, zu dem ich ihnen helfen könnte, so sage er ihnen, sie sollen zu mir kommen, ich hätte ihren älteren versprochen, ihre Mutter zu sein! Elisa ging, und Tränen des Danks folgten ihr. Allein Harberg hatte mit der Vergangenheit auch ihren Schmerz zurückgerufen; sie war stark gewesen, als sie Frau von Birkenstein verliess, weil sie in Herrmann den nützlichen Staatsbürger, den Menschenfreund erblickte; allein Harberg hatte ihr Herrmann, ihren Geliebten wieder vorgestellt, die Gegenwart verschwand, und ihre Einbildungskraft verlohr sich in den Vorstellungen der Vergangenheit. Menschenliebe, mächtiger in ihr, als jedes andere Gefühl, verdrängte in Hohnauschloss wieder jede andere Empfindung in Elisa'n; sie erinnerte sich, was ihr Harberg von den Bauern in Hohnauschloss gesagt hatte, und ihre ersten Worte waren, seitdem sie Birkenstein verlassen hatte: Henriette, ich muss suchen Einigen dieser armen Einwohner zu helfen. – Sie ging nun zu einer jeden Familie, fragte nach ihren Bedürfnissen, nach den Beschwerden, die sie hätten, gab den Armen Geld, versprach ihnen, dass sie ihre Fürsprache anwenden wollte, ihnen Erleichterung zu verschaffen, sie tröstete sie, bewies ihnen, dass durch Unterwürfigkeit und Geduld sie die Härte ihres Schicksals mildern könnten. Sie schienen die Beschwerden nicht mehr zu empfinden, als Elisa mit ihnen sprach, und sie hatte an diesem Abend in den Wohnungen von Hohnauschloss Zufriedenheit verbreitet.
Caroline war hart, selbst Armut konnte bei ihr nicht Anspruch auf Schonung machen, und ihre unfreundliche Miene entfernte von ihr den Unglücklichen, der es nicht wagte, ihr seine Not zu klagen. Wallenheim war nicht genug mit dem Zustande der armen Einwohner bekannt; es war also keiner, der sie gegen Carolinens Härte schützte, keiner, der ihrem Mangel abhalf. Elisa unterrichtete ihre Mutter von den Beschwerden und Unterdrückungen, die sie litten, und bat sie, ihnen beizustehen; die Baroninn von Hohnau versprach es ihr, und vergnügter verliess am andern Tage Elisa Hohnauschloss; denn sie nahm das Bewusstsein mit, auch hier Gutes gestiftet zu haben.
Sie begleitete Henrietten nach Felsingburg, und blieb einige Tage in Wallental. Henriette wollte auch, wie ihre Freundinn, Wohltäterinn der Menschen werden. Zwar war ihr Vermögen nur eingeschränkt; allein dem wahren Menschenfreunde bleiben Kräfte und Hülfsquellen genug, seinen Mitbrüdern beizustehen. Sie schlug ihrem Felsing, welcher immer die wohltätigen Anstalten Elisa's bewundert hatte, vor, zwei Häuser nach eben dem Plane erbauen zu lassen; allein diess sollte erst in den beiden folgenden Jahren geschehen, weil die Ausgabe für sie mit Einemmale, zu gross gewesen wäre; auch war die Zahl der Greise und der Kinder, die sie versorgen würden, nur auf fünfe gesetzt. Mehrere zu unterhalten, erlaubte ihnen ihr Vermögen nicht; und nur Sparsamkeit und weise Anwendung des Geldes setzten sie in den Stand, mehr Gutes zu wirken, als karge und verschwenderische Reiche, wenn sie Jahrhunderte durchlebt haben. –
Elisa war nun wieder in B... Unverändert blieb ihre Art zu handeln, unverändert ihre Sanftmut, ihre gefälligkeit, ihr Wohlwollen. Die Geschäfte ihrer Haushaltung, die Besorgung aller häuslichen Angelegenheiten, die Erziehung ihres Sohnes, die Erwerbung höherer Kenntnisse, die Ausbildung ihres Verstandes, die Uebung ihrer Talente, dieses waren ihre Beschäftigungen; zu allen hatte sie Zeit, und stets war sie bereit, ihren Gatten, so oft er es verlangte, in Gesellschaft oder zu Lustpartien zu begleiten, oder in ihrem haus Gesellschaft zu sehen. Wallenheim fand immer in ihr die muntere Gesellschafterinn, deren Bestreben es war, ihn aufzuheitern, ihn zu ergötzen; aber sie war auch seine Ratgeberinn, seine Freundinn. Ernstaft, scharfsinnig und klug, wenn er von Geschäften mit ihr sprach, liebevoll und sanft, wenn er verdriesslich war, oder eine Unannehmlichkeit erfahren hatte, und scherzhaft, wenn seine Seele Aufheiterung gebrauchte. Innere Zufriedenheit, Ruhe und Heiterkeit waren mit der Tugend in ihr vereiniget; sie war glücklich, weil sie ihres eigenen Beifalls versichert war; sie war froh, weil sie Freude um sich verbreitete. Die Ruhe, die Heiterkeit ihrer Seele gab ihrem Wesen eine Annehmlichkeit, welche ein jeder empfand; sie wurde in allen Gesellschaften geliebt und gesucht. Man liebte sie, ohne es zu wissen, und sie zog alle Herzen an sich, ohne es selbst zu ahnden. Höflichkeit, Bescheidenheit und Güte waren in Gesellschaft die Hauptzüge, von denen sie sich nie entfernte. Immer lobte Elisa Anderer Tugenden, und entschuldigte Anderer Fehler: immer war sie bereit, einem Jeden zu dienen, und stets sah man sie in Gesellschaft den untersten Platz einnehmen. Auch nannte man sie allgemein die liebenswürdige Frau von Wallenheim, und manches junge Mädchen, dessen Herz noch unverdorben war, wurde von ihrer sanften Tugend eingenommen, und beschloss, ihrem Beispiel zu folgen. Wenn Elisa dieses merkte, so suchte sie mit denen, welche sie zu lieben oder zu bewundern schienen, in Verbindung zu kommen; sie bat sie oft zu sich, und erfüllte in ihrer Gegenwart ihre Pflichten; aber auch stets bemühete sie sich, ihren jungen Freundinnen Vergnügungen zu verschaffen; durch sie wollte sie ihnen die Tugend annehmungs- und liebenswürdig machen. Des Sommers veranstaltete sie daher fast immer Lustfahrten auf dem land, Spatziergänge, Wasserfahrten, und Fröhlichkeit und muntrer Scherz herrschte dann unter ihnen. Im haus waren Musik, witzige und kluge Unterhaltungen, kleine gewählte Gesellschaften, und angenehme Lektüre ihre Unterhaltungen. Langeweile war aus ihren Zirkeln verbannt, und Elisa liess