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Träne in seinem Auge glänzt.) Ihr Tod ruft mich zurück.

E l i s a . (Mit Rührung.) Sie ist tot? – O, würdige Frau! Möchtest Du doch noch jenseits des Grabes diese Empfindungen kindlicher Liebe erblicken können, welche für Dich mein Herz so warm, so innig hegte!

B i r k . Dank Ihnen, Elisa, für diese Tränen, wel

che Sie dem Andenken der bessten Mutter weihn.

Mit stiller Wehmut gingen Herrmann und Elisa,

Hand in Hand den Hof herauf, bis an die Stelle, wo Elisa gesessen hatte. Elisa fühlte, dass ihre Lage in der jetzigen Stimmung ihrer Seele gefährlich war; sie unterbrach das Schweigen, welches so empfindungsvoll war.

E l i s a . Birkenstein, werden sie nun wieder Ihr

Vaterland verlassen?

B i r k . Meine guten Bauern in Birkenstein glau

ben, durch nichts über den Verlust meiner Mutter getröstet werden zu können, als wenn ich bei ihnen wohne. Sie haben die ersten Ansprüche auf meine Beschützung, auf meine Sorgfalt, und ich darf sie ihnen nicht versagen.

E l i s a . Sie sind gewohnt, glückliche zu machen,

Sie werden in dieser edlen Bemühung fortfahren!

B i r k . Bisher erfüllte ich nur meine Pflichten; dem

staat, der mich unterhielt, war ich meine Dienste schuldig, und um seine Wohlfart zu befördern, suchte ich seine Einwohner der Armut zu entreissen.

In diesem Augenblicke kam Henriette zu ihrer Mut

ter gelaufen; sie stutzte, als sie einen Fremden erblickte.

B i r k . Ihre Tochter, Elisa? O, lassen Sie mich sie

an mein Herz drücken! (Er umarmt Henrietten; nach einer Pause.) nennen noch mehr solcher holdseligen Geschöpfe Sie Mutter?

E l i s a . Ich habe noch zwei Söhne, der Aelteste ist nicht in unserm haus, der zweite, v. Birkenstein, das ist ein lieber Knabe!

Sie erblickte ihn in der Ferne, und rief ihm zu: Herrmann, Herrmann, komm her! und errötete, als sie diesen Namen aussprach. Birkenstein bemerkte es; er freuete sich, dass sie ihrem Sohne den Namen gegeben hatte, von dem er glauben konnte, dass er einst ihr teuer war; seine Blicke sagten ihr dieses, und ihre Verwirrung stieg höher. Endlich kam Herrmann angelaufen. Als er Birkenstein sah, sagte er zu Elisa'n: Liebe Mutter, diesen Mann habe ich noch nicht bei uns gesehen?

E l i s a . Es ist ein alter Bekannter von mir, Herrmann, der bisher weit von hier gewesen ist.

H e r r m . (reicht Birkenstein mit naiver Guterzigkeit die Hand.) Wenn sie ein Freund meiner Mutter sind, so bin ich Ihnen auch gut!

B i r k . (schliesst ihn in seine arme.) Liebenswürdiger Knabe! Sei immer so offen wie jetzt! – O, Elisa! Diese Kinder sagen mir, Sie werden eine glückliche Mutter werden.

E l i s a . (gerührt.) Es ist das einzige, was ich von der gütigen Vorsicht erbitte; jede ihrer Fügungen sind mir willkommen, mögen meine Kinder nur gut und glücklich werden! Es ist mein Bestreben, dass sie das Erste werden, ich weiss, dass man das Zweite dann ist.

Die Kinder haben sich indess entfernt; Herrmann ergreift Elisa's Hand: Gefühlvolles Weib! Und wie erhaben in jedem Deiner Gefühle! O, dieser Knabe! Er ist der Abdruck Deiner Seele, seine Züge sind so edel, und doch so sanft das Feuer, das in seinen Augen glühet.

E l i s a . Herrmann, kein so feuriges Lob, ich bin jetzt gattin.

B i r k . O, ich verehre diesen Titel in Ihnen! – Und, meine Elisa, doch auch eine glückliche gattin?

E l i s a . (Mit Ernst.) Ja, Birkenstein, Wallenheim liebt mich.

B i r k . Elisa, ich wollte Sie nicht beleidigen! leidenschaft lodert nicht mehr in mir; allein warme, innige Freundschaft, diese erlauben Sie mir doch, für Sie zu fühlen?

E l i s a . (reicht ihm lächelnd die Hand.) O, nie hörte ich auf, diese für Sie zu hegen! Ich hätte nicht einmal den Gedanken ertragen können, dass ich Ihnen gleichgültig geworden wäre! O, Birkenstein, zu einer höhern Empfindung, als die brausende leidenschaft des Jünglings ist, können wir uns erheben! Freundschaft, uneigennützige Freundschaft und wahre Hochachtung wird und soll uns vereinigen.

B i r k . (lässt seinen Kopf auf ihre Hand sinken.) Diese Versicherung fehlte mir noch zu meinem Glückke; nun bleibt mir kein Wunsch mehr übrig.

(Jetzt sah Elisa Wallenheim kommen, sie stand auf, und ging ihm mit Herrmann entgegen.)

E l i s a . Lieber Wallenheim, ich stelle Ihnen hier den Herrn von Birkenstein vor, einen Mann, den ich freudig willkommen hiess, weil ich ihm schon seit vielen Jahren den Titel eines Freundes erteilte, den er, hoffe ich, auch von Ihnen erhalten wird?

W a l l e n h . (verlegen und kalt.) Ich freue mich, mein Herr, die Ehre zu haben, Ihre Bekanntschaft zu machen.

B i r k . (offen, und mit edlem Anstande.) Verbannen Sie jedes