ihre Freundinnen empfinden, dass wahre Freuden, wahrer Genuss des Lebens, nur mit Unschuld verbunden ist. Sie fühlten es, dass bei ihr die Freude und die Tugend Hand in Hand gingen, und sie gewöhnten sich, sie immer vereiniget zu denken. Sie fühlten sich besser und froher, wenn sie mit Elisa'n den Tag durchlebt hatten. So bildete sie ihren Geschmack und ihr Herz; ihr Beispiel und eine nähere Bekanntschaft mit ihr, bewahrte manches Mädchen vor Ausschweifung und Torheit.
Stets bestrebte sich noch Elisa, ihren Wirkungskreis zu erweitern; nie glaubte sie, dem Nutzen, welchen sie stiften könnte, grenzen setzen zu können. Hörte sie von einem Unglücklichen, so eilte sie zu ihm, und bemühete sich, seine Leiden zu vermindern. Anderer Wünsche zu gewähren, Anderer Bedürfnisse zu befriedigen, ruhige Ergebung, aufrichtige Liebe zum Guten in Andern zu befördern, dieses waren ihre Bemühungen, und waren selten fruchtlos, weil sie immer die besten Maassregeln ergriff. Unter diesen Beschäftigungen verlebte sie jeden ihrer Tage.
Carl war zwei Jahre alt, da wurde Elisa zum zweitenmahle Mutter, und Mutter einer Tochter; sie nannte sie Henriette. Auch Frau von Felsing war einige Monate zuvor niedergekommen; sie hatte einen Sohn, und Felsing hatte ihn Heinrich genannt.
Carl und Henriette machten nun Elisa's süssestes Vergnügen; ihrer Erziehung widmete sie alle ihre Sorgfalt. Als Carl vier Jahr alt war, sagte einst an einem Morgen Wallenheim zu seiner gattin: Ich bin entschlossen, Carln in eine öffentliche ErziehungsAnstalt zu bringen; die Erziehung der Söhne im väterlichen haus taugt selten etwas.
E l i s a . (Erschrocken.) Jetzt schon wollen Sie ihn aus dem haus bringen?
W a l l e n h . Warum nicht? Je früher in der Erziehung der Anfang gemacht wird, desto leichter wird sie nachgehends, und desto besser ist ihr Erfolg.
E l i s a . Sie haben Recht. Und ich habe mich bemühet, seit der Geburt meines Sohnes diesem Grundsatze gemäss zu handeln. Aber könnten wir ihn nicht noch ferner in unserm haus erziehen?
W a l l e n h . Unter ihrer Aufsicht allein?
E l i s a . Nein, Wallenheim; ich besitze nicht alle die Kenntnisse, die er einst wird haben müssen, und ich allein kann seine Erziehung nicht vollbringen. Allein wir wollen einen geschickten Erzieher nehmen, und gemeinschaftlich an seiner Erziehung arbeiten.
W a l l e n h . Sie erzeigen den Hofmeistern viel Ehre, wenn Sie sie Erzieher nennen. Dieses ist eben das, was sie nie sind, und aus eben der Ursache bin ich entschlossen, nie Einen zu nehmen.
E l i s a . Es ist der älteren Schuld, wenn sie dieses nicht sind; wir wollen ihn dazu bilden. O, Wallenheim, wie kann man sich wundern, dass die Hofmeister nicht Erzieher sind, da die älteren selbst es nicht sind? Man betrachte das Betragen der älteren gegen ihre Kinder, und gegen denjenigen, denen sie ihre Erziehung anvertrauet haben, wie zwecklos, wie planlos! Der Erzieher sollte der erste Freund der älteren sein; er ist ja ihr Gehülfe bei der moralischen Bildung ihrer Kinder, eben bei dem, was eigentlich sie zu Menschen macht; er teilt ja mit ihnen ihre Mühe für ihr Wohl; ein Zweck, ein Plan, ein Interesse, so viel es sein könnte, sollte sie verbinden. Man sollte durch Liebe, durch achtung, durch das Versprechen, ihn Lebenslang zu besolden, ihn zum Mitglied der Familie machen. Dann, Wallenheim, dann würden sich auch Erzieher finden. – Die meisten, welche es jetzt sind, werden, indess sie eine Stelle bekommen, Hofmeister, um sich ihren Unterhalt zu verschaffen, und werden auch in den meisten Häusern als die ersten Bedienten behandelt. Sie sind jung, sie haben nie über Erziehung nachgedacht, selten darüber gelesen; sie konnten nicht ein eigenes Studium daraus machen, weil sie wussten, dass ihnen dieses nie ihren Unterhalt verschaffen würde. Allein, man lasse auch die Erzieher hoffen, dass durch ihre Geschicklichkeit in diesem Fache, sie sich ansehnliche Versorgungen versprechen können; man versicherte ihnen, als Erziehern, Besoldungen auf Lebenslang; man mache ihnen dieses Geschäfte angenehm; man mache den edlen Wunsch in ihnen rege, Menschen bilden zu wollen; man zolle Dank und Ehrfurcht dem mann, der ihn zu erfüllen strebet; und gewiss, Viele würden sich ganz dem Erziehungsgeschäfte widmen. Doch jetzt bleibt allen Hofmeistern keine andere Aussicht übrig, als durch ihre eigenen Bemühungen sich eine Stelle zu verschaffen; da sie in den meisten Häusern auf einen unangenehmen Fuss stehen, so suchen sie diese bald zu erlangen; daher der öftere Wechsel der Hofmeister, der immer der Erziehung nachteilig ist; daher ihre wenige anhänglichkeit an dieses Geschäfte, und an ihre Zöglinge. – Doch, Wallenheim, da wir diese Fehler einsehen, so können wir sie vermeiden. Lassen Sie uns einen Mann von Kenntnissen und von guter Aufführung suchen, und wo möglich, lassen Sie uns einen jungen Mann nehmen. Ein junger Mann wird sich eher leiten lassen, er wird mehr für sein Geschäft erwärmt werden, er wird sich noch nicht Ruhe und Bequemlichkeit wünschen, und folglich noch nicht so bald an eine Versorgung denken, besonders wenn wir ihn durch Liebe und Zutrauen an uns gefesselt haben, und seine Lage ihm angenehm machen. Wenn wir diesen gefunden haben, o so