ihr Betragen ihm jeden Verdacht gegen sich und mich zu benehmen! Ihr Lächeln, jede ihrer Mienen spricht ihm Liebe, und doch mir so zugetan, so unverstellt, so offen in ihrem Betragen gegen mich. Indem sie nur jedes Verlangen ihres Gatten aus seinen Augen zu lesen schien, um diesem zuvorzukommen, indem sie uns auf die angenehmste Art unterhielt, wendete sie doch eine beständige Aufmerksamkeit auf ihre Kinder; Keins ihrer Worte entging ihnen, und ich sah, dass Elisa in keinem Augenblicke aufhörte, ihre Erzieherinn zu sein. Und welche Ordnung herrscht in ihrem haus! Früh am andern Morgen hatte sie schon ihr Hauswesen bestellt, und ich fand sie angekleidet. Allein, wenn Elisa in dem Zirkel ihrer Familie bewunderungswürdig ist, wie vielmehr ist sie es nicht, wenn man sie als Wohltäterinn ihrer Gegend betrachtet; wenn man ihr in das Erziehungshaus und in das Pflegehaus der Greise folgt; wenn man mit den Bauern in Wallental spricht, welche sich glücklich preisen, und bei denen man mehr gesunde Vernunft antrift, als in dieser klasse bei den Einwohnern einer ganzen Provinz zusammengenommen. O könnte ich doch ihr ganzes Geschlecht nach Wallental rufen, ihnen Elisa'n zeigen, wie wirklich gross und erhaben sie durch ihre Tugenden ist! – Weiber! ihr wollt Alle glänzen! Möchtet ihr doch Alle die Mittel erwählen, durch welche Elisa das Erste der Weiber wurde! Wahrlich! wenn schon Silberlocken eure Stirne zierten, würden wir euch doch noch Dank, Verehrung und Liebe zollen!

H e n r . Und Sie sahen sie nur einen Tag, Birkenstein? Wenn man ihr