, Henriette, wir waren ja lange schon über den Wert des Geldes einig, wir sahen es als ein Mittel an, diejenigen Güter zu erlangen, welche viel zum Glücke des Lebens beitragen. Vergnügen und Freuden müssen die Zinsen sein, welche wir aus dem toten Metalle ziehen; und welch ein reineres Vergnügen könnte ich geniessen, als wenn ich meine Henriette glücklich in den Armen eines geliebten und würdigen Gatten sähe, und mir sagen könnte; auch ich arbeitete an ihrem Glück? Welch ein seliges Gefühl, wenn wir uns gegenseitig als die Schöpferinnen unserer Freuden betrachten, und desto inniger uns lieben, wenn wir Beide uns sagen: Auch ich beförderte das Glück meiner Freundinn, auch ich schenkte ihr Freuden. O Henriette! kann wohl der Stolz Dir, mir die sechs tausend Taler dieses gewähren?
H e n r . (Wirft sich Elisa'n um den Hals) Elisa, Du hast gesiegt! Ja, ich will Dir jede Freude meines Lebens verdanken!
E l i s a . Dank Dir, meine Freundinn! Ganz erkenne ich Deine edle Seele! –
Als Felsing am Nachmittage kam, sagte ihm Henriette, welches Geschenk sie von ihrer Freundinn erhalten hatte. Ich habe nicht errötet, es anzunehmen, Felsing, setzte sie hinzu; ich kenne die edle Seele meiner Freundinn, sie will nicht Verbindlichkeiten auflegen, sie will glückliche machen. Sie fühlte, dass ihr Anerbieten mich demütigen könnte, und sie machte es mir, indem sie selbst demütig bat, und meine Freundschaft beschwor. O, meine Weigerung würde unedel gewesen sein! Es hätte geschienen, als setzte ich Misstrauen in diese schöne Seele; ihr und mir war ich schuldig, ihr diesen Beweis meiner achtung zu geben!
Felsing bewunderte beide Weiber, er dankte Elisa'n, sie gab ihm seine Henriette. Nach einigen Tagen lud Wallenheim die Frau von Felsing mit ihrem Sohne zu Mittage ein; sie hatten verabredet, ihr zu sagen, die Baroninn von Hohnau habe Henrietten sechstausend Taler zu ihrer Aussteuer geschenkt, welche sie ihr einst schon versprochen habe. Wallenheim stellte der Frau von Felsing Henrietten vor, und zeigte ihr zugleich die Verschreibung der sechstausend Taler. Henriettens Bescheidenheit nahm die Frau von Felsing für sie ein. Wenn Du mir gewiss versprichst, nie Felsingburg zu verkaufen, sprach sie zu ihrem Sohn, so will ich meine Einwilligung zu Deiner Verbindung mit dem fräulein von Wannberg geben.
Felsing versicherte ihr, nie ihrem und seines verstorbenen Vaters Willen entgegen zu handeln.
F r . v . F . Nun so heirate sie, da sie doch jetzt einiges Vermögen hat!
Felsing umarmte seine Henriette, und führte sie zu seiner Mutter. Nie, sprach Henriette, indem sie die Hand der Frau von Felsing ergriff, nie hoffe ich, werden Sie mich des Namens Ihrer Tochter unwürdig finden! Frau von Felsing umarmte sie: Sie scheinen ein gutes Mädchen zu sein, sagte sie, und ich freue mich über die Wahl meines Sohnes!
Mit gerührtem Entzücken betrachtete Elisa diesen Auftritt; Henriette blickte auf sie, sie las ihr eigenes Glück in ihrer Freundinn Augen, sie flog an ihren Hals, Beide verstanden ihre gegenseitige Empfindungen, und ihre Umarmung war die Ergiessung ihrer Seelen. –
Nun blieben Wallenheim, Elisa und Henriette nur noch wenige Tage in Wallental. Henriette reiste wieder an einem Tage mit ihrer Freundinn ab; Felsing wollte ihr in einigen Tagen folgen, um der Baroninn von Hohnau seinen Antrag um sie zu machen. Die Baroninn saate ihm gleich, dass Henriette von ihr ganz unabhängig wäre, und es wurde festgesetzt, dass im Herbste die Hochzeit vollzogen werden sollte. Die Baroninn von Hohnau und Henriette baten Elisa'n, zu derselben nach Hohnauschloss zu kommen, und Elisa erhielt von ihrem Gatten die erlaubnis auf acht Tage hinzureisen. Sie wurde erschüttert, als ihr Wagen auf dem feld von Hohnauschloss dahin rollte, sie sah in der Ferne den Turm von Birkenstein, sie kam vor dem platz vorbei, wo sie von ihrem Herrmann Abschied genommen hatte; die Stärke ihrer Empfindungen wuchs mit der Lebhaftigkeit jener Erinnerungen. Endlich hielt der Wagen vor dem Wohnhause, Elisa musste einige Augenblicke sich sammeln, sie wankte, als sie heraus stieg. Die Baroninn von Hohnau, Caroline, ihr Gatte und Felsing waren ausgegangen; Henriette war allein, sie eilt ihrer Freundinn entgegen, Elisa stürzt sich weinend in ihre arme, und Henriette drückt mit inniger Teilnehmung die Freundinn an ihr Herz.
E l i s a . (Nachdem siewieder einige Fassung gesammlet hat.) Ach wie froh bin ich, dass sich meine Mutter nicht gleich fand, und einige Augenblicke meinen Empfindungen Raum geben konnte! Mein Herz war so gepresst.
H e n r . (drückt ihr mitleidsvoll die Hand.)
E l i s a . Du bist immer so nachsichtig, Henriette, und ich noch immer so schwach! Aber, ich konnte hier das Andenken an ihn nicht unterdrücken, wo Alles es erweckt! Indess, fürchte nichts für meine Ruhe, Henriette, ich hatte ja die Kraft mich ihm zu entreissen, sollte ich nicht auch die haben, mich hier, wo Alles meines kurzen Glücks mich erinnert, meiner Tugend zu freuen?
H e n r . Ja, Elisa, ich weiss, dass Deine Ruhe erschüttert, nie zernichtet werden kann!
Jetzt hörte man Geräusch im haus, Elisa konnte nun mit Fassung ihrer Mutter entgegen gehen, und diese freuete sich, sie zu sehen. Caroline empfing ihre