süsser machen; mit ihnen geniessen wir die Annehmlichkeiten der natur. Alles ist Genuss für eine zufriedne Seele. Ein ländliches Mahl auf dem grünen Rasen, an der Seite unserer Freunde, von unsern Kindern umringt, wird ein fest für uns sein. Unsere Spatziergänge, mein Wallenheim, werden Ihnen süss werden, wenn Sie erst ein lebhafteres Gefühl für die natur haben werden! Die Freude soll uns immer begleiten, ich werde dafür sorgen, sie bei uns zu erhalten. Abwechslung soll in unsern Beschäftigungen, in unsern Vergnügungen sein, und so können wir der Langeweile Trotz bieten. Eine Reihe zufriedener, im Genusse der Freundschaft und der Liebe durchlebter Tage, wird unser Leben nun sein – (Sie ergreift Wallenheims Hand.) O, mein Wallenheim! diese Aussicht ist nicht so trübe!
Aus Wallenheims Augen stürzten Tränen, er umarmte mit Heftigkeit seine gattin: Elisa! Elisa! Der Mann, der sie verdient hätte, wäre der glücklichste Sterbliche gewesen! Nach diesen Worten flohe er aus dem Zimmer.
Elisa eilte nun, den Zustand von Wallenheims Vermögen zu untersuchen; alle Gläubiger mussten sich melden, und Elisa fand, dass ihr ganzes Vermögen zur Bezahlung der Schuld erfordert wurde. Sie gab es hin, ohne Klagen, ohne Murren; sie vermied es, mit Wallenheim über seine Angelegenheiten zu sprechen, und nachdem sie in Richtigkeit gebracht waren, ging sie zu ihm, brachte ihm alle Papiere, welche sie hierüber hatte, und gab sie ihm mit den Worten: Wallental bleibt uns. – Wallenheim antwortete nicht, er umarmte seine gattin, und benetzte sie mit seinen Tränen. Schon seit einiger Zeit hatte Wallenheim den Dienst verlassen, und seinen Abschied genommen, um unabhängiger zu sein. Er konnte also B.... verlassen. – Dieses geschahe bald. Nicht ganz gleichgültig verliess Elisa B..., sie musste dem Umgange einiger Personen entsagen, welche ihr teuer waren. Zwar hatte sie ungern in der grossen Welt gelebt; allein kleine Gesellschaften einiger von ihr gewählten Freunde, deren sie öfters gehabt hatte, in der Zeit, dass Wallenheim Rosalien liebte; Schauspiele und Musik hatten ihr manches Vergnügen gewährt. Sie fürchtete nicht die Langeweile, allein sie liebte die Unterhaltungen des Geistes, und sie wusste, dass bei einem beständigen Aufentalte auf dem land, und bei ihrer eingeschränkten Lage, man deren viele entbehren muss. Indess verbarg sie ihre Empfindungen vor ihrem Gatten, und war nur aufmerksam, ihn zu erheitern, und zu zerstreuen.
Es war in den ersten Tagen des Märzmonats, als Wallenheim mit seiner Familie aus B... reiste. Schon hatte die natur ihr weisses Gewand abgelegt, freundlicher blickte aus Osten die Sonne, und schien den Sterblichen wieder neue Freuden zuzulächeln. Es war über ein Jahr, dass Elisa nicht in Wallental gewesen war, über ein Jahr, dass sie der ländlichen Freuden nicht genossen hatte, und sie vergass, als sie die ersten Spuren des herannähernden Frühlings sah, alle traurige Empfindungen, welche sie bei ihrer Abreise aus B... gehabt hatte, und überliess sich der Freude, welche sie stets im Schoosse der natur empfunden hatte. Sobald sie in Wallental waren, war ihr erstes Bestreben, ihre innere Wirtschaft so viel als möglich einzuschränken, ohne dieses jedoch Wallenheim empfinden zu lassen. Er entbehrte keine seiner vorigen Bequemlichkeiten; zwar herrschte an seinem Tische nicht mehr der Ueberfluss, aber doch noch immer Zierlichkeit. Elisa wurde eine eifrige Landwirtinn, und widmete sich diesen Beschäftigungen, wiewohl nur einige Stunden des Tages, ob sie gleich die ganze Wirtschaft, selbst die Feldwirtschaft bestellte; allein in der Folge bewog sie Wallenheim, sich mit derselben zu beschäftigen. Bisher hatte Elisa von weiblichen arbeiten nur so viel getan, als zu ihrem Vergnügen gereichte; um aber nicht in ihren Wohltaten gegen Unglückliche eingeschränkt zu sein, hatte sie alle ihre weibliche Bediente, ein einziges Mädchen ausgenommen, verabschiedet; sie verrichtete also nun selbst alle Handarbeiten, und nähere für ihren Gatten, für sich und ihre Kinder. Es waren bereits sechs Jahre, dass Elisa zum Zweitenmahle Kinder in dem Erziehungshause angenommen hatte; sie sollten es nun verlassen, und andere ihre Stelle ersetzen, und sie verfertigte zum teil selbst die Kleidungsstücke, welche sie bei ihrer Ankunft erhielten. So fuhr sie fort, Gutes zu stiften, und ihren Mitmenschen nützlich zu sein, ob sie gleich nicht mehr reich war. Indess vernachlässigte sie bei allen diesen Beschäftigungen doch Henriettens Erziehung nicht. Henriette war stets bei ihr; sie büdete ihren Geist und ihr Herz; sie unterrichtete sie in der Musik und in fremden Sprachen. Zu diesem allen hatte Elisa Zeit, denn sie liebte ihre Pflichten, und hatte sich stets daran gewöhnt, sie zu erfüllen. Die Einteilung ihres Tages war: Sie stand um fünf Uhr auf, und las bis um sieben; um diese Zeit war Wallenheim aufgestanden, dann ging sie zu ihm und frühstückte mit ihm. Nach dem Frühstücke kam Henriette zu ihr, welche dann angekleidet sein musste; sie musste nun in ihrer Mutter Zimmer schreiben, entweder Briefe oder Auszüge und Aufsätze machen; während dem war Elisa mit den Anordnungen ihrer Wirtschaft beschäftiget; gemeiniglich dauerte dieses andertalb Stunden, dann setzte sie sich auf, und kleidete sich an; dieses beschäftigte sie nur eine Stunde, indess erteilte sie Henrietten Unterricht im Rechnen, alsdann sah sie das, was sie geschrieben hatte, nach, womit sie gewöhnlich um elf Uhr fertig war; dann gab sie Henrietten