glücklich! Zwar ist Ihr Sohn noch von allen Sterblichen mir der Teuerste, und wird es immer sein; – allein ich erfülle meine Pflichten, und mein Herz hegt die Empfindungen der gattin und Mutter. –
F . v . B . Beide Nahmen verehren Sie immer, sie sind die ersten Titel des Weibes! Weil Sie ihren Wert recht erkannten, blieben Sie tugendhaft, und wurden glücklich in einer Lage, in welcher die meisten Weiber sich entweder dem Laster oder der Verzweiflung in die arme werfen.
E l i s a . (Drückt Carln an ihren Busen.) Ach, die kennen nicht Muttergefühl!
F r . v . B . Meine Elisa, mögen Sie eine glückliche Mutter werden! (Sie nimmt Carln und küsst ihn.) Und du, der würdige Sohn des würdigsten Weibes!
Nun stand Elisa auf; ihre Trennung von der würdigen Frau wurde ihr schwer; auch Henriette vergoss Tränen am Busen der Frau von Birkenstein. Sie drückte Beide in ihre arme. Ich werde es nie vergessen, sagte sie, als sie nun sich von ihr losgerissen, dass Sie Beide am Abend meines Lebens mir manche Stunde erheiterten!
E l i s a . (Mit einem Seufzer.) Ach ich verbitterte Ihnen so viele!
F r . v . B . Nein Elisa, das ewige Verhängniss tat es! Menschen müssen wir dieses nicht zurechnen.
Elisa und Henriette ergriffen nun noch einmal ihre Hand, drückten sie, und eilten fort. Sie kamen vor Harbergs wohnung vorbei. O wie viele Erinnerungen wurden da wieder bei Elisa'n lebhaft! Ich möchte gerne wissen, sagte sie zu Henrietten, wie es dem guten mann gehet? Komm mit mir hinein!
Harberg sass mit seinem weib und mit seinen Kindern am Tische beim Nachtessen. Freudig erschrack er, als er Elisa'n erblickte: Ach gnädige Frau, sind Sie einmal wieder hier gewesen? Ach wie wird sich unsere gnädige Frau gefreut haben!
E l i s a . Auch ich habe mich gefreuet, einmal wieder in Birkenstein zu sein. Wie ist es ihm denn immer gegangen, lieber Harberg?
H a r b . Gott, und unserm guten jungen Herrn sei Dank, ich habe nicht Not gelitten! Wir leben zufrieden! meine Hanne und ich. Aber es betrübt uns oft, dass unsere gute gnädige Frau immer so traurig ist. Ach es ist ganz anders! seitdem Sie und der junge Herr nicht mehr hier sind!
E l i s a . Wie so, lieber Harberg? Herr von Birkenstein war ja nur eine so kurze Zeit hier, und ich habe nie einmal die gelegenheit gehabt, Euch meine Bereitwilligkeit, Euch zu dienen, zu beweisen.
H a r b . Wir freueten uns doch, Sie zu sehen. Freilich wir haben noch unsere gute herrschaft behalten; aber die armen Bauern in Hohnauschloss – Ach, die trauern noch immer, dass Sie nicht mehr da sind!
E l i s a . Ich konnte ihnen auch nicht viel helfen, als ich noch zu haus war.
H a r b . O, liebe gnädige Frau, eine kleine Unterstützung ist für einen Armen immer viel! Doch wer weiss, wie es uns noch gehen wird? Man sagt, der junge Herr wird gar nicht wieder ins Land kommen. Wie er hier war, da freueten wir uns immer in ihm! Ich habe oft die alten Bauern weinen sehen, wenn er so recht freundlich und herzlich mit ihnen gesprochen hatte. Gottlob! sagten sie denn, unsere Kinder werden es so gut haben als wir! Aber wenn nun unsere gute Mutter stirbt; ach, dann verlieren wir alles mit ihr!
Harbergen stand eine Träne im Auge, und auch Elisa war sehr gerührt; sie nahm von Harberg und seinem weib Abschied, und drückte dem kleinen Mädchen, ihrer Pate, ein Goldstück in die Hand, und ging eilig hinaus; allein das Kind zeigte das Geld gleich seiner Mutter. Beide älteren folgten nun Elisa'n; aufrichtige, ungekünstelte Danksagungen strömten von ihren Lippen. Vor der Tür sass die Wärterinn mit Carln; Harberg erblickte ihn.
H a r b . Ach, gnädige Frau, ist das Ihr Kind? O, erlauben Sie mir, den kleinen Junker einen Augenblick auf den Arm zu nehmen!
E l i s a . I, ja, guter Harberg.
H a r b . (Nimmt Carln auf den Arm und küsst ihn.) Hanne, weisst du wohl noch, wie der junge Herr und die gnädige Frau bei unserm Mädchen Gevatter standen, da sagte ich dir noch am selben Abend: Ihre Kinder wollen wir einst recht lieben und ehren, und Gut und Blut für sie lassen.... Ach, da dachte ich, es würde anders kommen! – Doch, wie Gott gewollt hat! Die Kinder unsers jungen Herrn werde ich vielleicht nimmermehr sehen; aber zwischen Ihnen Beiden machten wir keinen Unterschied, und so bin ich doch so glücklich gewesen, und habe Ihren Junker auf meinem arme gehabt. – (er küsst ihn noch einmal.) Alle Tage will ich zu Gott beten, dass er möge gross und glücklich werden, und Sie recht viel Freude an ihm erleben!
E l i s a . (Sehr gerührt). Der gütige Vater erfülle auch dieses an seinen Kindern! Lehre er sie meinen Namen, Harberg, und wenn sie in Mangel geraten, oder etwas wünschen