Wesen in der Uebereinstimmung ihrer Seelen finden; dass er mit Entzücken fühlen mag, dass ein Wesen mit ihm verbunden ist, welches jedes Gefühl mit ihm teilt; dass er in dieser Empfindung jede Zufriedenheit, jede Freude des Lebens finden mag! O, darum sein Sie ihm Geliebte und Freundinn! – – (stockend.) Aber entziehen Sie ihn nicht ganz einer gattin, die ihn liebt, und die ihre Ruhe der seinigen aufopfern will – (mit erstickten Tränen.) Entziehen Sie meinen Kindern nicht ihren Vater: – dann soll Ihnen in der Stunde meines Todes meine Dank noch werden!
(Sie will das Zimmer verlassen, Wallenheim eilt aus dem Kabinet, und wirft sich zu ihren Füssen.)
W a l l e n h . Elisa! edles, grossmütiges Weib!
E l i s a . (bestürzt, nach einer Pause.) Wallenheim, Sie hier? Und in welcher Stellung? O, stehen Sie auf!
W a l l e n h . (immer zu ihren Füssen,) Ich will Ihre Verzeihung erflehen! O, Elisa! mein Herz ist nicht ganz ohne Gefühl! Ich kann den Adel Ihrer Seele empfinden, und in diesem Augenblicke fühle ich keinen andern Schmerz, als dass ich Ihnen keine so erhabene, so uneigennützige Liebe erwiedern kann, und dass Sie diesen Mangel empfinden werden!
E l i s a . (gerührt, umarmt ihn, und hebt ihn auf.) Wallenheim, Sie werden mir stets so teuer sein, als jetzt, und kann ich einst Ihre Liebe erhalten, so wird diese mich zum glücklichsten weib machen!
(Tränen glänzen in Wallenheims Auge, er küsst mit Inbrunst Elisa's Hand.)
R o s a l i e . (nähert sich Elisa'n.) Gnädige Frau, mit dem Bewusstsein meiner Schuld hätte ich vom ersten Augenblicke an nicht Ihren Anblick ertragen können, wenn Ihre holdselige Güte mir nicht Mut eingeflösst hätte. Ich flehe nicht um Ihre Verzeihung, es ist unter Ihrer grossen Seele, solche zu erteilen, Sie konnten nicht zürnen. Ich habe die Tugend in ihrer ganzen Grösse gesehen, und in ihr meine eigne Niedrigkeit erblickt. Mich wieder über mich selbst erheben, und die Wollust fliehen, soll von heute an das Bestreben meines Lebens werden. Ich verlasse morgen B .... Nehmen Sie aber Ihre Juwelen zurück, gnädige Frau, Sie sehen, dass, wenn ich alle diese Sachen verkaufe, die nur Bedürfnisse des Luxus sind, und mir unnötig werden, ich meine Schuld bezahlen kann. Ich opfere diese Sachen auch nur meinem eignen Stolze; denn sie würden mir unaufhörlich zurufen: Wir sind der Lohn deiner Schande!
E l i s a . Wohl Ihnen, Rosalie, Ihre Seele ist unverdorben geblieben! Sie war von der natur zur Tugend bestimmt; nur jugendlicher Leichtann und Uebereilung konnten Sie auf Abwege führen. Es ist schön, in der Blüte der Jugend und Schönheit, von ihnen zurückzukommen! Allein, (sie ergreift Rosaliens Hand.) Sie sollen der Tugend nicht Ihre Gemächlichkeit opfern, Ihre Rückkehr zu ihr soll Ihnen durch Entbehrung des Angenehmen nicht schmerzhaft werden, Sie sollen nicht in Mangel geraten; Ihre Phantasie könnte Ihnen sonst Ihre vorige Lage mit verschönerten Farben wieder vorstellen, und sie Sie zurückwünschen lassen. Sie sollen empfinden, dass man im Schoosse der Tugend jedes Gute doppelt geniesst. Behalten Sie also von Ihren Sachen, was notwendigkeit Ihnen nicht heischt, zu verkaufen, und – (sie wendet sich gegen Wallenheim.) Wallenheim, Sie erlauben mir doch, Rosalien meine Juwelen, als ein Geschenk anzubieten?
W a l l e n h . Sie allein können nur über alles, was Sie besitzen, gebieten, und ich kann nur Sie bewundern!
E l i s a . (Errötet, und mit dem ganzen Ausdruck der Liebe blickt sie auf Wallenheim, zu Rosalien.) Um der Tugend willen also, schöne Rosalie, nehmen Sie mein Geschenk an!
R o s a l i e . O, gnädige Frau! wollen Sie denn nur
allein so grossmütig sein?
E l i s a . Rosalie, in Ihrer gegenwärtigen Lage ist
es eben so grossmütig mein Geschenk anzunehmen.
R o s a l i e . Ich sehe es, es wäre Beleidigung, Sie
glauben zu lassen, ich hätte Sie missverstanden! (Sie nimmt die Juwelen, und führt Elisa'n in ihr Kabinet vor ein Gemählde, auf welchem die Tugend geschildert ist, welche dem Titus eine Krone reicht, auf welcher die Worte stehen: I c h m a c h e u n s t e r b l i c h .)
Alles, was Sie hier sehen, nehme ich als ein Ge
schenk von Ihnen an; aber von Allem soll dieses mir das Teuerste sein. Ich werde es ansehen, als hätten Sie es mir gegeben, um mich zur Tugend zu ermuntern. Es soll gerade über meinem Bette hängen, und an jedem Morgen wird es bei meinem Erwachen das Erste sein, was ich erblicken werde: ich werde in der Tugend Ihre Züge zu erkennen glauben, und mich dann erinnern, dass ich Ihnen gelobte, zu ihr zurückzukehren.
E l i s a . Welche feine Züge des Schönen liegen in
Ihrer Seele, Rosalie! sie sind Ihrer äussern Bildung gleich. Sein Sie unverzagt; einmal zur Tugend zurückgekehrt, werden Sie ihre Anhängerinn bleiben; da Sie