. – Dieses waren in diesem Augenblicke Elisa's Betrachtungen. – Sie nahm die Juwelen, und fuhr zu zwei Juwelierern. Beide schätzten ihren Wert auf 3000 Taler; allein baares Geld konnten sie ihr sogleich nicht geben, und Elisa wollte, dass Rosalie die Summe vor Wallenheims Zurückkunft erhalten sollte. Allein Wallenheim war an demselben Morgen von Wallental zurück, und bei Rosalien angekommen, als diese eben den Brief an ihn weggesandt hatte. Beide befanden sich in grosser Verlegenheit. Wallenheim gestand Rosalien, dass er genörhiget wäre, die Summe aufzunehmen, und dass seine Angelegenheiten jetzt in der grössten Unordnung wären, und Rosalie machte sich heimlich Vorwürfe, dass sie die Schuld dieser Zerrüttung seiner Vermögensumstände wäre; denn sie hatte einen ansehnlichen teil desselben verschwendet. Diessmahl hatten Scherz und Freude sie verlassen; ihre Unterhaltung war ernst, und Unmut las man auf ihren Gesichtern. Plötzlich erblickt Wallenheim seinen Wagen vor der Tür, und seine Frau in demselben.
W a l l e n h . (wird blass.) Himmel! da ist mein Weib! Was bedeutet das?
R o s a l i e . (erschrocken.) Ihre Frau? Ich zittere! Ihr ist gewiss der unglückliche Brief in die hände geraten, den ich Ihnen am Morgen schrieb?
W a l l e n h . Wie! wäre das möglich? sie eröffnet meine Briefe nie! Doch welche Absicht es auch sei, welche sie hierher leitet, sie kann nicht anders als gut sein. Sie kennen das Weib nicht, alle ihre Handlungen sind die eines höhern Wesens.
In diesem Augenblicke kam ein Bedienter herein, und meldete Rosalien eine Unbekannte, welche sie bitten liess, ihr eine Unterredung einer halben Stunde zu gewähren.
R o s a l i e . Ich kann sie nicht annehmen!
W a l l e n h . Nehmen Sie sie an, Rosalie, ich bin Bürge, dass Sie keine Beleidigungen zu befürchten haben, und ich würde es auch zu rächen wissen!
R o s a l i e . (zum Bedienten.) Nun, so führe er die Dame in mein Zimmer! (Der Bediente geht hinaus) Aber wo bleiben Sie, Wallenheim?
W a l l e n h . Ich werde hier in dieses Kabinet gehen.
R o s a l i e . O, entfernen Sie sich nur nicht weiter! Gott! was wird das für eine Unterredung sein!
W a l l e n h . (küsst sie.) Werden Sie nicht mutlos, Rosalie, die Liebe wird Ihnen beistehen! – Er ging hinaus, und Elisa trat in das Zimmer.
E l i s a . (Nachdem sie eine Verbeugung gemacht hat.) Verzeihen Sie, Mademoiselle, mein Besuch ist vielleicht unbescheiden, allein eine wichtige Angelegenheit führt mich zu Ihnen.
R o s a l i e . (Verwirrt. Sie ist dieses während der ganzen Unterredung.) Gnädige Frau, in der Tat kann ich nicht begreifen, wodurch ich die Ehre Ihres Besuchs erhalte, da ich nicht die Ehre habe, von Ihnen gekannt zu sein?
E l i s a . Ich fühle es, ich bin zudringlich, ich muss um Ihre Nachsicht bitten! Der Titel einer Unbekannten, und meinen Namen kann ich Ihnen nicht entdekken, gibt mir keinen Anspruch, von Ihnen gehört zu werden, wenn Sie mir dieses nicht aus Güte gewähren.
R o s a l i e . Gnädige Frau, Sie setzen mich in Erstaunen –
E l i s a . (Einfallend.) Ich werfe mir Ihre Verwirrung vor ... allein, (Sie ergreift ihre Hand.) können Sie einer Unbekannten eine Bitte gewähren?
R o s a l i e . Ich kann es nicht versprechen, wenn ich nicht ihren Inhalt weiss.
E l i s a . Mademoiselle, unwillkührlich, und durch einen Zufall, bin ich die Inhaberinn eines Ihrer Geheimnisse geworden. Werden Sie nicht unwillig darüber! Ich bin benachrichtiget worden, dass Sie dreitausend Taler schuldig sind, und dass Sie diese gleich bezahlen sollen; ich wusste, dass Sie sie schleunig verlangten, und dieses bewog mich, Ihnen meine Juwelen anzubieten, deren Wert sich auf diese Summe beläuft. (Sie zog bei diesen Worten das Kästchen mit den Juwelen aus ihrer tasche.) Ich hoffe von Ihrer Grossmut, dass Sie sie nicht ausschlagen werden. Ich kann sie entbehren; doch wollen Sie sie nicht annehmen, so betrachten Sie sie als eine Schuld, welche Sie abtragen können, sobald es Ihre Umstände erlauben. Nur eine Bitte wage ich hinzu zu setzen: sagen Sie keinem Menschen, auch dem Herrn von Wallenheim nicht, dass Sie diese Juwelen erhalten haben!
R o s a l i e . (bestürzt.) Wissen Sie meine Verbindung mit Ihrem Gatten?
E l i s a . Er liebt Sie. Ich wünschte stets sein Glück, o, möchte er es doch finden, selbst in den Armen einer Andern! Ich kann nur bedauern, dass ein unglückliches Verhängniss es ihn fern von mir suchen liess, ohne ihm andere Fesseln anlegen zu wollen, als die der Liebe! (mit immer steigender Wärme; sie ergreift Rosaliens Hand.) Werden Sie ihm also, was ich seinem Herzen nicht werden konnte, vergelten Sie ihm wieder Liebe, lassen Sie sie aber nicht bloss in sinnlichen Freuden bestehen, sondern lehren Sie ihn auch das Glück kennen, welches zwei