Misstrauen, mein Herr! Es ist wahr, ich liebte sonst Ihre gattin; allein meine Liebe zu Ihr entfernte mich von Ihr. Ich kehre jetzt zurück, weil Verehrung Ihrer Tugenden das einzige Gefühl ist, welches ich jetzt für Sie hege, und indem ich nach Wallental kam, wollte ich nicht minder mich um Ihre Freundschaft bewerben, als Ihre gattin um die Ihrige bitten.
W a l l e n h . Ich sehe es, dass solch ein Mann von meiner gattin geliebt werden musste.
E l i s a . (umarmt Wallenheim.) Lassen Sie uns doch vom Vergangenen nicht mehr reden. Birkenstein, Wallenheim, Sie sind mir Beide teuer, und dieses muss Sie vereinigen, dieses muss Sie zu Freunden machen.
B i r k . (reicht Wallenheim die Hand.) Wollen wir nicht den Willen derjenigen erfüllen, die wir Beide verehren?
W a l l e n h . (umarmt Birkenstein.) Der Freund meiner Elisa kann nicht anders als auch der Meinige sein! –
Birkenstein wollte nun Wallenheim und seine gattin verlassen, aber Beide baten ihn in Wallental die Nacht zu bleiben, und er willigte ein. Sie setzten sich zum Abendessen. Elisa war heiter wie immer, sie suchte alles, was die Vergangenheit hätte zurückrufen können, zu vermeiden; ihre Unbefangenheit, ihr munterer Scherz hob jede Verlegenheit zwischen ihrem Gatten und Birkenstein auf; indess war doch Wallenheim ernst, und auf Herrmanns Zügen lag eine sanfte Rührung verbreitet. Seine Blicke folgten jeder Bewegung Elisa's, und oft entfuhr ihm ein Seufzer, wenn er ihre liebevolle Aufmerksamkeit für ihren Gatten, ihre zärtliche Sorgfalt für ihre Kinder sah. Unter vertraulichen Gesprächen blieben sie spät bis in die Nacht zusammen. Wallenheim begleitete Birkenstein in sein Zimmer. Elisa blieb gedankenvoll, als sie das ihrige verlassen hatten. Endlich fühlte sie eine Träne ihre Wangen hinabrollen. Gott! rief sie aus, hätte mich dieses Wiedersehen zu tief gerührt? Wäre ich noch nicht stark genug in der Tugend, um dem Zauber der Liebe zu widerstehen? O, ich muss mich prüfen! Ich muss den Empfindungen dieses Tages nachspüren! So hätte mich denn nur Abwesenheit vor einem Vergehen bewahrt? So wäre sie denn jetzt noch nötig, jetzt, da ich Wallenheim liebe? – (Nach einer Pause, im erhabensten Tone.) Nein, Herrmann könnte an jedem Tage mir zur Seite sein, ich würde mich bewachen, so wie heute würde ich an jedem Abend mein Herz befragen, und dann wäre es unmöglich, dass eine wärmere Empfindung als Freundschaft sich darein einschliche. Wahr ist es, Herrmann ist mir sehr teuer; aber an der Seite meines Gatten fürchte ich ihn nicht! Ich empfand heute keine Unruhe, ich empfand ja Freude, sie beisammen zu sehen – O, dieser Freude will ich mich überlassen; denn ich fühle es, sie ist unschuldig! – Aber Wallenheim war heute unruhig – O, ich muss gehen, ihn zu beruhigen!
Elisa fand ihren Gatten im tiefen Nachdenken; sie flog an seinen Hals. Mein Wallenheim, Birkensteins Besuch hat doch Ihre Ruhe nicht gestört? Gewiss, er würde sich dieses vorwerfen, wenn er es glauben könnte, und mich würde der Gedanke schmerzen! Ja, wenn ich auch einst Birkenstein liebte, so fühle ich doch jetzt zu gut, dass ich Ihre gattin bin, und er mir nur Freund ist!
W a l l e n h . (drückt Elisa'n an seine Brust.) Bestes, edles Weib! Dieser Mann ist ganz Ihrer Liebe würdig!
E l i s a . Ja, Wallenheim, er ist edel, und ich schätze ihn, ich liebe ihn als den teuersten meiner Freunde. Aber jene Liebe unserer Jugendjahre – (lächelnd.) o, die ist längst erloschen, und wird nicht wieder angefacht!
W a l l e n h . Es war nicht dieses, was ich fürchtete. Der einzige Gedanke, der mich beunruhigte, war dieser, dass Sie vielleicht aufs neue bereuen könnten ....
E l i s a . (scherzhaft.) O, weg mit diesen Grillen! Ich stelle mich sonst morgen verliebt in Birkenstein; denn gestraft müssten Sie doch für diesen Gedanken werden.
W a l l e n h . Er hat also keine Wirklichkeit?
E l i s a . (mit Ernst.) Sehen Sie mich an, Wallenheim! Lesen Sie je Unwahrheiten in diesen Blicken?
W a l l e n h . Nein!
E l i s a . Nun dann, wenn diese Augen nie Ihnen logen, so werden sie die Wahrheit meiner Worte bestätigen: dass noch nicht der entfernteste Gedanke von dem, was Sie besorgten, in mir aufgestiegen war.
W a l l e n h . (umarmt Elisa'n mit Herzlichkeit.) Nun, meine Elisa, bin ich Deinem Birkenstein noch einmal so gut! –
In der Tat empfieng Wallenheim am andern Morgen Birkenstein mit einer weit offenern und heiterern Miene, als er am vorigen Tage gehabt hatte. Elisa war hierüber sehr vergnügt, und empfieng Birkenstein mit noch mehrerer Herzlichkeit. Wallenheim wollte seiner gattin beweisen, wie entfernt er von jeder Eifersucht sei, und verliess sie und Herrmann bald nach dem Frühstücke. Einige Stunden flohen ihnen nun in traulicher Unterhaltung, in welchen Beide sich glücklich fühlten. Birkenstein sagte endlich Elisa, Unschuld gibt doch jeder Empfindung Wert! O, wenn wir