bestehen, und macht also einen teil ihrer Pflichten zum ganzen Umfange derselben. Allein an die moralische Bildung des Mädchens wird nirgends gedacht; sie kann so eine gute Wirtschafterinn, eine geschickte Näherinn werden, allein nicht gattin, nicht Mutter, nicht Erzieherinn; nicht das kluge, über das wahre Interesse ihrer Familie aufgeklärte Weib, nicht die weise und gute Hausfrau, welche die Mutter aller ihrer Leute ist, nicht die liebevolle Freundinn der Menschen, welche tätig am Glücke ihrer Mitbrüder arbeitet. – Denn nur der richtige Begriff von ihrer wahren Bestimmung, und eine richtige Bildung des Verstandes, werden sie zu dem allen machen. –
Kaum hatte Elisa aufgehört, zu sprechen, als Wallenheim mit einem andern jungen mann hereinkam; er nahm ihn bei der Hand, und führte ihn zu seiner Frau: Liebe Elisa, sprach er, Herr von Felsing ist seit Kurzem unser Nachbar geworden; er ist einer meiner besten Freunde, und er wünschte, die gattin seines Freundes kennen zu lernen. Elisa begrüsste ihn freundlich. Felsing blieb zu Mittage bei ihnen; er hatte nicht das Rauhe von Wallenheim, sondern etwas Sanftes und Einnehmendes in seinem Wesen. Die Gewohnheit, sich von ihrer ersten Jugend an zu sehen, hatte Felsing und Wallenheim zu Freunden gemacht; denn Beider Landgüter gränzten an einander; allein Felsing war erst seit einigen Wochen, nach dem tod seines Vaters, Besitzer desselben geworden; sein Vermögen war indess nur mittelmässig. Er kam oft nach Wallental, Henriette gefiel ihm; Elisa sah mit Vergnügen ihre gegenseitige Neigung. Oft wenn Felsing und Henriette traulich beisammen gingen, dachte sie an Herrmann, an ihre Liebe, und dieses Andenken erpresste ihr Tränen. Sie verliess sie dann, eilte zu ihrem Carl, drückte ihn an ihren Busen, und rief aus: Du bist Wallenheims Sohn! Mütterliche Liebe unterdrückte das zu lebhafte Andenken an ihren Geliebten, sie wurde dann wieder ruhig und heiter, und ihren Carl im arme, erwartete sie das liebende Paar, und freuete sich ihres Glücks. Einst als sie von ihrem Spatziergange zurückgekommen waren, warf Henriette sich um ihren Hals: Elisa, sei Du die Erste, welche meine Empfindungen mit mir teile, und welche der Wahl meines Herzens Beifall gebe!
E l i s a . Schon längst billigte ich sie, meine Henriette, und freuete mich, dass durch sie wir nun nicht mehr so viel getrennt sein würden.
F e l s i n g . O, meine gnädige Frau! könnte ich ihnen die Grösse meines Glücks schildern! Noch immer zweifelte ich, ob meine Henriette meine Liebe erwiedern würde. Oft hoffte ich es, wenn ich sah, dass errötend ihre Blicke sich von mir wandten, und doch hatte ich nur erst heute den Mut, ihr meine Seele zu öffnen.
E l i s a . Einer meiner heissesten Wünsche war Henriettens Glück, und seine Gewährung erfüllt mich mit Freude.
Gerührt umarmten sich Elisa und Henriette. Felsing nahm Beider hände und küsste sie; endlich schlang er seinen Arm um Henrietten: O, Henriette! sprach er, ich empfange Sie aus der Hand Ihrer Freundinn! Und jetzt empfand Henriette die ganze Grösse des Opfers, welches Elisa der Tugend gebracht hatte; sie empfand, wie viel sie gelitten hatte, und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Auch Elisa erinnerte sich, wie sie, nach dem ersten Geständnisse ihrer Liebe, mit Herrmann am Halse seiner Mutter hing, welche Freudentränen vergass, und alle Scenen ihrer Liebe und ihrer Leiden schwebten mit Einemmahle vor ihrer Einbildungskraft. Sie drückte ihrer Freundinn die Hand; eine lange Pause erfolgte; endlich stand Elisa auf: Sein Sie glücklich! sprach sie bewegt, und ging hinein, um dem Andenken ihres Herrmanns einige Tränen zu weihen.
Felsings Mutter lebte noch, und wohnte bei ihm in Felsingburg. Als Felsing ihr seinen Entschluss eröffnete, Henrietten zu heiraten, fragte sie gleich: wie viel Vermögen Henriette besässe? Und erklärte ihrem Sohne, nachdem dieser ihr gesagt, dass sie gar nichts besässe, dass sie nie in die Heirat willigen würde, da sein verstorbener Vater es ihr anbefohlen hätte, keine Heirat ihres Sohnes mit einem armen Mädchen zu gestatten, weil noch Schulden auf Felsingburg hafteten, welche, wenn nicht ein teil davon bezahlt würde, vielleicht Felsing in der Folge nötigen könnten, das Gut zu verkaufen, und er wollte nicht, dass es je aus seiner Familie kommen sollte. Alle Versicherungen Felsings, nie Felsingburg zu verkaufen, sondern durch Sparsamkeit und gute Wirtschaft die Schulden in der Folge abzutragen, konnten Frau von Felsing nicht bewegen, ihren Entschluss zu ändern. Nie, sagte sie, wirst Du mit meiner Einwilligung fräulein von Wannberg heiraten, und ich werde Alles tun, diese Verbindung zu hindern.
Niedergeschlagen kam also Felsing am andern Tage nach Wallental, und entdeckte Henrietten und Elisa'n die Widersetzung seiner Mutter gegen seine Verbindung, und ihre Gründe dazu. Allein die gesetz, sprach er zu Henrietten, machen mich unabhängig von dem Willen meiner Mutter; ich bin frei, und nichts soll mich hindern, Sie, liebenswürdige Henriette, die Meinige zu nennen!
H e n r . Felsing! Nie werde ich es ohne die Einwilligung Ihrer Mutter! Ich weiss, dass Kinder nicht genötiget sind, dem Eigensinne ihrer älteren ihr Glück zu opfern, dass sie es selbst nicht müssen, wenn nicht unbedingte notwendigkeit, oder die dringendsten Ursachen sie dazu bewegen. Allein ich will nicht die Ursache Ihres Ungehorsams gegen Ihre