herabgestiegen, und habe ihre Gestalt angenommen, und doch – Ja, Felsing, mein Leben opferte ich Elisa'n auf; allein mit Rosalien möchte ich es zubringen, an ihrer Seite möchte ich meine Tage verleben – Solltest Du sie kennen, diese Rosalie, solltest Du nur einmal ihre Zauberkraft empfinden! Doch, ich spreche wie ein Jüngling – Elisa's Umgang hatte mein Herz zu weichen Gefühlen gestimmt; ich hatte jene vorige Rauhigkeit verlohren; ich war fähig zu lieben – In diesem Zustande fand ich einst an meiner Seite ein Weib – das Meisterstück der natur! Ihre stimme war Gesang – ich war schwermütig, sie schwatzte den Missmut aus meiner Seele – mein Herz öffnete sich neuen Gefühlen – ich umschlang sie, ihr Hauch war Liebe, und mein ganzes Wesen ward es nun! sechs Monate sind es jetzt schon, dass ich in Rosaliens Besitze glücklich und unglücklich bin! Bei ihr bin ich glücklich, ich vergesse alles Uebrige, ich lebe nur in ihr, ich empfinde nur durch sie! Allein kehre ich zu Elisa'n zurück, dann liegt das Bewusstsein meiner Schuld schwer auf mir. Wenn sie mit ihrer himmlischen Sanftmut mich empfängt, wenn sie lächelnd mir meine Kinder zuführt, wenn munterer Scherz von ihren Lippen strömt, der, als ich noch nichts liebte, so oft mich erheiterte – O, Felsing! dann ist es, als wenn eine stimme mir zurief: Du bist ein Unmensch! Ich werde wütend, und lasse gegen Elisa'n den Zorn über mich selbst aus! Ihre Liebkosungen erwiedere ich mit Kälte, ihre Sanftmut mit Unwillen. Noch diese Nacht – O, wie habe ich das arme Weib gekränkt! Ich war in Wallental gewesen, und flog zurück in Rosaliens arme. Zwei Tage hatte ich sie nicht gesehen, zwei Tage nicht an ihrem Busen geruhet, heiss war mein Empfang, zärtlich der Ihrige; ich schwelgte an ihrer Seite die halbe Nacht hindurch; noch berauscht von ihren Küssen, riss ich mich von ihr los, und ritt nach haus. Mein Weib empfieng mich; dieses war ein Donnerschlag für mich; ich glaubte, sie stände da, mir mein Glück vorzuwerfen, und ich begegnete ihr hart – Wie gewöhnlich, machte sie mir keine Vorwürfe, und klagte nicht; allein Kummer war heute über allen ihren Zügen verbreitet, ob sie gleich sich bestrebte, heiter zu sein. Sollte sie die Ursache meines Aussenbleibens erfahren haben? – Dieses beunruhiget mich, Felsing. – O, durch mich wurde Elisa aller Freuden der Jugend und der Liebe beraubt; ich bestreuete den Pfad ihres Lebens mit Dornen! Muss ich nun noch durch Untreue ihre übrigen Tage verbittern? – Dieses waren meine Betrachtungen, als ich sie heute sah, Felsing, und ich war sehr gerührt. Gewiss, ich werde es nicht bemerken können, ob sie meine Liebe zu Rosalien weiss, denn ich bin überzeugt, ihr Betragen gegen mich wird unverändert bleiben. Noch nie sprach ihr Mund gegen mich einen Vorwurf aus, und diese himmlische Sanftmut, diese beständige Aufmerksamkeit, mir zu gefallen, und jedes Missvergnügen von mir zu entfernen, macht mich jetzt noch unglücklicher; denn es vergrössert meine Schuld. Jetzt denke ich oft: warum konnte ich doch nicht Elisa'n lieben, wie ich Rosalien liebe? Wie glücklich wäre ich gewesen! Letzt kam ich einmal an einem Morgen von Rosalien, ich hatte die Nacht in ihren Armen geruhet, ich hatte auf ihrem Busen gespielt – ganz hatte ich den Becher der Liebe und Wollust geleert, den die schönste Tochter der Freude mir dargeboten hatte. Die Vorstellung genossener Freuden umschwebte mich noch, als ich zurückkam; in ihnen verloren und zerstreut, öffnete ich das Schlafzimmer meiner Frau, statt der Tür des meinigen – Ich weiss nicht, welche wirkung in diesem Augenblick ihr Anblick auf mich machte – Die Vorhänge ihres Bettes waren zurückgeschlagen, ihre Hand war entblösst, ihr Busentuch hatte sich geöffnet – sie schien mir so schön – ich näherte mich ihr – ihr Hauch war so leise, ihre Miene so ruhig, so heiter; selbst schlafend lächelte ihr Mund, ihr Busen hob sich so sanft – sie schien mir das Bild der Unschuld – Ich weiss nicht, welche Gefühle sich in mir drängten – Ich fiel vor ihr nieder – Ach, ich hatte sie oft in meinen Armen gehabt, und hatte nichts empfunden! Zum Erstenmale erkannte ich, welcher Freuden ich hätte geniessen können! – In der Tat, vor meiner Bekanntschaft mit Rosalien, war mir mein Weib seit einiger Zeit teuer geworden, und ich glaube, auch sie fing an mich zu lieben; denn heisser wurden ihre Küsse, und immer drückte ich sie oft an meine Brust; allein ein Kuss von Rosalien machte mich kalt gegen Elisa's Umarmungen. – O, Felsing, hätte ich doch Elisa'n schon lange vor meiner Verheiratung gekannt, hätte sie mich doch da schon empfinden lehren können! Ich hätte erkannt, welche Seligkeit es sein müsste, von einem solchen weib geliebt zu werden! Jetzt ist diese erkenntnis zu spät, sie macht mich missmutig, oft wütend! Ich mag dem Gedanken nicht nachhängen, und doch drängt er sich oft mir unwillkührlich auf! Vorzüglich wenn ich von Rosalien komme, und dort glücklich gewesen bin, und dann wider meinen Willen die stillen Tugenden meines Weibes verehren muss. Darum meide ich jetzt ihren Anblick, und bin missmutig, wenn ich bei ihr bin, und nur selten gelingt es